Tugend 8: Mitgefühl bzw. mitfühlende Liebe

Mitgefühl ist eine Unterform von Liebe. Mitgefühl ist nur möglich, wenn man Nächstenliebe empfindet. Mitgefühl kann man mit Menschen, Tieren und Pflanzen haben, ja sogar mit der Natur, mit dem Planeten Erde, mit dem gesamten Universum. Man fühlt mit allen und allem mit, mit ihren Freuden, aber auch mit ihren Leiden oder Schmerzen, mit dem, was sie beschäftigt, worüber sie sich sorgen und ängstigen.

Mitgefühl steht Ärger gegenüber. Wer in einer Grundhaltung des Mitgefühls lebt, wird wenig Ärger empfinden, weil er allem mit Mitgefühl begegnet. Umgekehrt wird derjenige, der in einer Grundhaltung des sich ärgerns lebt, in jeder Situation des Lebens, die ihm quer kommt, Ärger empfinden. Nachfolgend ein Beispiel:

Man steht an der Kasse eines Supermarktes in einer Schlange und wartet darauf, dran zu kommen. Eine Frau geht mit ihrem vollen Einkaufswagen schnurstracks an der Schlange vorbei – drängt sich also vor. Was würde man empfinden? Mitgefühl? Ärger? Oder gar Wut, nach dem Motto: „So eine Frechheit. Was bildet die sich ein!“

Man stelle sich nun vor, man wüsste, dass das Kind der Frau krank zu Hause im Bett liegt und die Frau nur schnell in den Supermarkt geeilt ist, um für ihr Kind etwas zu essen zu kaufen. Wie würde man dann ihr Vordrängen sehen? Würde man dann auch Ärger oder gar Wut empfinden? Vermutlich nicht. Man würde eher Mitgefühl mit ihr haben und sie gerne vorlassen, damit sie möglichst schnell wieder heim kann zu ihrem kranken Kind.

Mitgefühl setzt voraus, dass man nicht nur den vordergründigen Sachverhalt sieht, sondern dahinter schaut, denn hinter jeder Handlung eines Mitmenschen steckt seine Motivation für die Handlung. Wenn jemand mit seinem Auto hinter uns drängelt, kann man vordergründig glauben, es handele sich um einen Rüpel. Wenn man dahinter schauen würde, würde man sehen, dass der Drängler einen wichtigen Termin hat, den er unbedingt einhalten muss, da er sonst Ärger mit seinem Chef bekommt, der ihn ohnehin am liebsten kündigen würde.

Sich ärgern ist eine Begleiterscheinung des Egos, das sich angegriffen, kritisiert oder nicht wertgeschätzt fühlt. Das Ego kann von Natur aus kein Mitgefühl empfinden, da es in einer Grundhaltung der Rivalität lebt, in der es alle als seine Feinde sieht. Aus der Sicht des Egos ist es normal, dass man mit seinen Feinden kein Mitgefühl hat. Das Ego hat kein Verständnis für andere und ist daher auch nicht an deren Belangen oder gar Nöten interessiert. Deshalb will und kann es auch nicht hinter die Fassade schauen, um womöglich Verständnis für den anderen zu entwickeln und aufzubringen.

Gelegentlich kann auch scheinbar ein Ego Mitgefühl zeigen, jedoch handelt es sich in diesem Fall nur um ein Schein-Mitgefühl, dem Berechnung zugrunde liegt, z.B. das Aufpolieren des eigenen Image oder einen Vorteil, den es sich dadurch erhofft.

Wahres Mitgefühl ist eine Sache des Herzens, denn Mitgefühl findet immer auf der Herzebene statt. Beim Mitgefühl muss man in die Tiefe gehen, dort wo das verborgen liegt, was man „Brüderlichkeit“ nennt. Mitgefühl kann nur dann entstehen, wenn man den anderen als „Mitbruder“ oder „Mitschwester“ sieht, also als ein Wesen, mit dem man verbunden ist – sei es in der großen Erdenfamilie (Mensch) oder in der großen Universumsfamilie (SGW).
Jeder Mensch hat von Natur aus Mitgefühl mit anderen Lebewesen und Geschöpfen dieses Universums bzw. dieses Planeten Erde. Das Mitgefühl hat seine Wurzel im Geburtsprozess des Wesens/SGW in diesem Universum bzw. auf dem Planeten Erde. Ganz am Anfang seines Lebens in diesem Universum erlebte sich das Wesen in der Gemeinschaft aller Wesen dieses Universums bzw. des Planeten Erde. Es war sich bewusst, dass alle Wesen von Gottvater und Gottmutter AMA durch ihre Liebe geboren worden waren.

