Im Dunklen Zeitalter in der L’Egoland-Welt war es üblich, dass die Wesen nach dem Lustprinzip lebten und ständig danach strebten, ihre Gelüste zu befriedigen. Die sexuelle Befriedigung der Wollust sowie die orale Befriedigung der Essenslust standen dabei im Mittelpunkt, aber auch andere Gelüste gehörten dazu wie beispielsweise die Lust zu faulenzen, Sport zu treiben, mit dem Auto zu rasen oder dem anderen eins auszuwischen. Alle Lüste bzw. Gelüste wurden voll ausgelebt und jederzeit befriedigt. Das Leben war komplett und maßlos Lust gesteuert. Begriffe wie Genügsamkeit, Enthaltsamkeit, Entsagung und Selbstdisziplin entlockten den meisten nur ein abfälliges Lächeln.

Lust bzw. Gelüste auf etwas oder auf einen Menschen ist eine Folge des Verlangens bzw. der Begierde, die jemand nach etwas oder nach einem Menschen hat. Der Gierige hat beispielsweise Lust auf einen Ferrari, also setzt er seine Lust dafür ein, das nötige Geld für den Kauf zu beschaffen – auf welche Weise auch immer. Wenn er dann das Luxusauto sein eigen nennen und er auf der Autobahn mit Tempo 250 dahin brausen kann, fühlt er sich als der große Hecht und seine Ego-Gier erlebt Befriedigung.

Jedoch hält dieser Zustand der Befriedigung nicht lange an, sondern verfliegt rasch wie ein Rausch. Sein Hunger nach weiteren Lusterlebnissen treibt ihn zum nächsten Objekt, das er bekommen möchte, um den kurzen Rausch der Befriedigung erneut zu erleben. So ist der gierige und Lust gesteuerte Mensch immer hungrig – nach ständig neuer Befriedigung. Er erkennt nicht, dass der Zustand der Befriedigung ihm niemals wahren und dauerhaften Frieden bringen kann. Denn Befriedigung ist immer an eine irdische Sache, ein Objekt oder an einen Menschen gebunden, während der Friede eine Sache des Herzens und der Seele ist, ein friedlicher Zustand, der im Inneren des Menschen herrscht – ein Seins-Zustand, der frei ist von äußeren Faktoren.

Der viele Jahrtausende vorherrschende Trend des Dunklen Zeitalters und der L’Egoland-Welt hat den Wesen zwar eine ungeahnte Lustentfaltung und ein nie gekanntes Lusterleben ermöglicht, sie jedoch nicht wirklich glücklich und zufrieden gemacht. Die Lust ist wie ein Rausch, der so schnell entsteht wie er wieder vergeht. Was bleibt ist Ernüchterung und Leere. Beim ersten Mal hat man noch Lust auf Kaviar oder Champagner; jedoch ständig gegessen erzeugt er keine Lust mehr, sondern Überdruss. Dann hat man eher Lust auf Bratkartoffeln, Spinat oder Salat.

Wer so viele Jahrtausende das Wechselbad von Lust, Befriedigung, Ernüchterung, Leere und wieder Lust, Befriedigung, Ernüchterung und Lehre und wieder Lust usw. erlebt bzw. erlebt hat, kommt an den Punkt, da er genug davon hat. Er erkennt, dass sich alles nur immer wiederholt wie in einer Endlosschleife. Er möchte nur noch eines: Freiheit, Ruhe, inneren Frieden und Zufriedenheit. Ist ein Wesen an diesem Punkt angelangt, kann es aus dem alten lustbetonten Zeitalter aussteigen und in neues, lustfreies und statt dessen gemäßigtes, auf göttlichen Werten begründetes Zeitalter, wechseln.

In dem dafür notwendigen Transformationsprozess muss es lernen und dahin gelangen, seine Triebe, Gelüste und Begierden zu disziplinieren und zu beherrschen. Es muss dazu übergehen, sich in allen Bereichen des Lebens gemäßigt verhalten. Dazu muss es den „Pfad der Enthaltsamkeit“ beschreiten, in dem es lernen muss, freiwillig enthaltsam zu leben. Dies bedeutet, bereitwillig und aus eigenem Willen auf bisherige Bequemlichkeiten und Sinnesgenüsse zu verzichten, insbesondere im Bereich, Essen, Genussmittel und Sexualität.

