56. Weisheitsperle: Die Läuterung der Hochmütigen

Botschaft von Hermes Trismegistos/Thot

Meine Seelengeschwister, ich grüße Euch im Namen des EINEN Gottes und Herrn dieses Universums. In dieser Botschaft möchte ich Euch über die jenseitige Reise der Verstorbenen sowie die Läuterung der hochmütigen Menschen am Läuterungsberg berichten.

Dante Alighieri (1265-1321) schildert in seinem Werk „Die göttliche Komödie“ (Commedia) seine Reise durch die drei Reiche der jenseitigen Welt (dunkle und helle Astralwelt). Sie führt zunächst durch die Hölle (Inferno), die als ein gewaltiger unterirdischer Trichter bis zum Mittelpunkt des Ego-Herzzentrums des Anti-Gottes reicht und in neun Höllenkreise unterteilt ist. Diese Höllenkreise sind die Strafbezirke der Seele-Geist-Wesen, die ihren Gotteslichtfunken verloren haben und die für ihre Ego-Todsünden gemäß den göttlichen Gesetzen zur ewigen Verdammnis verurteilt sind. Als Nächstes geht Dantes Reise hinauf auf den Läuterungsberg/Fegefeuer (Purgatorio), ein aus dem Ozean aufragender Berg, auf dem die Seele-Geist-Wesen der Menschen, die für ihre Ego-Todsünden noch Vergebung erlangen können, auf einem spiralförmigen Weg durch sieben Bußbezirke zum Paradies auf dem Gipfel des Berges, wandern. Von hier aus steigt Dante schließlich in das Herzzentrum Gottes (Paradiso) mit seinen neun Himmelssphären auf, wo die geläuterten Seele-Geist-Wesen im Angesicht Gottes die Freuden der ewigen Glückseligkeit genießen.

Dante Alighieri schreibt in seinem Buch „Die göttliche Komödie“, im Kapitel Läuterungsberg/Fegefeuer (Purgatorio) XI. Gesang:

DER LÄUTERUNGSBERG: XI Gesang

1. „O Vater unser, der du bist im Himmel,
Doch unumschränkt, von Liebe nur gehalten
Zu deiner Anfangsschöpfung Glanzgewimmel –

2. Geheiligt sei dein Name, und dein Walten
Gelobt von jeder Kreatur hienieden
Mit Dank für deiner Weisheit süßes Schalten –

3. Es komme zu uns deines Reiches Frieden,
Weil wir aus eigner Kraft ihn nicht erringen,
Der uns nur labt, von deiner Huld beschieden –

4. Wie deine Engel beim Hosianna-Singen
Den eignen Willen dir aufopfernd weihen,
So lass solch Opfer auch uns Menschen bringen –

5. Dein täglich Manna woll uns heut verleihen,
Dieweil wir sonst trotz nimmermüdem Streben
Irrgehen in des Lebens Wüsteneien –

6. Vergib uns unsre Schuld, wie wir vergeben
All unsern Schuldigern, und sieh in Gnaden,
O Herr, nicht auf’ s Verdienst in unserm Leben –

7. Und unsre Kraft, die der Versuchung Pfaden
So leicht verfällt, erlös von sündgen Trieben,
Dass uns der alte Feind nicht bringe Schaden!

8. Die letzte Bitte – Vater, den wir lieben –
Ist nicht für uns! Uns bleibt sie ja erspart,
Sie gilt für die, die jenseits noch verblieben.“

9. Für sich und uns um gute Pilgerfahrt
Flehten die Schatten so, bedrückt von Bürden,
Wie sie im Traum uns pressen solcher Art,

10. Und schritten rastlos in den ersten Hürden
Des Berges wegematt und keuchten schwer,
Dass sie vom Erdenqualm gereinigt würden.

11. Wenn sie für uns dort beten, was kann d e r
Diesseits für jene alles tun und sagen,
Bei dem schon Wurzel schlug Wunsch und Begehr?