So wie sich das Wesen über seine eigene Geburt und das Leben, das ihm seine himmlischen Eltern geschenkt haben, gefreut hat, hat es sich über die Geburt und das Leben seiner Universumsgeschwister bzw. Erdengeschwister gefreut. Es erkannte: ich bin nicht allein, ich bin Teil der großen Universumsfamilie bzw. Erdenfamilie, einer großen Gemeinschaft. Und es freute sich darüber, in diese Gemeinschaft eingebunden zu sein, denn dies gab ihm ein Gefühl von Geborgenheit, von Liebe, wie sie innerhalb einer Familie alle Familienmitglieder miteinander empfinden – vorausgesetzt, sie leben im Bewusstsein und im Zustand der Liebe.

So lebte das Wesen ein geborgenes Leben innerhalb seiner großen Universumsfamilie bzw. Erdenfamilie und empfand für alle Wesen ein liebendes Mitgefühl. Es war am Wohlergehen seiner Mitgeschwister interessiert und es lag ihm am Herzen, dass es ihnen gut geht. Ebenso erlebte es, dass seine Mitmenschen an seinem Wohlergehen interessiert waren und sich dafür einsetzten, dass es ihm gut geht.

Mitgefühl ist nichts anderes als mitfühlende Liebe für andere Wesen und deren Schicksal. Man unterscheidet zwischen dem „gebenden Mitgefühl“, das man anderen Wesen gibt und zu Teil werden lässt, und dem „empfangenden Mitgefühl“, das uns andere Wesen entgegenbringen und uns zu Teil lassen werden.

Die eigentliche Welt dieses Universums ist eine Welt des gegenseitigen Mitgefühls. Nur durch das Ego und den Egoismus wandelte sich diese Welt in eine rivalisierende und getrennte Welt, in der die Wesen ihr Einheitsbewusstsein verloren haben und statt dessen ihre eigenen Geschwister als Rivalen und Feinde sehen.

Schneidet ein Mensch/SGW die Zweige seines Egostrauches zurück oder reißt er gar den ganzen Strauch mitsamt den Wurzeln heraus, kann er das Wunder erleben, dass das Gefühl des Getrenntseins von seinen Geschwistern und der Rivalität ihnen gegenüber nachlässt. Solange jedoch die Welt des Egos und Egoismus in unserer Gesellschaft besteht, wird der „Ego-Strauch“ immer wieder nachwachsen, was bedeutet, dass damit auch Getrenntsein und Rivalität nachwachsen. Wer jedoch immer wieder seinen „Ego-Strauch“ zuschneidet oder die austreibenden Wurzeln herausreißt, wird es erleben, dass er mit der Zeit immer mehr in den Zustand der mitfühlenden Liebe zu seinen Mitgeschöpfen eintritt.

Die Wandlung hin zum Einheitsbewusstsein, in dem der Mensch/das SGW erkennt und sich bewusst ist, dass wir alle eine große Universumsfamilie bzw. Erdenfamilie sind, geschieht dadurch, dass man sich dies immer wieder bewusst macht. Die anderen – seien sie aus einer anderen Kultur oder haben sie eine andere Hautfarbe – sind nicht andere Wesen als wir: sie sind ebenso Geschöpfe von Gott AMA bzw. Mutter Erde wie wir. Jeder hat irgendwann einmal seine Geburt in dieses Universum erlebt. Jeder hat irgendwann einmal seine Geburt auf dem Planeten Erde erlebt. Hinter jedem liegt ein ganz individueller Inkarnationszyklus, der ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist. Und selbst die, die göttliche Mitarbeiter sind, haben ihre ganz eigene Geschichte. In allen Wesen jedoch brennt das Lebensfeuer Gottes bzw. des Planeten Erde, das sie am Leben erhält.

Mitgefühl bzw. mitfühlende Liebe bedeutet, mit dem jeweiligen Lebensschicksal eines Mitmenschen Mitgefühl zu haben anstatt darüber zu urteilen. Jedes Wesen hat seine ganz individuellen Aufgaben in jedem Leben, die dazu beitragen, es auf seinem Weg voranzubringen. Wenn wir Wesen bzw. ihr Leben bewerten, Kritik üben oder gar abwerten, ist stets unser Ego im Spiel, das sich daran labt, Besserwisserei und Überheblichkeit zu üben. Indem das Ego andere kritisiert und abwertet, lenkt es von seinen eigenen Schwächen und Fehlern ab und wertet sich selbst auf.

