73. Weisheitsperle: Die Selbstdisziplin

Botschaft von Hermes Trismegistos/Thot

 
Meine Seelengeschwister, ich grüße Euch im Namen des EINEN Gottes und Herrn dieses Universums. In dieser Botschaft möchte ich Euch über die Selbstdisziplin und Selbstmeisterschaft auf dem spirituellen Pfad berichten, welche wichtig sind, damit Ihr göttliche Meisterschaft über Euer Ego, Euren Körper und Eure Sinne erlangen könnt.

In den Yogasutren des Patanjali heißt es dazu:

II.43: „Kāyendriya-siddhir-aśuddhi-kṣayāt tapasaḥ.“
„Durch Selbstdisziplin wird Unreinheit aufgelöst und man erlangt Kräfte über Körper und Sinne.”
Oder:
“Die disziplinierte Anwendung von reinigenden und stärkenden Übungen beseitigt alle Unreinheiten und bewirkt die Vollkommenheit des physischen Körpers und der Sinne.“

Wisse: Jede spirituelle Entwicklung verlangt Tapas/Selbstdisziplin, aber keine fanatische Selbstkasteiung. Es gibt Menschen, die meinen sich für ihre spirituelle Erleuchtung geißeln oder „ans Kreuz“ nageln lassen zu müssen. Sie fasten bis zur Selbstzerstörung, gönnen sich keinen Schlaf, stehen Stundenlang auf nur einem Bein oder halten ihren Arm so lange hoch, bis dieser abstirbt. Das Ziel jeder spirituellen Entwicklung ist immer das Zur-Ruhe-Kommen des Egos und seinen polaren Mustern. Dies geschieht aber nicht dadurch, dass man seinen physischen Körper quält und mit dem Ego verwechselt. Bereits Krishna sagte in der Bhagavad Gita zu Arjuna: „Dummköpfe sind die, welche in schrecklicher Entschlossenheit ihre unschuldigen Körper foltern und damit auch mich quälen, der ich in ihnen wohne.“ (Kap. 17, Vers 2).

Krishna gibt hier das Bild vom physischen Körper als Tempel des göttlichen Geistes und Gottes. Den Tempel sollte man achten und nicht zerstören. Der richtige Pfad ist deshalb der Weg der goldenen Mitte. Dieser wandelt nach und nach das Ego und verhilft dem Menschen so zu mehr Klarheit, SGW-Bewusstheit und Neutralität. Wer zu viel in zu kurzer Zeit verändern will, wird keinen Erfolg haben, sondern durch die Gier seines Egos scheitern. Wer unliebsames Karma, Ego-Programme und Ego-Muster aufgeben will, muss diese Schritt für Schritt angehen, sonst entsteht zu viel innerer Widerstand des Egos.

Veränderung bedeutet immer Widerstand und Reibung, was die Guna Rajas anfacht und aus dieser göttliches Feuer erzeugt. Dieses Feuer transformiert auf allen Ebenen und ist etwas Positives. Durch das Feuer wird das Gold gereinigt und das Eisen gehärtet. Das göttliche Transformationsfeuer kann aber auch schmerzen und deshalb fallen die körperlichen und geistigen Bemühungen auf dem spirituellen Pfad oft schwer. Das Ego widersetzt sich der Transformation und möchte lieber einen anderen, bequemeren Weg gehen, bei dem es keine Schmerzen und unangenehmen Selbsterkenntnisse erleben muss.

Den spirituellen Pfad trotz aller Widrigkeiten und Unbequemlichkeiten weiterzugehen und nicht von der göttlichen Wahrheit abzulassen, ist Tapas. Das gesamte Leben mit seinen vielen Lernlektionen und Prüfungen ist ebenfalls Tapas. Denn der gesamte Inkarnationsweg der Seele-Geist-Wesen durch das Universum dient ihrer Transformation und Wandlung.