12. Vom Erdenwulst, den sie noch an sich tragen,
Helfet sie säubern, dass sie leicht und rein
Zum Sternenkreise sich zu schwingen wagen. –

13. „O soll euch bald Gerechtigkeit befrein
Und Mitleid, dass ihr regen könnt die Schwingen,
Die euerm Wunsch Befriedigung verleihn,

14. Zeigt uns den nächsten Weg, emporzudringen;
Und gibt es ihrer mehr, sagt: wo der eine,
Der minderst Teil uns kann nach oben bringen.

15. Denn mein Gefährte hier trägt Fleisch und Beine
Noch her von Adam und ist so beschwert,
Dass schwach er steigt, wie stark sein Wollen scheine.“

16. So sprach Virgil, zum Schwarme hingekehrt.
Woher die Antwort, die ich nun vernommen,
Mir aber scholl, des blieb ich unbelehrt.

17. Doch hieß sie so: „Ihr mögt nur mit uns kommen,
So wird ein Pass zu eurer Rechten ragen,
Wie ihn ein Menschenfuß wohl schon erklommen.

18. Und müsst ihr nicht den wuchtgen Felsblock tragen,
Der mir ins Joch den stolzen Hals gespannt,
Dass ich die Blicke muss zu Boden schlagen,

19. Würd ich dem Sprecher, der sich nicht genannt,
Ins Antlitz schaun, zum Mitleid ihn zu zwingen,
Und um zu sehn, ob ich ihn einst gekannt?

20. Ich war Toskaner, nicht von den Geringen,
Guilelm Aldobrandesc war’ s, der mich zeugte –
Hörtet ihr niemals seinen Namen klingen?

21. Der Ahnen Ruhm, das Blut, das ungebeugte,
Ließ jeden mich verhöhnen, dass vermessen
Missachtung der Allmutter recht mich deuchte,

22. Bis besser mich der Tod belehrte dessen,
Wie jedes Kind weiß Campagnaticos,
Und auch Siena hat noch nicht vergessen.

23. Umberto bin ich; und zum selben Los
Riss jeden, der sich meines Namens freute,
Mein Hochmut mit mir in des Unheils Schoß.

24. Drum ward ich dieser Tragelast zur Beute
Und büße hier – bis Gott mich ledig spricht –
Bei T o t e n , was ich lebend nicht bereute!“

25. Gesenkter Stirn vernahm ich den Bericht,
Ein andrer drauf – nicht der dies sprach soeben –
Fing unter seinem wuchtenden Gewicht

26. Sich an zu krümmen und den Blick zu heben,
Bis er ihn mühsam auf mir haften ließ,
Der ich, mich gleichfalls bückend, ging daneben.

27. „Sieh da,“ rief ich, „bist du nicht Oderis?
Stolz darf auf deine Kunst Agubbio sein,
Die man Illuminer nennt in Paris.“

28. „Freund,“ sprach er, „prächtger wirkt im Farbenschein
Des Franco Miniatur, des Bolognesen –
Mein Ruhm verflog, der seine blüht allein !

29. So neidlos wär ich nicht dereinst gewesen,
Dies zu gestehn, weil ich vor Ruhmsucht brannte,
Als wär nur m e i n Werk trefflich und erlesen.

30. Und dieser Stolz ist’s, der hierher mich sandte;
Und hier nicht einmal dürft ich jetzt schon schreiten,
Wenn ich mich nicht zu Gott rechtzeitig wandte!

31. O eitler Ruhm der Menschenfähigkeiten,
Wie bald doch muss dein frisches Grün verfahlen,
Wenn dir nicht folgen kunstverarmte Zeiten.

32. Einst wähnte Cimabue sich im Malen
Unübertrefflich – aber ihn will jetzt
Der vielgepriesne Giotto überstrahlen!

33. Ein Guido hat den andern auch entsetzt
Des Dichterthrons – vielleicht ist schon geboren
Er, der die zwei vom Neste jagt zuletzt!

34. Der Weltruhm weht wie Wind vorbei den Ohren,
Dem schon, wenn er sich hier- und dorthin wendet,
Der Name mit der Richtung geht verloren.

35. Ob dich der Tod als Greis zur Grube sendet,
Ob als ein Kind, das lallend Mama schreit,
Gleich bleibt dein Ruhm, wenn tausend Jahr geendet,

36. Die kürzer im Vergleich zur Ewigkeit,
Als deiner Wimper Zucken ist zum Kreise
Der Sphäre, die zum Drehn braucht längste Zeit.

