72. Weisheitsperle: Die spirituelle Einweihungs-Reise

Botschaft von Hermes Trismegistos/Thot

 
Meine Seelengeschwister, ich grüße Euch im Namen des EINEN Gottes und Herrn dieses Universums. In dieser Botschaft möchte ich Euch über die spirituelle Einweihungs-Reise hin zum göttlichen Licht berichten, die mit Prüfungen des Glaubens verbunden ist:

Der Philosoph Hermann Hesse schreibt in seinem Buch „Die Morgenlandfahrt“, 1932, S. Fischer Verlag Berlin:
 
„Wer weit gereist, wird oftmals Dinge schauen, 
Sehr fern von dem, was er für Wahrheit hielt.
Erzählt er´s dann in seiner Heimat Auen,
So wird ihm oft als Lügner mitgespielt.
Denn das verstockte Volk will ihm nicht trauen,
Wenn es nicht sieht und klar und deutlich fühlt.
Die Unerfahrenheit, ich kann´s mir denken,
Wird meinem Sange wenig Glauben schenken.

Diese Unerfahrenheit hat es denn auch zustande gebracht, dass heute in der Öffentlichkeit unsre Reise, welche einst Tausende bis zur Ekstase erregt hat, nicht nur vergessen, sondern dass ihr Gedächtnis mit einem richtigen Tabu belegt ist. Die ganze Weltgeschichte scheint mir oft nichts andres zu sein als ein Bilderbuch, das die heftigste und blindeste Sehnsucht der Menschen spiegelt: die Sehnsucht nach Vergessen.“
 
Der Bund der Morgenlandfahrer, über den Hermann Hesse in seinem Buch schreibt, ist ein Zusammenschluss der geistig und spirituell Suchenden aller Zeitalter und Länder. Die Mitglieder des Bundes gehen den Pfad der Selbsterkenntnis und der Einweihung, der darin besteht, dass sie ihr menschliches Ego hinter sich lassen, um sich in Demut dem Göttlichen in sich, d.h. dem göttlichen Geist, hinzugeben und ein Diener Gottes zu werden. Das Endziel ist das Verschmelzen des Körperwesens mit dem Seele-Geist-Wesen, bzw. des niederen menschlichen Selbst mit dem höheren göttlichen Selbst.

Die Morgenlandfahrt erzählt die Geschichte von H. H. (den Namen könnte man auch als eine Abkürzung von Hermann Hesse erkennen), einem Violinspieler, der einmal Teilnehmer der Reise und Mitglied des Bundes war, bis die spirituelle Gemeinschaft scheinbar auseinander gebrochen ist. Seitdem sind viele Jahre vergangen und nun will H.H. die Geschichte der Morgenlandfahrer niederschreiben, um seinem Leben wieder Sinn zu geben. Den hat er nämlich verloren, da ihm das ganze Leben ohne der spirituellen Gemeinschaft sinnlos erscheint. Mit dem Niederschreiben seiner ersten Erinnerungen beginnt das Buch.

H. H. berichtet über die mystische Reise der Morgenlandfahrer, die erst in irdischen Regionen beginnt, aber schon bald in anderen Dimensionen und Unterebenen spielt. Zeit und Raum lösen sich auf, so sind z.B. Abstecher in das Mittelalter völlig normal. In der Gemeinschaft finden sich die unterschiedlichsten Männer, die gemeinsam gen Osten reisten, d.h. in die Ebenen des göttlichen Lichts. Es handelt sich um eine Reise hinaus aus der Maya, den niederen Dimensionen und der Menschenwelt, hin in Richtung göttliche Wirklichkeit. H.H. schreibt. „Dieser Zug gen Osten war immerdar durch alle Jahrhunderte unterwegs, dem Licht entgegen.“ Damit spielt H.H. auf die Tatsache an, dass der spirituelle Einweihungsweg sehr alt ist und bereits in früheren Hochkulturen wie im alten Ägypten und Griechenland als Mysterienweg bekannt war. Jeder spirituell strebende Mensch muss diesen Weg gehen, wenn er wirkliche Erleuchtung finden möchte. Die göttlichen Mysterien stehen über Nationen, Hautfarben, Gesellschaftsklassen und Sprachen.

