Tugend 19: Friedfertigkeit

Friedfertigkeit ist die Eigenschaft, die dazu beiträgt, dass ein Mensch oder eine Situation in Frieden kommt.

Friedfertigkeit beinhaltet Eigenschaften wie Verständnis, Toleranz, Nachsicht, Geduld, Hochherzigkeit, Behutsamkeit, Respekt, Eintracht, Harmonie, Milde, Gleichmut, Langmut, Gelassenheit, mit denen ein Mensch anderen Menschen begegnet bzw. mit denen er eine Situation behandelt.

Der Friedfertige hat ein „hohes“, barmherziges, mildes und mitfühlendes Herz, mit dem er agiert oder reagiert. Er wird von der Absicht geleitet, Frieden bei sich selbst und bei seinen Mitmenschen sowie in dieser Welt zu verbreiten, zu erhalten oder zu schaffen.

Im Gegensatz zum Friedfertigen hat der Egoist ein „niederes“, unnachgiebiges, enges und hartes Herz, mit dem agiert oder reagiert. Er wird von der Absicht geleitet, sich nur für sein Wohl und seinen Frieden einzusetzen, dafür zu kämpfen oder sogar Krieg zu führen. Das Wohl und der Frieden der anderen bzw. in dieser Welt ist ihm gleichgültig.

Während der Frieden ein Seins-Zustand ist, ist der Friedfertige ein Mensch, der den Frieden und den Friedenszustand „fertigen“, also schaffen möchte. Friedfertigkeit ist somit eine Eigenschaft eines Menschen, die er in sein Denken, Fühlen, Entscheiden und Handeln mit einfließen lässt. Der Mensch denkt friedfertig, fühlt friedfertig, entscheidet friedfertig und handelt friedfertig. Er ist in allem ein Friedfertiger.

Der Friedfertige kann einerseits ein Mensch sein, der von Natur aus die Eigenschaft der Friedfertigkeit mit in dieses Leben gebracht hat. Er kann aber auch ein Mensch sein, der in seinem Leben nicht immer friedfertig gewesen ist, irgendwann jedoch für sich erkannt hat, dass ein unfriedliches Leben nicht das ist, was ihm wohltut, und sich aufgrund dessen entschlossen hat, in die Friedfertigkeit zu wechseln. Er hat sein „niederes“ Herz in ein „hohes“ Herz anhoben, in dem er seine niederen Eigenschaften (Neid, Geiz, Intoleranz usw.) in hohe Eigenschaften gewandelt hat (Mitgefühl, Großherzigkeit, Toleranz usw.). Dadurch hat er eine neue Lebensqualität gefunden, die ihm wohltut und ihn zufrieden macht.

Der Friedfertige ist immer ein Mensch, der sich dem Frieden verschrieben hat und in den Strahl des göttlichen Friedens eingetreten ist. Der Friedfertige ist nicht zu verwechseln mit einem Friedensaktivisten oder Friedenskämpfer, der mit seinem weißen oder schwarzen Ego für Frieden demonstriert oder dafür kämpft. Der Friedfertige ist aus dem polaren Kampf um und für den Frieden ausgestiegen (oder nie in diesem gewesen).

Der Fokus des Friedfertigen ist auf den friedvollen Frieden ausgerichtet, den man auch als göttlichen Frieden bezeichnen kann, weil er nichts als Frieden will und dabei friedlich ans Werk geht. Es ist ein absolutes und ausschließliches „für den Frieden“ und kein „gegen etwas, das den Frieden gefährdet, wie es bei Friedensaktivisten und Friedenskämpfern der Fall ist, die immer gegen etwas demonstrieren oder kämpfen, z.B. gegen Atomkraft, gegen den Krieg in Syrien usw.

Der Friedfertige hat erkannt, dass alles „gegen Frieden“ nicht wirklich Frieden ist, sondern Unfrieden. Es ist wie ein Kampf des Unfriedens um Frieden. In den Herzen derer, die in diesen Kampf involviert sind, ist Unfrieden, Hass, Zorn usw. Im Herzen des Friedfertigen hingegen ist Frieden, Mitgefühl, emotionale Ausgeglichenheit usw. So steht der Friedfertige dem Unfriedlichen und Zornigen gegenüber, der seine dunklen und destruktiven Emotionen entladen möchte. Der Friedfertige hingegen ist ruhig und geduldig und sieht allem mit Gelassenheit entgegen.