37. Einst hallte ganz Toskana von dem Preise
Des, der da vor mir schleicht, träger als alle;
Heut flüstert kaum Siena von ihm leise,

38. Drin er geherrscht, als kläglich kam zu Falle
Firenzes Wut, damals so scharf und kühn,
Wie kläglich heut beschnitten ihre Kralle.

39. Irdischer Nachruhm ist wie Wiesengrün,
Es kommt und geht, dieselbe Sonne dorrt
Und bleicht es, die es saftig ließ erblühn.“ –

40. Und ich: „Demut lehrt mich dein wahres Wort
Und weiß des Stolzes Wellen fein zu zwingen –
Wie aber nennt sich der Sanese dort?“ –

41. „Salvani ist’s, hier muss er büßend ringen,“
Sprach Oderis, „weil er sich unterfangen,
Siena ganz in seine Hand zu bringen.

42. Nun geht er ruhlos, wie er stets gegangen,
Seitdem er starb – solch Zoll wird hier erhoben
Von jedem, der zu hoch einst wollte langen!“ –

43. „Wenn drunten harren muss, wer aufgeschoben
Die Reue hat bis in die letzten Stunden,
Und niemals, “sprach ich, „e h e r darf nach droben,

44. Falls ihn Gebete früher nicht entbunden
Bis nochmals seine Erdenzeit vergangen –
Sprich: wie hat e r denn Eintritt hier gefunden?“ –

45. „In seines Ruhmesglanzes höchstem Prangen,“
Belehrte mich der Geist, „begab er frei
Auf Sienas Markt sich ohne schamhaft Bangen;

46. Den Freund zu lösen aus der Sklaverei
Im Kerker Karls, erniedrigt er sich dort,
Dass jeder Puls ihm zitterte dabei.

47. Mehr sag ich nicht; ist dunkel auch mein Wort,
So wirst du die Bedeutung nächstens finden
In deiner Nachbarn Tun – doch ihm sofort

48. Ließ solch ein Liebeswerk die Schranken schwinden!“ –


Erläuterung:

Dante befindet sich mit seinem Reisebegleiter und Jenseitsführer Vergil (dem römischen Dichter, der bereits seit langer Zeit verstorben ist, wohingegen Dante noch lebt) auf der untersten Stufe des Läuterungsberges auf dem Weg zum Gipfel, d.h. dem Paradies und Gott. Sie begegnen hier den hochmütigen Seele-Geist-Wesen, die für ihren Hochmut und Stolz aus ihrem früheren Leben büßen müssen, indem sie ihren Ego-Hochmut, der so schwer wie Steine ist, auf dem Rücken tragen müssen. Auf diese Weise sind sie dazu gezwungen, sich vor Gott zu verneigen und in die Demut gekommen. Einst waren sie mit stolz erhobenem Haupt durch das Leben gegangen, nun sind sie gebeugt durch die schweren Steine ihres Stolzes nur noch in der Lage auf den Boden zu blicken. Dies ist ihre karmische Strafe und gleichzeitig der Weg der göttlichen Erlösung, um zurück zur Demut zu finden.

Vers 1 bis 8 sind das Gebet der Buße und Reue der hochmütigen Seele-Geist-Wesen, die am Fuße des Läuterungsberg den mühsamen Aufstieg zu Gott beginnen. Ihr Aufstieg, der durch ihre schwere Last erschwert wird, ist gleichzeitig ihre Läuterung. Wenn sie oben am Gipfel angekommen sind, werden sie von ihrem Hochmut befreit und dürfen sich wieder aufrichten. Sie beten zu Gott folgendes Gebet, das dem Vaterunser ähnelt und zeigt, dass sie bereit sind ihren Stolz aufzugeben und ihren demütigen Glauben an Gott wieder zu leben.

Zur Erläuterung des Gebetes:

1. Vers:

Gott AMA ist Herr des Universums, dessen oberstes Prinzip die göttliche Liebe ist. Er ist pure göttliche Liebe und hat aus dieser heraus alles erschaffen. Die göttliche Liebe ist das erste Prinzip des Universums und verbindet Gott AMA mit dem Höchsten. Dies zeigt eine andere Übersetzung des ersten Verses:
O Vater unser in dem Himmel droben
Du unbegrenzt, doch mit besonderer Liebe
Der Kraft der ersten Sphären dort verbunden.