Tapas ist die sanfte, aber zielstrebige und kontinuierliche Bemühung um Reinheit und seelische Stärke auf allen Ebenen des menschlichen Daseins. Tapas beginnt beim physischen Körper und seiner Reinigung durch die Shatkarmas, die bereits in der 32. Weisheitsperle der Reinheit erläutert wurden. Die Adma-Yoga-Übungen haben ebenfalls eine reinigende Wirkung. Sie nehmen nicht nur auf der physischen, sondern auch auf der feinstofflichen Ebene das Gift aus der Seele und ermöglichen ein positives, friedvolles und harmonisches Bewusstsein und eine hohe Schwingung gemäß den Wurzeln des Göttlichen. Die Reinigung auf der feinsten Ebene geschieht schließlich durch Meditationen und Sessions, die das Wesen von energetischem Müll befreien, so dass es in das reine göttliche SGW-Bewusstsein in Gott AMA eintreten kann. Im Zen-Buddhismus wird Tapas in folgendem Leitspruch zusammengefasst: „Seid wie reine Seide und scharfer Stahl!“

Mit Tapas, welches von dem Sanskrit-Wort „tap“ erhitzen kommt, ist somit die konkrete spirituelle Praxis gemeint, die zu Shauca, äußerer und innere Reinheit, führt. Tapas ist die Wandlung und Transformation von der Dunkelheit und den Kleshas (=Wurzeln des Übels) zum göttlichen Licht und den Wurzeln des Göttlichen. Das menschliche Ego wird im göttlichen Verbrennungsfeuer verbrannt. Danach kann das göttliche Seele-Geist-Wesen wie der Phönix aus der Asche wiedergeboren werden. Erst durch das göttliche Transformations-Feuer kann sich die wahre göttliche Essenz zeigen, die nun frei vom Ego ist, welches in den Flammen verbrannt ist.

Durch Tapas kann Deine Schwingung dauerhaft in die göttlichen Dimensionen angehoben werden und Deine spirituelle Entwicklung erfolgreich sein. Wer meint, dass der spirituelle Pfad nur „nett“ und „angenehm“ sein darf, der lebt in einer großen Verblendung. Denn Transformation erfordert immer auch Schmerzen, um dadurch wieder ein Stück gesünder zu werden. Es mag immer wieder aufs Neue Überwindung kosten, dem Ego und den Wurzeln des Leides zu entsagen und gemäß den göttlichen Tugenden und Wurzeln des Göttlichen zu leben, wenn das Ego etwas ganz anderes möchte. Auch der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel oder die tägliche Meditation mag Dir zeitweise schwerfallen. Es müssen also immer wieder die inneren Widerstände des Egos und Super-Egos überwunden werden, die von der anti-göttlichen Seite stammen und Dich vom spirituellen Pfad des Lichts und der Selbstmeisterschaft abbringen wollen.

Mit Tapas sind oft schmerzhafte Lebenserfahrungen und Leid verbunden. Wenn es Dir gelingt, diese dennoch neutralen Geistes anzunehmen und Dich dem Willen Gottes anzuvertrauen, dann kannst Du Abstand zu Deinen polaren Emotionen erlangen und sie aus der Sicht des neutralen Beobachters betrachten, um sie dann gehen zu lassen. Dies ist angewandtes „viyoga“, d.h. ein Trennen dessen, was Du nicht bist, von dem, was Du in Wahrheit bist.

So wird jedes Leben zu Tapas, einer Art von „göttlichem Lernspiel“, in welchem Du bei jeder Gelegenheit Raga/Gier und Hass/Dvesha begegnest und durch sie geprüft wirst. Dein wichtigstes Hilfsmittel bzw. Werkzeug ist viveka, das Messer der göttlichen Unterscheidungskraft. Die alten Weisen sagen dazu: „In eine Ecke zu gehen und ein Mantra zu sprechen, ist eine leichte Praxis. Doch wenn wir beleidigt werden und dennoch einen stillen, friedvollen, neutralen Geist bewahren, der in den göttlichen Dimensionen schwingt, ist dies mehr als tausend Mantra-Chanten jeweils machen können. Das ist Tapas.“