Friedfertigkeit ist eine göttliche Tugend, die, wenn sie praktiziert wird, einen Zustand des Friedens ermöglicht. Indem der Mensch friedfertig denkt, fühlt, entscheidet und handelt, erschafft er sich und anderen einen Zustand des Friedens. Friedfertigkeit hat nichts mit Schwäche, Nachgiebigkeit, Feigheit oder fehlender Durchsetzungskraft zu tun. Wer den Weg der Friedfertigkeit geht, braucht eine große innere Selbstdisziplin und Stärke, um sich in einer unfriedlichen Welt friedfertig zu verhalten und sich von seinem Weg der Friedfertigkeit nicht abbringen zu lassen. Schwache oder feige Menschen könnten einen solchen Weg nicht durchhalten, das können nur solche, die eine innere Stärke und Kraft haben.

Somit ist Friedfertigkeit zwar eine milde Sache, aber zugleich auch eine starke. Die Stärke der Friedfertigkeit ist der Strahl des göttlichen Friedens, der sie nährt. Und so wie der Strahl des göttlichen Friedens die Friedfertigkeit nährt, nährt er den Friedfertigen, der mit der Eigenschaft der Friedfertigkeit durchs Leben geht. Die Stärke des Friedfertigen ist somit nicht seine eigene, sondern sie ist eine göttliche. Und das macht den Friedfertigen stärker als jeden anderen, denn die göttlichen Kräfte, die in ihn einfließen, sind die höchsten Kräfte in diesem Universum.

Wahrhafte Friedfertigkeit kommt immer aus dem Herzen und sie spielt sich auf der Herzebene ab. Sie ist eine barmherzige, warmherzige und großherzige Sache. Das Herz will „gern haben“ und nicht „recht haben“, wie es dem Ego zu eigen ist. So ist die Pseudo-Friedfertigkeit, die ein Egoist aus berechnenden Gründen (z.B. Imagepflege, wirtschaftliche oder politische Interessen usw.) praktiziert, eine reine Sache des Verstandes, in der das Herz keine Rolle spielt.

Damit Friedfertigkeit in einem egoistischen Menschen entstehen kann, braucht es eine Herzöffnung und eine Berührung des Herzens, damit der Herzfunke wieder angefacht wird und das Herz wieder zum Leben kommt. Friedfertigkeit ist keine rein theoretische Sache, sondern in sehr starkem Maße eine praktische. Natürlich muss ein Mensch das Wissen über Frieden und Friedfertigkeit haben, aber dann muss es im täglichen Leben praktiziert werden. Durch das praktische Leben der Friedfertigkeit werden die Ego-Eigenschaften und -Muster, die sich der Mensch über viele Jahre angeeignet hat, aufgeweicht, aufgelöst und in Frieden erlöst. Dann ist der Weg frei, dass die neuen friedfertigen Eigenschaften und -Muster im System Körper-Seele-Geist eingepflanzt und integriert werden können.

So wandelt sich der Mensch mit seinem SGW vom egoistischen, selbstsüchtigen Wesen hin zu einem friedfertigen und selbstlosen Wesen. Und indem sich der einzelne Mensch mit seinem SGW so wandelt, trägt er dazu bei, dass auch anderen Menschen davon inspiriert werden und ihm nachfolgen. Auf diese Weise vollzieht sich über Jahre gesehen ein gesellschaftlicher Wandel von einer egoistischen Gesellschaft hin zu einer friedfertigen Gesellschaft. Dies ist nichts anderes als ein Zeitalterwechsel: der Mensch ändert sich, die Gesellschaft ändert sich, der Planet ändert sich, viele Planeten ändern sich, das Universum ändert sich. Änderung im Mikrokosmos – Änderung im Makrokosmos. Der Ursprung der Änderung aber liegt weder im Mikrokosmos noch im Makrokosmos, sondern in Gott AMA selbst, der einen Zeitalterwechsel in SEINEM Universum beschlossen hat.

Damit sich eine Gesellschaft von einer egoistischen, selbstsüchtigen in eine friedfertige und selbstlose Gesellschaft wandeln kann, werden von der göttlichen Führung die entsprechenden Ereignisse und Entwicklungen in die Wege geleitet und inszeniert. Man muss sich hierzu nur die aktuelle Lage auf unserem Planeten Erde anschauen: beispielsweise die Auflehnung der Ärmsten der Armen, die nun die wohlhabenden Länder stürmen oder die Flüchtlingsströme derer, die aus Kriegsgebieten in die friedlichen Länder flüchten.