2. Vers:

In diesem Vers danken die Wesen Gott AMA für Sein Tun. Die Dankbarkeit ist die Pflicht des Geschöpfes gegenüber Seinem Schöpfer. Hinter der Bezeichnung „Weisheit“ verbirgt sich der göttliche Geist, der in allen Geschöpfen enthalten ist. Der Vers kann auch folgendermaßen übersetzt werden, wobei die süßen Düfte für den göttlichen Geist stehen:
Gepriesen sei dein Name und dein Wirken
Von jeder Kreatur, denn es gebühret
Dass man für deine süßen Düfte danke.

3. Vers:

Der Mensch kann aufgrund seines Egos wahren Frieden selbst nicht erlangen. Dies ist nur durch die Gnade von Gott AMA möglich, wenn dieser ihm den Strahl des göttlichen Friedens über seine Engel, spirituellen Meister und göttlichen Mitarbeiter schickt. Die letzte Zeile kann auch übersetzt werden: „Mit aller unserer Kunst, erhalten wir ihn nicht!“, was auf die Unvollkommenheit des Menschen hindeutet, der nur durch Gott Frieden finden kann.

4. Vers:

Die Engel ergeben sich mit ihren Willen ganz Gott AMA und Seinen Gesetzen. Diese Demut und Ergebenheit ist das Merkmal aller göttlichen Mitarbeiter, die ihren eigenen Willen aufgeben, um ganz Gott AMA zu dienen. Auch alle Seele-Geist-Wesen, die zu Gott AMA aufsteigen wollen, müssen ihren eigenen Willen bzw. ihr Ego aufgeben und sich IHM ganz unterwerfen, um zu IHM zurückkehren zu können.

5. Vers:

Die hochmütigen Wesen bitten um die göttliche Licht-Energie und Rechtleitung Gottes (Manna), um durch diese auf dem rechten Weg geführt zu werden und ihre Schwingung wieder in die göttlichen Dimensionen anheben zu können. Sie bitten um Schutz davor, nicht wieder in die anti-göttlichen Ebenen zurückzufallen oder in die Irre zu gehen. In einer anderen Übersetzung wird das Manna auch „Himmelsbrot“ bezeichnet, was sich auch auf die lichtvolle Prana-Energie bezieht, die die göttliche Seele nährt.

6. Vers:

Der Anfang des Verses erinnert an einen Teil des „Vaterunser“. Darin ist ein göttliches Grundgesetz enthalten. Nur wer seinen Mitmenschen vergibt, kann frei von altem und neuem Karma werden, da er kein Bedürfnis mehr nach Genugtuung empfindet. Gleichzeitig bitten die hochmütigen Wesen Gott AMA, nicht auf ihre guten Taten aus ihrem früheren Leben zu schauen und diese zu belohnen, denn sie wissen, dass sie dessen aufgrund ihres Hochmuts nicht würdig sind. Sie demonstrieren dadurch, dass sie sich ihrer Fehler bewusst sind und voll Demut ihre Geringheit anerkennen. Deshalb erwarten sie für ihre guten Taten nichts außer die Vergebung Gottes.

7. Vers:

Hier bitten die hochmütigen Wesen Gott AMA um die Befreiung ihrer Seele (Kraft) von ihrem Ego, den Todsünden und Wurzeln des Übels sowie um Schutz vor den Versuchungen des Anti-Gottes (des alten Feindes), der den Menschen von dem Pfad der göttlichen Tugenden und Wurzeln des Göttlichen abhalten möchte.

8. Vers:

Die Hochmütigen bitten Gott AMA, sich um die verdunkelten Wesen zu kümmern, die noch in den Dimensionen des Egos gefangen sind. Der Betende selbst und seine Schar, die bereits das göttliche Licht der Wahrheit wieder erkannt haben, auch wenn sie noch nicht dort angekommen sind, benötigen die Hilfe Gottes nicht so dringend wie jene Wesen, die in die Bereiche des Anti-Gottes abzufallen drohen. Die hochmütigen Wesen zeigen hier ihre neue Demut, weswegen sie zuerst an ihre Mitmenschen denken und erst später an sich selbst.

