40. Weisheitsperle: Die göttliche Höflichkeit

Botschaft von Hermes Trismegistos/Thot

 
Meine Seelengeschwister, ich grüße Euch im Namen des EINEN Gottes und Herrn dieses Universums. In dieser Botschaft möchte ich Euch über die Tugend der Höflichkeit berichten.

Die Höflichkeit ist eine wichtige Eigenschaft eines edlen, göttlichen Wesens. Eine „adlige“, ritterliche Seele besitzt Anstand und Höflichkeit. So sollte auch jedes Wesen, das in die höheren göttlichen Dimensionen strebt, eine Etikette der Höflichkeit entwickeln, die seinem göttlichen Seele-Geist-Wesen entspricht und seinen Körper veredelt. Dies ist umso wichtiger, wenn das Wesen ein göttlicher Mitarbeiter ist, denn eine edle, höfliche Gesinnung entspricht seinem göttlichen SGW-Status.

Sei Dir bewusst: In ihrer ausgeprägtesten Form gleicht die Höflichkeit fast der göttlichen Liebe. Denn auch die Höflichkeit ist langmütig und freundlich, sie hasst nicht, sie fürchtet sich nicht, sie begehrt nicht und sie bläht sich nicht auf. Sie ist Ausdruck Anteil nehmender Achtung vor den Gefühlen der Mitmenschen und ihren Seele-Geist-Wesen. Zudem bedeutet die Höflichkeit auch eine demütige Achtung vor der bestehenden göttlichen Ordnung der Natur, des Planeten und vor Gott AMA, sowie Respekt vor der jeweiligen Stellung eines Wesens, wobei nach echtem Seelenverdienst und nicht nach dem Ego-Verdienst unterschieden wird.

So hat die Höflichkeit eine herausragende Stellung auf dem spirituellen Pfad. Die Höflichkeit hat allerdings keinen Nutzen, wenn sie nur aus Angst vor Verletzung der bestehenden Gesellschaftsregeln oder aus Angst vor Ablehnung oder Verminderung des eigenen Ego-Ansehens eingesetzt wird.

Auch wenn die Höflichkeit keine alleinstehende Tugend ist, hat sie doch eine große Bedeutung. Sie verbindet nämlich alle anderen Tugenden miteinander und schafft im Menschen ein Bewusstseinsfeld des Edelmuts, der Reinheit und der Hingabe vor der göttlichen Ordnung. Die Höflichkeit wertet die anderen Tugenden auf und reinigt sie in ihrem Ausdruck. Damit ist aber keine oberflächliche Höflichkeit gemeint, wie man sie z.B. im gesellschaftlichen 3D-Leben, Vereinen, Schulen, usw. findet. Bereits der spirituelle Meister Konfuzius hat in seinen Schriften mehrfach darauf hingewiesen, dass äußeres höfliches Verhalten ebenso wenig zu echtem Anstand und wahrer, innerer Höflichkeit gehört wie das Geräusch zur Musik.

In Japan hat sich das Prinzip der Höflichkeit im Laufe der Jahrhunderte zu einer regelrechten geistigen Disziplin entwickelt. Nachdem der Anstand im Mittelalter zur obersten Bedingung des gesellschaftlichen 3D-Lebens erhoben wurde, entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte ein kompliziertes System von Etikette, das bereits den Kindern vermittelt wurde, so dass sie sich sozial korrekt verhalten konnten. Sie lernten, wie man jemanden grüßt oder anspricht, wie man sich verbeugen muss, wie man zu gehen oder zu sitzen hat, usw. Tischmanieren wurden zu einer Wissenschaft für sich. Man erwartete, dass gut erzogene Menschen alle Regeln des höflichen Umgangs beherrschten. Die Höflichkeit und der Anstand wurden nicht nur in Japan, sondern auch auch in Europa und anderen Ländern zum Kennzeichen gehobener, wohlhabender Lebensart. Erst in heutiger Zeit wurden nahezu alle gesellschaftlichen Regeln der Höflichkeit aufgegeben und durch das fessellose Ego ungültig gemacht.

Die äußere Höflichkeit ist zwar durchaus ehrenhaft und lobenswert, da sie in gewissen Teilen das Ego beherrscht, kann jedoch kein unreines, dunkles oder anti-göttliches Seele-Geist-Wesen verbergen oder verändern. Sie ist nicht mehr als eine Maske, die mit dem wahren inneren Kern des Wesens nichts oder nur kaum etwas zu tun hat. Die wirkliche göttliche Höflichkeit zieht sich dagegen sowohl durch den Körper, das Körperwesen als auch das Seele-Geist-Wesen, und wandelt den gesamten Menschen in ein edles Wesen.