Das Ziel eines enthaltsamen Lebens besteht darin, seine niedere, triebgesteuerte Ego-Natur in die höhere, göttliche Natur zu transformieren, in der das Wesen frei ist von Triebhaftigkeit. Dazu müssen die Wurzeln des Göttlichen sowie die göttlichen Tugenden beharrlich eingeübt sowie alles vermieden werden, was dem Transformationsprozess im Wege steht.

Enthaltsamkeit ist wie eine Abmagerungskur, die ein Wesen durchführt, weil es zu viele Pfunde drauf hat. Sie ist auch wie eine Entschlackungskur, die ein Wesen durchführt, weil es zu viele Ablagerungen und Schlacken in seinem Körper hat. Durch die Enthaltsamkeit wird der Körper bzw. das Körpersystem gereinigt und umgewöhnt. Altes wird abgestoßen und aufgelöst, das System wird wieder leichter und freier, zudem kann es sich regenerieren, um dann in eine neue Lebensphase einzutreten.

Im „Abmagerungs- und Entschlackungs-Prozess“ werden, durch strikte Enthaltsamkeit und Entsagung, alle überzüchteten und aufgeblähten Begierden und Triebe des Egos bis auf die Wurzeln zurückgeschnitten. Danach werden die giftigen Wurzeln entfernt, damit die Ego-Pflanze nicht mehr austreiben kann. In dem Maß, in dem die Triebe und Begierden abgeschwächt und entfernt werden, verlieren sie ihren destruktiven Einfluss und ihre anti-göttliche Macht über das Wesen. Statt dessen erwachen die göttlichen Tugenden zu neuem Leben, um nach und nach die göttliche Vorherrschaft über das Wesen anzutreten.

Wenn das Wesen von einem egobeherrschten, in den Wurzeln des Übels und in den Todsünden verhafteten Leben, wieder in ein tugendhaftes, selbstloses und reines Leben zurückkehrt, ist es nicht nur geläutert, sondern befindet es sich auch wieder auf dem „geraden, göttlichen Kurs“. Dann kann es wieder seinem übergeordneten Inkarnationsplan bzw. seinem göttlichen Auftrag folgen, wie es von seiner göttlichen Führung vorgesehen ist.

Enthaltsamkeit, gerade wenn sie strikt und konsequent eingehalten wird, mag dem Wesen am Anfang seines Transformationsprozesses so erscheinen als würde ihm alle Freude am Leben genommen. Dies ist jedoch ein Irrtum. Die wirkliche und wahrhaftige Freude kommt erst durch den Prozess der Enthaltsamkeit, wenn das Wesen in den Zustand gelangt, den man als „Freiheit“ bezeichnet. Wer beispielsweise sexuell enthaltsam lebt und sich dadurch aus der Todsünde der Wollust befreit, erlebt ein nie gekanntes Gefühl von Freiheit, denn er hat seine wollüstigen Triebe besiegt.

So führt der Pfad der Enthaltsamkeit das Wesen aus der Abhängigkeit seiner Ego-Triebe in den Sieg über seine eigene Triebhaftigkeit. Enthaltsamkeit ist somit ein göttliches Werkzeug, um die göttliche Natur im Wesen von der Vorherrschaft der anti-göttlichen Natur zu befreien. Das Wesen, das durch seine maßlose und unbeherrschte Triebhaftigkeit seine göttliche Selbstachtung und Selbstwürde verloren hat, tritt durch den Sieg über seine Triebhaftigkeit wieder in die göttliche Selbstachtung und Selbstwürde ein. So ist der Pfad der Enthaltsamkeit weder eine Entbehrung noch ein Verlust, sondern ein großer Gewinn. Maßlose und unbeherrschte Triebhaftigkeit ist immer ein Zeichen von Schwäche; wer hingegen enthaltsam lebt und seine Triebe beherrschen kann, zeigt und beweist damit, welche Stärke in ihm herrscht. Sich seinen Trieben zu ergeben ist einfach; seine Triebe mittels Enthaltsamkeit zu beherrschen oder sie gar zu überwinden, erfordert einen starken und zielstrebigen Willen.