Damit endet das Gebet der hochmütigen, bereuenden Seele-Geist-Wesen an Gott AMA. Nun berichtet Dante in der Ich-Form weiter von seiner Reise auf den Läuterungsberg.

9. Vers:

Dante und sein Begleiter Vergil verlassen die verstorbenen, hochmütigen Seele-Geist-Wesen, die durch ihr hochmütiges Ego in die erzwungene Demut niedergedrückt wurden und auf die Vergebung Gottes hoffen. Sie wünschen Dante und Vergil eine gute Reise, was auf ihren sich wandelnden besseren Charakter deutet. Die Schatten sind niedergedrückter als normale Menschen jemals sein könnten, da sie in der dunklen astralen Ebene sind, wo sich alles Polare, alle Todsünden und alle Leiden tausendfach verstärken.

10. Vers:

Die Hochmütigen keuchen schwer auf ihrem Weg hinauf auf den Gipfel des Läuterungsberges und zu Gott AMA. Sie tragen ihren Ego-Hochmut in Form von schweren Felsbrocken auf dem Rücken, was sie nach unten in die Demut drückt und ihren Aufstieg sehr mühsam macht. Manche fallen wieder einige Schritte zurück und kommen nicht weiter. Aufgrund ihrer Reue besteht aber Hoffnung, dass sie durch diesen Akt der Buße vom Nebelschleier ihres Egos, der Verblendung und der irdischen Ebenen der Maya (Erdenqualm) befreit werden.

11. Vers:

Dante überlegt, wie man den hochmütigen, büßenden Wesen, die ihm gegenüber so freundlich und voll Fürsprache für die noch lebenden Menschen waren, helfen kann, z.B. durch gute Taten und Gebete, die aus einem aufrichtigen, guten Herzen (Willen) kommen. In einer anderen Übersetzung heißt es:
„Wenn stets für uns dort findet Fürsprache statt,
Kann man nicht Tun und Beten für sie lernen,
Wenn unser Wille gute Wurzel hat?“

12. Vers:

Dante ist überzeugt, dass man jenen bereuenden hochmütigen Seele-Geist-Wesen helfen muss, die Flecken (Male) ihres Egos zu transformieren, damit sie wieder rein und leicht werden und zu Gott AMA aufsteigen können. In einer anderen Übersetzung heißt es treffend:
„Ja, helfen muss man ihnen zu entfernen
Des Diesseits Male, bis sie rein und leicht
Vermögen aufzusteigen zu den Sternen!“

13. bis 15. Vers:

Hier spricht zum ersten Mal Vergil. Er wünscht den hochmütigen Seele-Geist-Wesen, dass sie durch Liebe, Mitgefühl und Gerechtigkeitsempfinden von ihrem stolzen, schweren Ego befreit werden und voll Leichtigkeit mit ihrer Seele (Seelenvogel) wieder zurück zu Gott fliegen können. Er bittet die hochmütigen Wesen, die sich auf dieser Ebene des Läuterungsberges auskennen, ihm und Dante den Weg zu weisen, der sie am schnellsten zur nächsten Plattform auf dem Anstieg zum Paradies Gottes führt. Er erklärt, dass die niedrige Schwingung Dantes, der noch ein lebendiger Mensch und nur zu Besuch im Jenseits ist, zu schwer für den Aufstieg in das Paradies ist, weswegen ihnen ein leichter Weg gelegen kommen würde.

16. und 17. Vers:

Dante bekommt nicht mit, wer Vergil antwortet, doch es ist irgendjemand der hochmütigen Seele-Geist-Wesen. Dieser sagt, dass sie nur mit ihnen rechts entlang gehen sollen und dann zu einem passenden Weg kommen werden, den auch ein Mensch gehen kann. Das Problem dabei ist aber, dass Dante und Vergil gegen den Uhrzeigersinn um den Berg wandern, rechts von ihnen ist also der freie Fall. Schaut man sich eine Illustration des Läuterungsberges an, dann wird offensichtlich, dass das so nicht stimmen kann und das hochmütige Seele-Geist-Wesen sich wohl selbst nicht richtig auskennt bzw. noch in die Irre geht. So sollten Dante und Vergil wachsam sein, dass sie nicht den falschen Weg auf den Gipfel hinaufgehen.