Tapas bedeutet auch Deinen physischen Körper gesund, fit und leistungsstark halten, damit er ein gutes Fahrzeug für Dein göttliches Seele-Geist-Wesen ist. Das geschieht durch das physische und feinstoffliche Reinigungsfeuer. Du musst Dich des energetischen und physischen Mülls in Deinem Körper entledigen, damit Deine Schwingung rein und hoch sein und Du Dein Seele-Geist-Wesen störungsfrei und bewusst durch Dich ausdrücken kann. Das bewusste Essen, der sorgfältige Umgang mit dem Atem – all das ist Tapas, nämlich eine Hilfe gegen Ablagerungen von physischen und energetischen Schlacken im Körper. Durch Tapas kann der Körper lange leben, ja sogar unsterblich werden, und dem göttlichen Seele-Geist-Wesen alle Zeit als Ausdrucksmittel in dieser Ebene dienen.

Tapas heißt auch, den Dingen zu entsagen, die Dich an Dein Ego, die 3D-Welt und die Maya binden und nach denen Du mit Deinen Sinnen süchtig bist. In diesem Zusammenhang kann Tapas als Askese übersetzt werden. Es geht um die Entsagung von Nahrung, Sexualität, Besitz, Ruhm oder Schlaf. Dies bedeutet nicht, dass Du nun in den Höhlen des Himalayas als Asket leben sollst. Vielmehr geht es darum, dass Du liebgewonnene Gewohnheiten Deines Egos erkennst und auflöst.

Von was ein Mensch abgängig ist, und wie stark er abhängig ist, wird zumeist erst dann bemerkt, wenn er dem einen oder anderen einmal eine Zeitlang entsagt. Wichtig ist also, Deine eigene Bewusstheit für die inneren Bindungen Deines Egos zu schulen, um so an deren Auflösung arbeiten zu können. Letztendlich wird dann die Askese zu einem Prozess der inneren Befreiung und richtet sich nicht feindlich gegen den physischen Körper und seine Sinne, sondern führt zu ihrer Vervollkommnung. Aus der anfänglichen Entsagung entwickelt sich eine wirkliche Freude am Körper und den irdischen Dingen, da man sie als Geschenk und Ausdruck Gottes erkennt, ohne an ihnen verhaftet zu sein.

Wisse: Wenn Du Tapas konkret als Askese ausübst, darfst Du Deinen physischen Körper nicht quälen! Denn eine solche hartherzige, selbstverletzende Askese ist anti-göttlich und trennt Dich von Sattva. Tapas sollte vielmehr durch göttliche Askese-Übungen wie Adma-Yoga, Selbstbeoachtung, Meditation, usw. zur inneren und äußeren Reinigung, Gesundheit und Schwingungsanhebung führen.

Jeder göttliche Mitarbeiter kennt die Hitze des göttlichen Verbrennungsfeuers, die durch Tapas entsteht. Es ist der Schweiß der Transformation. Selbst die Meditation verursacht Hitze. Das konkrete Arbeiten mit dem göttlichen Feuer nimmt auf dem spirituellen Pfad einen zentrale Stellung ein. Die Hitze der reinigenden spirituellen Übungen, Rituale und Yoga-Übungen macht das Bewusstsein klarer und die Sinne schärfer. Das ist notwendig, um die göttlichen Energien leichter durch sich lenken zu können. Tapas verfeinert somit auch Deine Schwingung und das Gewahrsein: Du wirst Dir Deines wahren göttlichen Selbst, Deiner Fähigkeiten, Deiner Möglichkeiten und Deines Körpers immer bewusster.

Der bewusste spirituelle Eingeweihte erlangt so ein übermenschliches Maß an Kontrolle und Beherrschung des Körpers, seiner Atmung, der inneren Organe und energetischen Abläufe, sowie ein höheres Bewusstsein. Doch diese Fähigkeiten sind nicht das Ziel. Sie können sich entwickeln, müssen es aber nicht. Wenn Du mit Deinem stolzen Ego an diesen Dingen hängenbleibst, werden sie selbst zum Hindernis und halten Dich an der Maya fest. So ist es immer wichtig, dass Du bei allen Tapas-Übungen nichts erwartest und nichts mit Deinem Ego forderst. Auf diese Weise wirst Du göttlichen Erfolg auf Deinem spirituellen Weg haben.

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