All jene Länder auf dem Planeten Erde, auf denen Frieden herrscht und deren Bevölkerung Arbeit, Geld, Güter und ausreichend zu essen, dazu Bildungsmöglichkeiten und ein demokratisches System haben, sind heute wie das gelobte Land, in das all die streben, die dies nicht haben. Doch oft sind die viel gelobten Länder gar nicht so friedfertig wie es den Anschein hat. Jetzt zeigt sich, wer in der Gesellschaft wirklich friedfertig ist und wer nicht.

All jene, die in dieser Situation auch nur irgendwie denken: „Weg mit den Flüchtlingen, weg mit Asylanten. Wir möchten sie hier nicht haben. Und ich möchte schon gar nicht, dass sie neben mir wohnen, usw.“, sind nicht wahrhaft friedfertig. Da ist noch allerlei Unfrieden und auch Nichtliebe/Hass in ihnen.

Indem wir erkennen, dass dieses gesamte Flüchtlingsproblem nicht ein Zufall ist, sondern eine Inszenierung der göttlichen Führung für den Einzug eines neuen Zeitalters auf dem Planeten Erde (wie im gesamten Universum), sehen wir die aktuelle Situation als eine große Chance für uns, uns zu wandeln, vom Egoisten, der alles für sich beansprucht, andere als Feinde sieht und nicht teilen möchte, hin zum Altruisten, der bereit ist zu teilen, den anderen anzunehmen als seinen Bruder/seine Schwester, und ihm großzügig zu helfen. Dies ist ein wahrhaft friedfertiges Handeln.

Jetzt wird sich die Gesellschaft spalten – in die, die in der aktuellen Flüchtlingssituation mit Gemeinheiten und Gewalt reagieren, Flüchtlinge bedrohen, ihre Häuser anzünden, sie sogar umbringen, und in die, die diese armen Kreaturen mitfühlend annehmen, ihnen helfen und sie beschützen. Sie tun dies auch auf die Gefahr hin, dass die anderen sie dafür bedrohen und ihnen womöglich Gewalt antun. Die derzeitige Entwicklung in der Gesellschaft trennt die Spreu vom Weizen, d.h. sie trennt die Egoisten, die kein Herz haben, von den Friedfertigen, deren Herz jetzt zum Tragen kommt.

Im Zeitalterwechsel haben sich immer die Gesellschaften gespalten. Die, die beim alten Kurs geblieben sind, sind mit diesem untergegangen. Die, sich dem neuen Kurs zugewandt haben, sind mit diesem in ein neues Zeitalter gegangen. Eine Maxime im neuen Zeitalter ist der Frieden, die Friedfertigkeit, die Zufriedenheit, das Friedensherz, das in der Brust der Menschen (und ihrer SGWs) schlägt und die Herzensliebe, die das Zusammenleben aller Wesen ermöglicht. Diese Herzensliebe lässt erkennen, dass wir alle Geschöpfe Gottes sind, Brüder und Schwestern in Gott AMA. Das Band der Herzensliebe vereint uns alle und jeder wird sich für jeden anderen einsetzen und ihm dabei helfen, dass er ein würdiges Leben führen kann.

Ein solcher, gemeinsamer Lebensstil in Frieden und Liebe ermöglicht es, dass das Leben auf dem Planeten Erde zukünftig ganz anders ausschauen wird. Anstatt sich mit Rivalitäten und Egospielen aufzureiben und seine Kraft und Zeit zu vergeuden, kann man sich mit den essentiellen Dingen befassen: dem Anheben seiner Schwingung und Frequenz, der Erweiterung seines Bewusstseins, der Wandlung vom niederen Menschen/SGW hin zum hohen Menschen/SGW und all den weiteren Dingen, die notwendig sind, um seinen Inkarnationszyklus zu vollenden und in Gott AMA aufzusteigen. Dies ist dann das Ende seines Universumsspiels und es tritt ein in einen Zustand immerwährender Glückseligkeit, in dem es mit allem-was-ist vereinigt ist und ein Licht im Lichtermeer Gottes ist, das ewiglich für IHN brennt.

Der Ausstieg aus dem Dunklen Zeitalter des Egoismus beginnt damit, dass das Wesen Frieden herstellt, Frieden in sich selbst, Frieden mit anderen, Frieden mit dieser Welt, Frieden mit Gott. Es stellt aber auch Frieden mit seinem Ego und Super-Ego her, von dem es so lange beherrscht worden ist. Indem es Frieden mit seinem eigenen Ego und Super-Ego herstellt, kann dieses sterben und in Frieden „begraben“ werden. Dann kann das Wesen den „Pfad der Friedfertigkeit“ beschreiten und alle Tugenden der Friedfertigkeit, wie z.B. Toleranz, Verständnis, Mitgefühl usw., leben. Dadurch entwickelt sich seine Friedens-Natur, die es ihm ermöglicht, in die Liebe zu allem-was-ist einzutreten.