Die Aufnahme in den Bund der Morgenlandfahrer, d.h. der spirituellen Mysteriengemeinschaft, ist mit einer Bedingung verbunden: Jedes Wesen muss ein persönliches Ziel haben, d.h. nach dem Ausstieg aus seinem menschlichen Selbst und Ego streben. Es kann nicht aus reiner Neugier oder Langeweile dem Bund beitreten. Eine Mitgliedschaft ist mit Ernsthaftigkeit, Selbstdisziplin und Zielstrebigkeit verbunden. Es geht darum, dem göttlichen Licht mit ganzer Seele dienen zu wollen, um unsterblich zu werden. Denn wer unsterblich in Gott sein will, muss IHM dienen. Wer aber mit seinem Ego herrschen will, der lebt nicht lange. Jeder einzelne Stein im göttlichen Tempel der Erleuchtung, so klein er auch ist, dient dem großen Ganzen. Erst das göttliche Dienen führt zu wahrer Liebe, Freiheit von der Maya und Einheit mit Gott.

H.H. erzählt vom Ritual der Aufnahme in den Bund durch den Hohen Stuhl und berichtet über die Reise, die einem mystischen Tanz der Elfen im Märchen gleicht:. „Alle frommen Orte und Denkmäler, Kirchen, ehrwürdige Grabstätten, welche irgend am Wege lagen, wurden besucht und gefeiert, die Kapellen und Altäre mit Blumen geschmückt, die Ruinen mit Liedern oder stiller Betrachtung geehrt, der Toten mit Musik und Gebeten gedacht“.

Die Einweihungsprüfung, die der „schönen“ spirituellen Reise der Morgenlandfahrer ein scheinbar jähes Ende setzt, ist das Verschwinden des Dieners Leo. In der Schlucht von Morbio taucht er spurlos unter, zusammen mit wichtigen Ritual-Gegenständen. Bald kommen Missstimmungen und Zweifel unter den Mitgliedern auf und die Gruppe zerbricht. Der Glaube an die Gemeinschaft und die spirituelle Erleuchtung scheint gestorben. Jeder kehrt zurück in sein 3D-Leben. H.H. schreibt:
„Wer von uns hätte gedacht, dass der Zauberkreis so bald zerbrechen, dass fast alle von uns – und auch ich, auch ich! – uns wieder in die klanglosen Öden der abgestempelten Wirklichkeit verirren würden.“

Der Diener Leo ist ein Symbol für das göttliche Seele-Geist-Wesen, d.h. den göttlichen Aspekt Gottes in sich, zu dem der normale Mensch seinen Zugang verloren hat. In Zeiten der Prüfung ist selbst der Eingeweihte abgetrennt von der Verbindung zu seinem göttlichen Selbst. Der Diener Leo hat die Gruppe absichtlich verlassen, um sie zu prüfen. Der Autor H.H. hat die Prüfung nicht bestanden, denn er sah die Morgenlandfahrt und ihr Prinzipien als gescheitert an und wandte sich enttäuscht ab. Das Verschwinden des Dieners Leo ließ ihn nie mehr los und er fragte sich immer, was aus ihm geworden ist.

H.H. weiß an dieser Stelle mit seinen Erinnerungen nicht weiter, so dass er sein Buch nicht fortführen kann, und sucht deshalb Hilfe bei einem alten Jugendfreund, der sein Leben im Krieg verbracht hat, was seinen tiefen Fall zeigt. Der Freund greift ganz einfach zum Telefonbuch und findet darin den Namen des verschwundenen Dieners Leo samt Adresse. H.H. ist erstaunt und peinlich berührt, dass er nicht selbst auf die Idee gekommen ist. Bald kommt es zu einem Treffen. Das erste Aufeinandertreffen ist schmerzlich, denn Leo scheint seinen ehemaligen spirituellen Bruder H.H. nicht wieder zuerkennen und ist ihm gegenüber reserviert.