Mitgefühl ist nicht gleichbedeutend mit Mitleid. Mit dem Lebensschicksal eines Mitmenschen in mitfühlender Liebe zu empfinden ist etwas gänzlich anderes, als mit seinem Leid, seinem Kummer und seinen Schmerzen mitzuleiden. Mitgefühl drückt aus: Du bist nicht allein in Deinem Lebensschicksal, ich bin an Dir interessiert, mich geht es etwas an, wie es Dir geht und zwar verbunden mit einem liebenden Gefühl. Mitfühlende Liebe hebt den Mitmenschen heraus aus seiner Problem- oder Leidsituation.

Wer hingegen mit einem Mitmenschen, seinem Leid, seinem Kummer und seinen Schmerzen mitleidet, steigt mit ihm hinab in die Tiefen des Leides, des Kummers und der Schmerzen. Dadurch wird das Leid verdoppelt und verstärkt, denn das Leid des einen wird das Leid von zwei. Im Leid ist zudem keine Liebe und auch kein liebendes Gefühl, sondern düstere, zähe Resignation, Depression vermischt mit Ärger, Hass und Wut. Wer daher mit einem Mitmenschen mitleidet, kann diesen durch die erhebende Liebe des Mitgefühls auch nicht aus seiner Problem- und Leidsituation herausziehen.

Mitfühlende Liebe ist ein Lichtblick für den Mitmenschen, der sich in einer Problem- oder Leidsituation befindet, denn es hebt ihn heraus.

Mitleid hingegen ist destruktiv für den Mitmenschen, der sich in einer Problem- oder Leidsituation befindet, denn es verstärkt diese Situation.

Die mitfühlende Liebe eines Mitmenschen gibt uns Wärme, Trost, Geborgenheit, Verständnis, aber auch Kraft und Antrieb, schwierige oder belastende Lebenssituationen zu bewältigen. Die mitfühlende Liebe ist das Licht, das uns aus der Dunkelheit und Verirrung herausholt.

Die mitfühlende Liebe ist die Hand unseres Mitmenschen, die die unsere ergreift, sie fest drückt und damit signalisiert: „Ich bin da, mein lieber Mitbruder, meine liebe Mitschwester. Ich bin an deiner Seite. Du bist nicht allein.“ Dadurch setzt man ein Zeichen der Verbundenheit miteinander, des Interesses am Wohlergehen des anderen. Man gibt ihm Kraft und Stärke in einer Zeit oder einem Moment, in dem der andere keine Kraft mehr hat oder nicht mehr weiter weiß. Das ist mitfühlende Liebe. Sie ist der wahre Trost, den jemand in einer schweren Situation braucht. Das ist der Trost von Herz zu Herz. Mitfühlende Liebe ist eine enorme Kraft, die man einem Mitbruder, einer Mitschwester in einer Situation der Schwäche oder der Hoffnungslosigkeit schenkt. Nicht Worte der Kritik oder der Mahnung helfen in dieser Situation, sondern Gesten des Verständnisses und der Liebe.

Wir müssen mit niemandem mitleiden, weil dieser womöglich ein schweres Lebensschicksal hat oder einen Unglücksfall erlitten hat. Jeder hat das Leben, das er verdient. Jeder erlebt das im Leben, was für ihn gerade wichtig ist, um etwas zu erkennen und verändern. Jeder hat seine eigene höhere Führung, die über ihn wacht, um ihn auf den rechten Weg zu führen. Wenn jemand scheinbar in einer Leidsituation ist, so hat er sich diese – im Einklang mit seiner höheren Führung – selbst erschaffen. Wir müssen ihn deshalb weder bedauern noch ihn bemitleiden. Wir sollten statt dessen mitfühlende Liebe für ihn empfinden, wie für einen Bruder/eine Schwester, dessen/deren Schicksal uns am Herzen liegt und dem/der wir alles Gute wünschen. Wir sollten dabei aber im Bewusstsein sein, dass alles seinen höheren Sinn hat und einem übergeordneten Plan folgt, in den wir nicht eingreifen dürfen, denn sonst entsteht positives Karma zwischen uns und der Person.

Mitfühlende Liebe ist die einzige Kraft, die dem gebeutelten Mitmenschen wahrhaft hilft. Vielleicht spüren wir intuitiv, was dem Mitmenschen jetzt helfen könnte, wieder auf den geraden Weg zu gelangen. Indem wir einige passende Worte in mitfühlender Liebe sprechen oder auch nur entsprechende Gedanken aussenden, erreichen diese das Herz des anderen und fallen dort auf fruchtbaren Boden. Das ist wahre Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit im Sinne der Universumsfamilie bzw. der Erdenfamilie.