In Japan wurde die gesellschaftliche Höflichkeit und Etikette bis in die kleinsten Finessen ausgearbeitet und verfeinert. Wir denken hier z.B. an die japanische Tee-Zeremonie, die äußerst komplex ist, aber auch an den Verhaltenskodex und die Philosophie des japanischen Militäradels (Bushido). Anders als die westliche Etikette, die oft mehr Schein als Sein war, hat die japanische Etikette aber auch immer die Meisterschaft der niederen Natur des Menschen, des Egos, mit einbezogen.

Es gab in Japan vor der Ankunft der Europäer verschiedene Schulen, die unterschiedliche Lehren der Höflichkeit vermittelten. In ihrem höchsten Ziel waren sich aber alle einig. So sollte das höchste Ziel darin bestehen, den Geist des Menschen so zu formen, dass es nicht einmal der übelste Mensch es wagte, einen anderen anzugreifen, selbst wenn dieser nur still da saß und sich nicht verteidigte. Das heißt: Durch die ständige Übung korrekter Manieren werden alle Bereiche und Fähigkeiten des physischen Körpers in vollendete Ordnung und Harmonie mit sich selbst und seiner Umgebung gebracht, so dass der Geist die Herrschaft über den Körper und das Fleisch hat und das Ego keine Macht mehr hat.

Höflichkeit ist Eleganz und das bedeutet eine Einsparung von Kraft, denn wer höflich ist, muss sich nicht mit seinem Ego aufregen oder in Rage steigern. Feine Manieren bedeuten Kraft und Ruhe. Wer höflich handelt, vergeudet keine Energie. Vielmehr wandelt die zurückgelegte Energie den Menschen nach und nach in ein edles, feines Wesen und trägt so zu seiner Wandlung von der niederen Natur zur höheren Natur des Menschen bei.

Höflichkeit wird somit zu einer seelischen Disziplin und großen Errungenschaft, wenn es ihr gelingt, dem inneren und äußeren Menschen Anmut, Edelmut, Eleganz, Reinheit und Feinheit zu verleihen. Doch ihre Funktion ist damit noch keineswegs erfüllt. Denn wahre Höflichkeit ist auch immer Ausdruck des göttlichen Mitgefühls, da es dem Gedanke der Milde und Bescheidenheit entspringt und damit direkt mit der Wurzel der göttlichen Liebe verbunden ist. Wahre Höflichkeit wird von einem feinen Gespür für die Empfindsamkeit seiner Mitmenschen getragen und wie man sich diesen gegenüber zu verhalten hat, um ihren göttlichen Wert zu würdigen und sie nicht zu verletzen.

Bereits Konfuzius betont in seinen Schriften, wie wichtig die Milde ist. Nur ein Herrscher, der über die Menschen in Milde regiert, ist ein guter Herrscher. Die Milde ist ein Zeichen eines göttlichen Herzens-Menschen. Milde gegenüber den Schwachen, den Unterdrückten und den Besiegten galt stets als besonders rühmlich für einen Adligen oder Samurai. Genauso verhält es sich auch bei den göttlichen Mitarbeitern, und bei allen normalen Seele-Geist-Wesen.

Die Erziehung zu sanfter Empfindsamkeit fördert zugleich die Aufmerksamkeit gegenüber dem Leiden seiner Mitwesen und Mitmenschen. Sie führt zu Bescheidenheit und Wohlwollen, die getragen sind vom Respekt vor den Gefühlen anderer Menschen. Das ist der Ursprung wahrer Höflichkeit.

Wie unterschiedlich die japanische Höflichkeit zur westlichen Höflichkeit ist, zeigt sich an diesem Beispiel: In Europa lobt man vor dem Beschenkten die Vorzüge eines Geschenks, das man überreicht. In Japan macht man es dagegen schlecht oder verleumdet es sogar. Dahinter steht in Europa die Idee: „Schau, was ich Dir schönes schenke! Wenn es nicht schön wäre, würde ich nicht wagen, es dir zu schenken. Denn es wäre eine Beleidigung, dir etwas zu schenken, was nicht schön ist.“

In Japan denkt man jedoch: „Ich mag dich und kein Geschenk ist für dich gut genug. Nichts, was ich dir geben kann, wirst du annehmen, außer als Zeichen meines guten Willens. Nimm dieses Geschenk somit als Zeichen an und nicht um seines Wertes willen. Es wäre eine Verletzung deiner göttlichen Seelenwürde, zu behaupten, es gäbe in der irdischen Welt ein Geschenk, das für dich gut genug ist.“

Wenn Du Dir beide Sichtweisen anschaust, dann stellst Du folgende Unterschiede fest: Der Europäer spricht von der Materie, aus dem das Geschenk besteht, und versucht sich mit seinem Ego zu rechtfertigen, warum es besser oder zumindest gleichwertig der Seele des Beschenkten ist. Zudem möchte er mit seinem Ego für sein Geschenk vom Beschenkten gelobt bzw. bestätigt werden.