Der Mensch (und sein SGW) geht den „Pfad der Friedfertigkeit“ und wandelt auf diesem eine alte Eigenschaft bzw. ein altes Lebensmuster des Unfriedens in eine neue Eigenschaft bzw. ein neues Lebensmuster des Friedens. Er fertigt seinen eigenen Frieden wie einen Friedensmantel, den er wie eine Patchwork-Arbeit Stück für Stück aneinanderfügt. Wenn der Friedensmantel fertig ist, legt er ihn sich über und tritt in den göttlichen Frieden ein, von wo aus ihn dann sein Aufstiegsweg weiterführt in die göttliche Liebe. Auch hier wartet ein Pfad auf ihn, den es zu beschreiten gilt: den „Pfad der göttlichen Liebe“.

Friedfertigkeit heißt also, sich seinen eigenen Frieden anzufertigen, ihn wie einen Patchwork-Mantel Stück für Stück zum Wachsen zu bringen und ihn fertig zu stellen, damit er dann vom Wesen getragen werden kann.

Friedfertigkeit ist ein Begriff, hinter dem sich Entwicklung und Wachstum verbirgt, das Friedenswachstum des Menschen (und seines SGWs). Friedfertigkeit bedeutet aber auch Frieden zu praktizieren, ihn zu lernen, ihn zu verbessern, ihn zu optimieren, bis man am Ende ganz im göttlichen Frieden ist.

Auf Sanskrit bedeutet „Friedfertigkeit“ „Nirvaira“, was heißt „keine Feindschaft haben“ und in seinem ganzen Wesen und Handeln friedfertig sein. Das Gegenteil von „Nirvaira“ ist „Vairita“, die Feindschaft, die auf der Wurzel des Hasses/Dvesha und der Nicht-Liebe basiert.

Wer im Bewusstsein von „Nirvaira“ schwingt, ist friedlich, was auf Sanskrit „shavanta“ bedeutet und ist in seinem Inneren ruhig und neutral. Dieser persönliche Frieden kann sich zu „Sushanta“ steigern, einer ganz starken friedlichen Ruhe, die in einen meditativen Bewusstseinszustand überleitet, wo das Ego aufgegeben wird und man eins mit seinem SGW und Gott ist.

Dann ist der Mensch im Bewusstsein von „Shanti“, dem wahrhaftigen göttlichen Frieden und der göttlichen Stille, aufgegangen. Daraus ergibt sich ein dauerhafter Zustand von „Shama“, innerer Gleichmut, Ruhe und Neutralität. Hier haben die Leidenschaften des Egos keine Macht mehr über den Menschen und er ist in seinem ganzen Wesen gelassen und neutral. „Shama“ ist die erste Qualität der sechs heiligen Schätze des Geistes, welche auch „Shatkasampatti“ genannt werden. Sie sind die Grundlage für jegliche spirituelle Entwicklung und jede Ausbildung zum göttlichen Mitarbeiter und lauten:

  1. innere Gelassenheit, Friedfertigkeit und ruhiges neutrales Agieren mit seinem göttlichen Geist: Shama
  2. Herrschaft über die Sinnesorgane: Dama
  3. Erfüllung der eigenen irdischen, göttlichen und spirituellen Pflichten: Dharma
  4. Das geduldige Ertragen aller polaren Gegensätze und Prüfungen: Titikasha
  5. Glaube an Gott AMA: Shradhha
  6. Die Fähigkeit zur Zentrierung, Meditation und Vereinigung mit Gott AMA und Seinem Herzzentrum: Samadhana

Wenn das Wesen im Bewusstseinszustand der sechs Schätze und besonders von „Shanti“, dem göttlichen Frieden schwingt, kann es sich ganz Gott AMA, seinem spirituellen Meister und der göttlichen Führung hingeben. So entsteht aus dem eigenen Frieden eine tiefe, friedvolle Hingabe, die durch eine ruhige und gleichmäßige Beziehung zu Gott AMA und dem spirituellen Meister gekennzeichnet ist, ohne Zweifel, Schwankungen und Ängste. Dieser Frieden beruht auf der Erkenntnis, dass man nicht der sterbliche, irdische Körper ist, sondern ein unvergängliches göttliches Seele-Geist-Wesen, das ein Teil Gottes ist. Dieser wahre göttliche Frieden kann durch keine äußeren Einflüsse der Maya mehr gestört werden.

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