Noch am selben Tag schreibt H.H. in einem bitteren Brief an Leo über seine Sehnsucht nach dem Bund und seine lebenslangen Qualen. Er berichtet über sein Vorhaben, über die Morgenlandfahrt zu schreiben und dass er trotz allem, an sie geglaubt hat. Er ärgert sich über sein eigenes Ego, das ihm den spirituellen Weg versperrt hat. Am Ende wirft er das dicke Bündel Papier in den Briefkasten und geht schlafen. Als er aufwacht sitzt, Leo vor ihm: „Man hat mich nach Ihnen geschickt“, sagt er. „Sie werden vom hohen Stuhl erwartet. Können wir gehen?“ Leo löst nun das Rätsel auf: Alles war eine Prüfung. Diese ist nun, nachdem H.H. Leo wieder gefunden und den Brief an ihn geschrieben hat, zu Ende und es zeigt sich nun, ob er bestanden hat oder nicht.

Der Weg zum Hauptquartier des Bundes, den H.H. vergessen hatte, weswegen er den Bund auch nicht mehr finden konnte, dauert Stunden, und Leo bleibt zweimal stehen. Das eine Mal geht er in eine Kirche, und das andere Mal betrachtet er ein Rathaus längere Zeit, während H.H. ungeduldig wartet und sich an den Augenblicken der Kontemplation und Meditation nicht beteiligt. Am Ziel angekommen, findet sich H.H. in einem riesigen Gebäude wieder, dem Bundesarchiv. Die Oberen des Bundes, d.h. die göttlichen Mitarbeiter treten zusammen, um über H.H. zu urteilen. Gemäß dem Brief hat sich H.H. selbst angeklagt, d.h. sein Seele-Geist-Wesen hat sein Ego angeklagt. H.H. wird als Selbstankläger ermächtigt, das Bundesgeheimnis in Form eines verschlüsselten Buches (Die Morgenlandfahrt) der Menschheit mitzuteilen, und er darf das gesamte Bundesarchiv für seine Aufzeichnungen nutzen. So lautet das Urteil. Die Oberen ziehen sich zurück. Plötzlich steht H.H. allein in diesem riesigen Archiv.
„Vernichtet, namenlos töricht, namenlos lächerlich, mich selber nicht begreifend, zu einem Stäubchen eingedorrt, sah ich mich inmitten dieser Dinge stehen, mit welchen man mir ein wenig zu spielen erlaubt hatte, um mich fühlen zu lassen, was der Bund sei und was ich selbst“.

Durch Tränen sieht er, wie sich die Oberen, der Hohe Stuhl, abermals um ihn versammelt, um das endgültige Urteil zu sprechen. Dieses mal sind es jedoch nicht die Oberen, sondern es ist der Oberste der Oberen, der das Urteil spricht – es ist – der Diener Leo. Dieser war der oberste Leiter und göttliche Mitarbeiter des spirituellen Bundes. Er steht für den göttlichen Geist, der sich nur hinter der Maske des Dieners Leo verkleidet hatte, um die Mitglieder zu prüfen.

Nun erkennt H.H., dass nicht der Bund ihn verlassen und enttäuscht hatte, sondern er selbst so schwach und verblendet gewesen war, dass er die Fahrt in das Morgenland, d.h. die spirituelle Reise zum göttlichen Licht, als missglückt angesehen und sie damit selbst verlassen hatte.

Die Oberen des Bundes bezeichnen seine Untreue und Beschuldigung des Bundes als „Novizendummheiten“. „Das“, so sagt Leo, „sind Dinge, die sich dadurch erledigen, dass man über sie lächelt“. Der Erleichterung darüber, dass das Verhalten H.H. nicht so schlimm gewesen war, folgt ein „Aber“. Die Oberen des Bundes werfen H.H. nun noch andere Sünden vor, aber er weiß von diesen scheinbar nichts. Das ist besonders schmerzhaft für ihn, da ihm seine Vergehen nicht einmal bewusst sind.

Leo hilft H.H. seine Vergehen zu erkennen und spricht den Weg an, als die beiden zum Bundesarchiv gegangen waren: die Pausen in der Kirche und vor dem Rathaus. „Sie haben die Religion missachtet, haben einen Bundesbruder verachtet, haben der Gelegenheit und Aufforderung zu Andacht und Versenkung sich unwillig entzogen“. „Er hatte mehr als Recht, er traf mich ins Herz“, schreibt H.H., der nun sein Fehlverhalten erkennt, über diesen Augenblick. Er hatte den Geist der Morgenlandfahrt, d.h. der spirituellen Entwicklung, in sich selbst verraten. Leo, der Oberste der Oberen, beruhigt den Angeklagten damit, dass dieses Schicksal auch anderen Bundesbrüdern nicht fremd sei – und – so sagt Leo: „Bruder H. ist durch seine Prüfung bis in die Verzweiflung geführt worden, und Verzweiflung ist das Ergebnis jedes ernstlichen Versuches, das Menschenleben zu begreifen und zu rechtfertigen.“ Darauf wird H.H. aufs neue in den Bund aufgenommen, und sein Bundesring (der göttliche Einweihungsring des spirituell Strebenden), dessen Existenz er vergessen hatte, wird ihm zurückgegeben.