Die Tugend der Enthaltsamkeit basiert auf der Yamas „Brahmacarya“, was Enthaltsamkeit, Keuschheit, reine Lebensweise und ein tugendhaftes Leben bedeutet, geht jedoch in dieser besonderen Form als Tugend der Wurzel der Selbstlosigkeit noch darüber hinaus. Wörtlich heißt Brahmacarya „der Wandel im Brahman“, was andeutet, dass sich der Schüler im Bewusstsein Gottes vom Menschen zum göttlichen SGW wandelt. Brahmacarya ist also nicht nur eine Lebensweise, sondern auch eine Lebensstufe, die zur Erkenntnis des Brahman, d.h. Gottes, führt. Brahmacarya bezieht sich auf die Aktivitäten aller Sinne, nicht nur auf die Sexualität, sondern auch auf die 10 Sinne, nämlich den Sehsinn, den Hörsinn, den Geruchssinn, Geschmackssinn, den Tastsinn, den Temperatursinn, die Schmerzempfindung, den Gleichgewichtssinn, den Körpersinn und den sensorischen Bewusstseins-Sinn. Alle diese 10 Sinne werden gemeistert und die darin verborgene Versuchung zum Egoismus abgelegt.

Wer die Tugend der Enthaltsamkeit in sich verankert hat, wird zu einem „Brahmajnanin“, d.h. zu jemanden, der im Bewusstsein von Gott AMA, d.h. Brahman, wandelt und IHN kennt. Der Mensch ist zu einem bewussten, spirituellen Wesen geworden, das sich regelmäßig spirituellen Übungen und Ritualen unterzieht, um sein Ego weiter zu meistern und seine Wurzeln des Übels zu kontrollieren, so dass gleichzeitig seine Wurzeln des Göttlichen und sein SGW gestärkt werden können. Früher wurden mit „Brahmajnanin“ auch Menschen bezeichnet, die die Gelübde der Keuschheit, der Weltentsagung und der Armut abgelegt hatten.

Ein „Brahmajnanin“ hat erkannt, dass alles Maya ist. Er hat seinen Geist von den Täuschungen der irdischen 3D-Welt abgewandt und sein Bewusstsein und seine Gedanken fortwährend auf Gott gerichtet. Er hält sich von der seichten Unterhaltung und der oberflächlichen Verführung des Anti-Gottes und seiner Mitarbeiter fern, welche ihm nichts mehr bieten können, da er sich ihrer Täuschung bewusst ist.

Gleichzeitig hat ein „Brahmajnanin“ eine sehr edle, feine Seele entwickelt, die von hoher Kultur ist. Er lässt sich weder von den polaren Kräften der Freude und des Glücks überwältigen, noch von den polaren Kräften der Trauer und des Leides. Sein gesamtes Bewusstsein ist in einem Null-Zustand der göttlichen Neutralität, wodurch er über einen besonders wachen und intelligenten Geist verfügt, der es ihm möglich macht, sich weiter spirituell zu entwickeln und in die höheren göttlichen Dimensionen einzutreten.

Das Ziel jedes Menschen ist die Erkenntnis Gottes, das „Brahmajnana“. Denn nur durch die Erkenntnis von Gott AMA kann die göttliche Wirklichkeit erkannt werden. Es geht hierbei nicht um eine intellektuelle KW- oder Ego-Erkenntnis, sondern um ein existentielles Erkennen, Umsetzen und Verwirklichung, die auf der Aufhebung der Spaltung des individuellen Geschöpfes von Gott AMA beruht. Subjekt und Objekt werden somit wieder eins, was das Ziel von allen Geschöpfen ist und „Brahmaikyata“, d.h. Vereinigung mit dem Göttlichen, genannt wird.

Ein enthaltsames Wesen wird allein von dem Wunsch getrieben, Gott AMA bzw. das Brahman zu erkennen. Dieser Wunsch wird auch „Brahmajijnasa“ genannt. Ein solches Wesen ist erfüllt von der Suche nach Gott AMA und der Untersuchung Seines Bewusstseinsmeeres. Er übt sich permanent in der spirituellen Praxis der Unterscheidung, um die Realität des Einen und die relative Unwirklichkeit der Vielfalt der Maya erkennen zu können. Dies geschieht über die Meisterschaft der 10 Sinne, des Egos und des irdischen Körpers.

Ein „Brahmajnanin“ enthält sich aller niederen Bewusstseinsebenen und Dimensionen, um in „Brahmaloka“, die Dimension von Gott AMA; d.h. in die Plus 7. Dimension, eintreten zu können. Dies ist nur möglich, wenn er ein hohes Bewusstsein entwickelt hat, das bereits im irdischen Leben einen Ewigkeitscharakter aufweist, der frei von der vergänglichen irdischen Welt ist. Das Wesen ist nur noch auf die Erfahrung der Einheit mit Gott AMA ausgerichtet. Es identifiziert sich nicht mehr mit seinem Körper, seinen irdischen Sinnen und seinem KW-Denken. In diesem göttlichen Bewusstseinszustand, der auch Brahman-Zustand genannt wird, wird die göttliche Realität in ihrer ganzen Form erfahren. Die polaren Kräfte der Trennung haben keine Macht mehr.