18. Vers:

Das hochmütige Seele-Geist-Wesen erklärt entschuldigend, dass es gerne den Menschen (Dante) anschauen würde, dies aber nicht kann, da ihm sein Stolz so sehr nach unten beugt, dass er den Blick nicht vom Boden aufheben kann. In einer anderen Übersetzung heißt es treffender:
„Und hemmt mich nicht so die Felsenmasse,
die mir den stolzen Nacken so gebeugt,
Dass ich die Blicke nicht vom Boden lasse.“

19 bis 22. Vers:

Der Hochmütige würde gerne Wissen, ob er den Menschen (Dante) in seinem früheren Leben gekannt hat. Er hofft darauf, ihn zum Mitleid zu bewegen und dadurch einen Vorteil für seine eigene leidende Seele zu gewinnen, was auf sein noch nicht wirklich gereinigtes Herz hindeutet, in dem noch teilweise sein berechnendes Ego vorherrscht. Der Hochmütige berichtet weiterhin, wer er in seinem früheren Leben war, aus welch gutem, reichem, adligem Hause er stammte und wie angesehen er war, was wiederum auf seinen Stolz hindeutet.

Dante hat diese Person nicht erfunden. Umberto Aldobandesco war eine berühmte Person jener Zeit und steht in den Augen Dantes für Arroganz und Menschenverachtung aus falschem Familienstolz. Die Aldobrandeschi waren im 13. Jahrhundert in Italien ein bedeutendes Adelsgeschlecht und besaßen große Besitztümer in der Toscana, konnten sich aber auf Dauer nicht gegen das sich ausdehnende Siena halten. Umberto Aldobrandesco starb in den kriegerischen Auseinandersetzungen mit Siena und seine Familien-Burg, das erwähnte Campagnatico, ging an Siena.

Umberto berichtet weiter, wie er Mutter Erde und die Natur verraten und ausgebeutet hat und seine Mitmenschen, besonders die unter ihm Stehenden, so verachtet hat, dass er sein Herz und seine Seele durch seinen Hochmut und seine Selbstüberschätzung vergiftet hat und daran gestorben ist. In einer anderen Übersetzung heißt es treffender:
„Das edle Blut, der Ahnen Ruhmestaten,
Sie machten mich des Übermuts so froh,
dass unser aller Mutter ich verraten.
Und ich verachtete die Menschen so,
Dass ich dran starb, wie die Siensen wissen
Und jedermann in Campagnatico.“

23. und 24. Vers

Der Hochmütige (Umberto Aldobrandesco) berichtet weiter, wie sein Hochmut und Stolz nicht nur ihm, sondern auch seinen Angehörigen Unglück und Leid eingebracht haben. Dies ist die Ursache, weswegen er nun im Jenseits im Fegefeuer leiden muss, bis er ausreichend gebüßt hat, so dass er von Gott frei gesprochen werden kann und von seinem Leiden erlöst wird. Da Umberto seine bösen Taten nicht im Diesseits gebüßt und bereut hat, muss er es nun im Jenseits in der dunklen Astralebene tun.

25. bis 27. Vers:

Dante senkt den Blick angesichts dieser tragischen, aber doch selbst verschuldeten Geschichte von Umberto. Ein anderer Hochmütiger richtet sich nun unter Qualen auf, um Dante anzuschauen. Dante beugt sich nach unten, um ihn seinerseits genauer anzublicken und erkennt in ihm den Miniaturmaler (Illuminator) Oderisi. Dante spricht ihn an und preist seine Kunst, auf die er stolz sein könne und die bis nach Paris bekannt sei. Nach ihm sei das „Illuminieren“ (Malen von Miniaturbildern, besonders in Büchern des Mittelalters) benannt. Hier spricht Dante unbewusst die Ursache von Oderisis Leiden im Fegefeuer an, nämlich seinen zu großen Stolz über seine Kunstwerke. In einer anderen Übersetzung heißt es:
„Oh“, sagte ich; „bist du nicht Oderis,
Agobbios Ehre und der Ruhm der Kunst:
„Illuminieren“ sagt man in Paris!“

Auch Oderisi war eine historische Persönlichkeit. Oderisi da Gubbio (geb.1240 in Gubbio, gest. 1299 in Rom) war ein Miniaturmaler, also jemand, der Manuskripte mit kleinen Bildern verzierte. Von seinen Werken ist fast nichts übrig geblieben, nur zwei Miniaturen in der Kirche Canonica di San Pietro werden ihm zugeschrieben.