Das Urteil des Hohen Stuhls lautet somit: Freispruch, allerdings einer mit Auflagen. Der Zurückgekehrte muss akzeptieren, dass er ab nun zu den Oberen gehört, d.h. er muss seiner Beförderung zum göttlichen Mitarbeiter und den damit verbundenen neuen Pflichten zustimmen. Zudem muss er das Bundesarchiv, das einem göttlichen Wahrheitsorakel gleicht, über sich selbst befragen, d.h. er muss seine Seelen-Akte öffnen und die Wahrheit über sich selbst erfahren.

Dieses Urteil ist erneut eine Einweihungs-Probe des Glaubens. In dem Fach, das seinen Namen trägt, findet H.H. eine Plastik aus zwei Figuren bestehend: aus ihm selbst und jener Leos. Die beiden Figuren stehen für sein niederes und höheres Selbst, d.h. sein. Ego und Seele-Geist-Wesen. H.H. beobachtet etwas merkwürdiges: Die Masse seiner Figur bewegt sich langsam in die des Dieners Leo. Der Erzähler findet hierfür folgende Erklärung: „Er [Leo bzw. das göttliche Seele-Geist-Wesen] musste wachsen, ich [das Ego] musste abnehmen.“. Mit dieser Erkenntnis schließt die Erzählung.

Zusammenfassung:

Solange der spirituell Strebende H.H. in der gefestigten spirituellen Gemeinschaft dem Licht entgegen reiste, war der Geist der Morgenlandfahrt, d.h. der göttlichen Erleuchtung, in ihm Gewissheit. Er war in ihrem Bewusstseinsfeld. Als aber durch den Vorfall scheinbar der Bund zerbrach, wurde damit auch H.H.’s Glaubensfundament zerstört. Das göttliche Seele-Geist-Wesen war noch nicht wirklich in ihm verankert. Der Verlust der Gemeinschaft und des darin existierenden Haltes führte dann in der letzten Konsequenz zur eigentlichen Sünde – der Vernachlässigung der spirituellen Entwicklung und Transformation des Egos. H.H. fiel zurück in das Menschen-Ich und sein 3D-Welt und machte den Bund für sein Leiden und sein Unglück verantwortlich.

Der Preis, den H.H. dafür bezahlen musste, war der denkbar höchste: Die Finsternis des Egos und des Anti-Gottes kehrten zurück und machten sein Leben zur Hölle, bis er sein Ego-Fehlverhalten erkannte und sich selbst anklagte. Die Morgenlandfahrt ist deshalb auch eine Ermahnung für alle spirituell Strebenden, dass sie auf ihrem Pfad beständig und vertrauend bleiben!

H. hatte es sogar soweit kommen lassen, dass er seinen Bundesring, d.h. sein Zeichen der göttlichen Weihe an Gott, vergessen hatte. Er war einfach aus seinem Bewusstsein verschwunden, da er in eine niedere Dimension abgefallen war.

So ist das oberste Ziel jedes spirituell Suchenden: „Stets den Glauben [an Gott und den Erfolg der spirituellen Entwicklung] stärker zu wissen als die sogenannte Wirklichkeit [bzw. Maya].“

Das Ziel jeder spirituellen Reise ist das göttliche Licht, der Osten, d.h. die aufgehende Sonne Gottes. „Wo gehen wir denn hin? Immer nach Haus“, zitiert Hermann Hesse Novalis. Frage auch Dich: Warum hast Du den spirituellen Pfad begonnen? Weil Du von Finsternis umgeben warst und das Licht gesucht hast. Dein Weg führt Dich nach Osten, d.h. zum Licht Gottes und irgendwann, wenn der Tag gekommen ist, wirst Du dort ankommen: Du bist zu Hause in Gott.

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