Auf diese Weise erlangt das Wesen wahre göttliche Glückseligkeit, die „Brahmananda“ genannt wird, nämlich das Glücksgefühl, das Gott AMA vermittelt, wenn man mit IHM eins wird. Das Wesen ist dann nicht mehr an den Inkarnationszyklus der Wiedergeburt gebunden, sondern kann aus diesem aussteigen und in Gott AMA aufsteigen, da es wahre Befreiung von der Maya und seinem individuellen Ich erlangt hat. Durch „Nirvikalpa“, d.h. die Beherrschung der Sinne, wurde auch die letzte Spur von Polarität im Menschen ausgelöscht.

„Nirvikalpa“ ist ein Teil der Tugend der Enthaltsamkeit. Es ist eine Stufe der Erleuchtung, die frei von allen irdischen Aktivitäten des Egos ist und das Bewusstsein des Menschen beständig und unwankelbar in den höheren Dimensionen und der Wirklichkeit von Gott AMA verankert hat. Die irdischen Sinne, der Körper, das KW und das Ego wurden gemeistert und abgelegt, so dass das Wesen ohne alle Sinnestätigkeit ist. Es ist in einem neutralen Nullzustand der Stille und des Schweigens der irdischen Sinne, welcher auch „Nirvikalpamauna“ genannt wird.

Daraus ergibt sich er Zustand von „Nirvikalpasamadha“, der höchste Bewusstseinszustand der Erleuchtung in der Plus 7. Dimension, in welchem nicht nur die irdischen Sinne, das KW und das Ego ausgeschaltet sind, sondern auch die Verwirklichung des göttlichen Satzes „Ich bin ein Teil Gottes“ geschehen ist. Der Mensch gibt sich selbst und sein menschliches und seelisches, individuelles Selbst auf, um wieder im Ur-Meer der Einheit Gottes aufzugehen, wo es weder Dualität noch Subjekt oder Objekt gibt.

Nur ein Wesen, das vollständig frei von der Vorstellung seines begrenzten Ichs ist und seine göttliche Natur erkannt hat, kann in diesen Bewusstseinszustand eintreten. Aus diesem heraus wirkt es nicht mehr für sein eigenes Wohl, sondern für das Wohl von allem-was-ist, denn das ist das einzige, was das Wesen noch interessiert. Die eigenen Ego-Bedürfnisse sind längst uninteressant geworden. Dies ist die Basis eines göttlichen Mitarbeiters, der sich im Universum inkarniert, um anderen Geschöpfen bei ihrer spirituellen Entwicklung und ihrer Rückkehr zu unterstützen und zu führen. Alles andere ist für ihn nicht mehr relevant. Der eigene spirituelle Aufstieg wurde so lange zurückgestellt, bis der göttliche Auftrag ausgeführt und alle Geschöpfe wieder in Gott AMA eingegangen sind.

Wer in er Tugend der Enthaltsamkeit lebt, hat die göttliche Wirklichkeit, das Wesen von Gott AMA und Seine göttlichen Prinzipien erkannt. Dieser Bewusstseinszustand wird auch „Brahmatattva“, das Wesen von Brahman, genannt. „Brahmatattva“ weist einerseits auf das Bewusstseins-Meer der absoluten Wirklichkeit von Gott AMA hin, andererseits auf Gott AMA selbst, der der Herr dieses Meeres ist. Indem das Wesen die göttliche Unterscheidungskraft entwickelt hat, erkennt es, dass es in der tiefen Wurzel seines Seins eins mit Gott AMA ist und deshalb zu IHM zurückkehren wird und muss.

Die über diesen Zustand hinausgehende Entwicklung ist nur durch Hingabe an Gott AMA möglich. So wird aus dem Zustand der Enthaltsamkeit von den irdischen Sinnen, dem Ego und dem KW, ein Zustand des Sich-Öffnens und des Sich-Hingebens an Gott AMA und Sein Bewusstseinsmeer der Liebe, des Lichts und des Friedens. Das, was man aufgegeben hat, erhält man nun tausendfach in anderer, höherer Form zurück. Ein Wesen, das sich L’Egoland enthält, verliert somit nichts, sondern gewinnt am Ende viel mehr, indem es Teil der Fülle Gottes wird. Denn wie schon die Upanisahden sagen: „Brahmavid brahmaiva bhavati“, d.h. „Wer Brahman/Gott AMA erkennt, wird selbst zu einem Teil von IHM.“