Sind wir beispielsweise auf einem Menschen wütend, der uns betrogen hat, können wir entweder Wut darüber empfinden oder Verständnis und Mitgefühl für ihn empfinden. Zwar können wir der Ansicht sein, dass unsere Wut doch gerechtfertigt sei und wir nicht auch noch Verständnis und Mitgefühl mit dem Täter und der schändlichen Tat haben müssten. Aber: Fühlen wir uns dabei wohl? Geht es uns dabei gut? Nein, denn wir sind über unsere Wut im Teufelskreis von Hass, Zorn und Rache, die nichts als den anderen zerstören und es ihm heimzahlen möchte.

Wir müssen uns bewusst sein: das, was wir einem anderen antun möchten, tun wir uns selbst an!

Wenn wir auf den anderen wütend sind und ihm unseren Hass entgegenschleudern, schleudern wir uns selbst Wut und Hass entgegen. Wenn wir den anderen zerstören möchten, richten wir diese höchst destruktive Kraft selbst gegen uns.

Was du einem anderen antust, tust du dir selbst an!

Dies ist ein Gesetz dieses Universums. Dieses Gesetz gilt für alle Planeten und für alle Wesen. Dies bedeutet: Schenkst du einem anderen Liebe, schenkst du dir selbst Liebe. Schenkst du einem anderen Nichtliebe, schenkst du dir selbst Nichtliebe. Kritisierst du einen anderen, kritisierst du dich selbst.

Wir können das vorgenannte Gesetz auch umdrehen und es damit aus einem erweiterten Blickwinkel sehen. Dann heißt es: Was du dir selbst antust, tust du auch anderen an. Dies würde bedeuten: Wenn wir wütend über uns selbst sind, begegnen wir auch anderen mit Wut und stärken somit das Wutklima in dieser Welt. Wir sind somit nicht nur Einzeltäter, sondern auch mittragende Säulen eines gesellschaftlichen 3-D-Klimas. Wenn wir uns beispielsweise darüber beklagen, diese Gesellschaft sei zu egoistisch, so stärken wir durch unser eigenes egoistisches Verhalten permanent das globale Egoismusklima.

Was wir also zu entwickeln haben, ist eine mitfühlende Liebe für uns selbst, indem wir uns bewusst darüber werden, dass unsere Gefühle und Handlungen das Weltklima, in dem alle Menschen zusammenleben, beeinflussen. Dadurch, dass wir auch Mitgefühl für uns selbst entwickeln und haben, stärken wir eine globale Haltung des Mitgefühls, die sich positiv auf alle Menschen auswirkt. Mitgefühl ist daher nicht nur die mitfühlende Liebe zu unseren Mitmenschen, sondern auch uns selbst gegenüber. Gefühle der Liebe, des Verständnisses, der Wertschätzung usw. müssen wir auch für uns selbst empfinden.

Auch hierbei sollten wir nicht ins Selbstmitleid verfallen, indem wir uns und unser Lebensschicksal bemitleiden. Auch dies wäre destruktiv, wie bereits oben dargestellt, und würde uns nicht aus der Destruktivität herausheben. Nur mitfühlende Liebe zu uns selbst ist eine positive Kraft, die uns wieder Kraft und Zuversicht gibt, um uns aus unserer eigenen Problem- und Leidsituation herauszuheben.

Durch die mitfühlende Liebe zu uns selbst, sehen wir uns weder als Opfer noch als Täter, sondern als eingebunden in die Aufgabenstellung unseres übergeordneten Lebensplans bzw. unserer höheren Führung, die es zu bewältigen gilt. Wenn wir in einer lang anhaltenden, schwierigen Problem- und Leidsituation sind, so ist dies ein klares Zeichen dafür, dass wir die gestellte Lernaufgabe (noch) nicht bewältigt haben, sie womöglich (noch) nicht erkannt haben oder sogar auf einem gefährlichen Irrweg sind.

Wenn wir darüber Wut empfinden, stärken wir nicht nur das Wutklima auf der Welt, sondern wir kommen auch nicht aus dem Irrweg heraus. Wenn wir hingegen uns selbst mit einer mitfühlenden Liebe begegnen, stärken wir nicht nur das Klima des Mitgefühls auf der Erde, sondern führt uns diese mitfühlende Selbstliebe aus dem Irrweg der Maya heraus.

Letztlich ist die mitfühlende Liebe – sei es uns selbst gegenüber, wie auch unseren Mitgeschwistern gegenüber – nichts anderes als die mitfühlende Liebe unserer himmlischen Eltern, Gottvater und Gottmutter AMA, die sie für uns, ihre „Kinder“, empfinden. Ihre mitfühlende Liebe ist der Ursprung und die Quelle der mitfühlenden Liebe des gesamten Universums.

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