28. bis 30. Vers:

Oderisi klagt, dass sein Ruhm bereits zu Lebzeiten verblasst war und ein anderer Maler, Franco der Bolongnese, bekanntere und prächtigere Bilder als er malte. Er beschuldigt sich selbst, weil er im diesseitigen Leben zu neidisch auf seinen Konkurrenten Franco und zu gierig nach Ruhm war, weswegen er seine eigenen Malereien mehr als Gott lobte, wodurch er nun im Fegefeuer leiden muss. Hätte er sich rechtzeitig Gott in Reue zugewandt, dann müsste er nun nicht hier leiden und die schwere Last seines künstlerischen Stolzes tragen.

31. bis 39. Vers:

Oderisi klagt über die Eitelkeit und Dummheit der Menschen und wie schnell das Leben vorbei ist. Jeder Künstler, ob Maler oder Dichter, hält sich für den Besten und erkennt nicht seine Verblendung. Er berichtet über einen anderen Hochmütigen, der vor ihm langsam dahingeht, und einst sehr bekannt war. Er stammte aus Florenz und hatte einen cholerischen Charakter, d.h. er konnte schnell wütend werden (Firenzes Wut=Florentinische Wut). Er verwickelte sich in Machtspiele und Kriege und wurde am Ende von einem anderen Mächtigen im Krieg entmachtet, der ihn aus der Geschichte ausgelöscht hat. Irdischer Ruhm ist unbeständig.

40. bis 42. Vers:

Dante erkennt durch die Worte Oderisis, wie wichtig Demut im Herzen ist. Er fragt weiter nach jenem anderen Hochmütigen, der vor ihnen geht. Oderisi erklärt ihm, dass dies Salvani (Familienname) ist, der in seinem früheren Leben so machtgierig und stolz war, dass er ganz Siena beherrschen wollte. Provenzano Salvani steht bei Dante für den sehr mächtigen, cholerischen Menschen, der in seiner Gier nach Ruhm und seinem Hochmut meint, die ganze Welt besitzen und beherrschen zu können, aber am Ende durch seinen Stolz scheitert.

Zur historischen Erläuterung: Provenzano Salvani spielte eine bedeutende Rolle in Siena während dessen langanhaltenden Konflikten mit Florenz. Sowohl Siena wie auch Florenz waren aufstrebende Stadtstaaten, was zu einer Auseinandersetzung über die Vormachtstellung führte. Siena schlug sich auf die Seite der Staufer. Hierfür gewährte König Barbarossa Schutz und gewisse Privilegien wie zum Beispiel das Münzrecht. Allerdings vermischen sich mehrere Interessen, was dann dazu führte, dass es auch in Florenz eine kaisertreue Fraktion, die Ghibellinen, gab. Als Siena, entgegen den schriftlichen Vereinbarungen, den aus Florenz verbannten Ghibellinien Zuflucht gewährte, kam es am 4. September 1260 zur Schlacht bei Montparti, die die Sienesi mit Hilfe des Urenkels von Barbarossa, Manfredo di Sicilia, für sich entscheiden konnten. Die Macht von Florenz war damit erstmal gebrochen. Überlagert wird dieser Konflikt aber von einer Auseinandersetzung zwischen den Staufern auf der einen Seite und dem Papsttum auf der anderen Seite, den sich wiederum Frankreich zunutze macht. Ein Bruder des französischen Königs, Karl von Anjou, greift auf der päpstlichen Seite in das Geschehen ein. Dies führt zur Schlacht von Benevent (1266) bei der Manfredo de Sicilia ums Leben kommt. Damit ist die Macht der Staufer und damit die Macht der Ghibellinen fast endgültig gebrochen.
Konradin, der letzte Staufer in Italien, wird ebenfalls von Karl von Anjou getötet. Siena, nun allein auf sich gestellt, wird 1269 am Colle di Val d‘ Elsa von Florenz besiegt, Salvani stirbt in dieser Schlacht. Siena wird von Florenz eingenommen und alles, was an Salvani erinnern könnte, zerstört.