Der Japaner dagegen spricht von der geistigen Energie des Schenkens an sich bzw. der geistigen Haltung und dem Bewusstsein der Milde, in dem das Geschenk überreicht wird. Er ist in einer demütigen Position, wo sich sein Ego vor der Seele des Beschenkten ehrfurchtsvoll verneigt. Er erwartet keine Anerkennung und kein Lob des Beschenkten. Die japanische Sichtweise steht damit über der europäischen Sichtweise, da sie das Ego klein hält und den wahren Wert der Seele in den Vordergrund stellt.

Sei Dir bewusst: Ohne Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit ist die Höflichkeit nur eine Farce und leerer Schein. Sie ist dann nichts als eine Maske des Egos, hinter der sich sein schlechter Charakter verbirgt. Nur wer in seinem Herzen nicht von der göttlichen Wahrheit abweicht und einen guten, tugendhaften Charakter hat, kann auch einen ehrlichen, höflichen Lebenswandel an den Tag legen. In seiner „Lehre von der Mitte“ schreibt der spirituelle Meister Konfuzius über die Wahrhaftigkeit: „Sie ist das Ende und der Beginn aller Dinge. Ohne Wahrhaftigkeit gäbe es nichts.“ Die Wahrhaftigkeit ist damit eine wichtige göttliche Eigenschaft, die für den spirituellen Aufstieg und die Einheit mit Gott AMA unabdingbar ist.

Lüge und Unwahrhaftigkeit dagegen zeugen von einem unedlen, feigen Charakter. Im Japanischen Militäradel waren Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit das oberste Gebot. Erst das machte einen Adligen zu einem Adligen. So galt das Wort eines Samurai bzw. sein Ritterwort mehr als das Wort eines Kaufmanns oder Bauern, denn der tiefe Hang der Samurai zur Wahrheit war allseits bekannt. Das Wort eines Samurai hatte ein solches Gewicht, dass Zusagen zumeist ohne ein schriftliches Zeugnis gegeben und auch erfüllt wurden. Alles andere stand unter der Würde des Samurai.

So sollte auch bei jedem spirituellen Wesen oder göttlichen Mitarbeiter die Hochachtung vor der Aufrichtigkeit so groß sein, dass sie sich immer an die göttliche Wahrheit und die göttlichen Gebote halten und diese nicht verletzen. Die Wahrheit steht über der Höflichkeit, denn wer die Wahrheit allein um der Höflichkeit willen opfert, macht sie zu leerer Form und einer Täuschung durch schmeichlerische Worte.

Ehrgefühl und damit ein ausgeprägtes Bewusstsein für die persönliche Würde und den Wert der eigenen Seele und die seiner Mitmenschen charakterisiert einen wahrhaft höflichen Menschen. In einem solchen Verhalten liegt etwas göttlich Vornehmes, das auf die göttlichen Tugenden des Menschen verweist. So wird der Mensch zum Ausdruck seiner höheren göttlichen Natur.

Die anti-göttliche Seite dagegen hat kein Ehrgefühl, weswegen sie auch keine wirkliche Höflichkeit an den Tag legen kann. Für sie wird Höflichkeit nur berechnend eingesetzt, um etwas zu erreichen. Sie liebt und respektiert das Gegenüber nicht wirklich – auch wenn sie scheinbar höflich agiert. Viele vermeintliche Freundschaften und sogar Beziehungen sind auf dieser falschen Höflichkeit aufgebaut, so dass es nicht verwunderlich ist, wenn es ihnen an Tiefe fehlt und sie bald wieder auseinanderbrechen. Die im dunklen Zeitalter gelebte Höflichkeit hat nämlich zumeist nichts mehr mit einer wirklichen Höflichkeit der Seele zu tun, sondern ist nichts anderes als eine weitere Maske des Egos, das damit etwas um seines eigenen Ego-Vorteils erreichen möchte. Wahre Höflichkeit dagegen ist frei von Ego-Begierden und Erwartungen und kommt aus einem reinen Herzen. Die Wertschätzung und Achtung vor dem Gegenüber sind ehrlich und nicht gespielt.

Wisse: Für die Meisterschaft Deines Egos ist wirkliche Höflichkeit notwendig, die sich durch Dein gesamtes Wesen – vom Geist, zur Seele bis zu Deinem Körper – zieht. So entwickle in Deinem ganzen Wesen und Verhalten eine wahrhaftige, aufrichtige, ehrliche und edle Höflichkeit, die Deinem göttlichen Seelenwert entspricht und beherrsche auf diese Weise das niedere Ego in Dir.

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