43. und 44. Vers:

Dante erkennt, dass man nicht nach oben zu Gott und sein Paradies gelangen kann, wenn man nicht bereits zu Lebzeiten Reue für seine Ego-Missetaten empfunden hat und Gott um Hilfe gebeten hat. Wer nicht bereut, muss in den Minus-Dimensionen des Anti-Gottes bleiben. Gleichzeitig fragt sich Dante, warum jener Salvani dennoch über den Läuterungsberg hinauf in das Paradies steigen darf, wo er doch scheinbar nichts Gutes in seinem Leben getan hat.

45. bis 48. Vers:

Odiseri erklärt ihm, dass Salvani seinem guten Freund in der Not half und ihn aus der Sklaverei und dem Kerker befreite, wobei er sich selbst erniedrigte. Dieser Akt der Liebe und das positive Karma wirken sich nun positiv auf seine Seele aus, so dass er doch noch Buße und Reue finden und den Läuterunsberg besteigen darf. Hier zeigt sich die wichtige Bedeutung von guten, reinen Herzenstaten, die die bösen Taten des Egos ausgleichen können.
Zum Vers: „Ließ solch ein Liebeswerk die Schranken schwinden!“

Mit den „Schranken“ sind sowohl die Begrenzungen des Egos, das aufgrund seiner Unreinheit und Todsünden nicht in den höheren göttlichen Dimensionen schwingen kann, als auch die Tore zu den himmlischen Ebenen des Paradieses (=Herzzentrum Gottes) gemeint, welche durch die Macht der göttlichen Liebe und der guten Herzenstaten geöffnet werden.

Zusammenfassung:

Der XI. Gesang der göttlichen Komödie lehrt den Leser, was mit den hochmütigen Menschen im Jenseits geschieht. Sie müssen für ihren Stolz leiden, indem sie die Steine ihres hochmütigen Egos auf ihrem Rücken schleppen müssen, die sie so nach unten drücken, dass sie in die Demut gezwungen werden. Das ist ihre Buße. Es gibt dabei verschiedene Grade von Hochmut bzw. Stolz: Den Stolz über die familiäre Herkunft, den künstlerischen Stolz und den Stolz über die eigene Macht und den Ruhm. All diese Formen des Hochmuts müssen transformiert und in Demut gewandelt werden, damit das Seele-Geist-Wesen von seinem Leiden befreit werden und zu Gott zurückkehren kann. Dies geschieht durch die Kraft der göttlichen Liebe, der Herzens-Taten und der Barmherzigkeit.

So sei auch Du achtsam, was Dein irdisches Leben betrifft und bedenke, dass jeder Mensch für seine Taten nach seinem Tod in den jenseitigen Ebenen büßen muss. Wandle den Hochmut schon zu Lebzeiten in Demut, so dass Du keine schweren Steine im Jenseits schleppen musst, sondern leicht in die höheren göttlichen Dimensionen und zu Gott aufsteigen kannst.

Bedenke zudem, dass sich Himmel, Hölle und Läuterungsberg/Fegefeuer nicht nur in den jenseitigen Ebenen befinden, sondern auch in der irdischen Ebene. Die ganze Erde hat alle drei Bereiche in sich und jeder Mensch kann entscheiden, ob er im Himmel, in der Hölle oder im Fegefeuer schwingt. Dein Karma aus diesem und aus früheren Leben bestimmt, ob Du jetzt in der Hölle „Höllenqualen“ erleiden musst, ob Du auf dem mühsamen Anstieg des Läuterungsberges schwitzen und Deine Ego-Missetaten sühnen musst oder ob Du glücklich und froh im Paradies lebst. Erkenne: Jeder macht sich seinen Himmel und seine Hölle selbst!

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