30. Weisheitsperle: Der Narr

Botschaft von Hermes Trismegistos/Thot

 
Meine Seelengeschwister, ich grüße Euch im Namen des EINEN Gottes und Herrn dieses Universums. Diese Botschaft ist kurz, doch voller Weisheit:

Ein wandernder Narr sucht den Stein der Weisen. Sein Haar war zerzaust, von der Sonne gebleicht und mit Staub bedeckt, sein Leib zum Schatten abgemagert, seine Lippen fest aufeinander gepresst wie die verschlossenen Türen seines Herzens, seine brennenden Augen wie das Licht eines Glühwurms, der seinen Gespielen sucht.

Vor ihm brüllte der endlose Ozean.
Die geschwätzigen Wellen plauderten unaufhörlich von verborgenen Schätzen,
den Unverstand verspottend, der nicht wusste, was sie meinten.
Mag sein, dass ihm jetzt keine Hoffnung mehr geblieben war,
und doch wollte er nicht ruhen, denn das Suchen war sein Leben geworden, –
wie der Ozean immer seine Arme zum Himmel hebt nach dem Unerreichbaren,
wie die Sterne im Kreis wandeln und doch ein Ziel suchen, das unerreichbar ist –
So wanderte auch der Narr mit verstaubtem und gebleichtem Haar am einsamen Gestade,
auf der Suche nach dem Stein der Weisen.

Eines Tages kam ein Dorfjunge auf ihn zu und fragte: „Sag mir, wo hast du die goldene Kette her um deinen Leib?“

Der Narr stutzte – die Kette, die einst eisern war, war wirklich Gold. Es war kein Traum, aber er wusste nicht, wann sie sich verwandelt hatte. Er schlug sich wild an die Stirn – wo, ach wo, hatte er, ohne es zu wissen, endlich Erfolg gehabt?
Es war ihm zur Gewohnheit geworden, Kiesel aufzulesen, die Kette damit zu berühren und die Steine wegzuwerfen, ohne darauf zu achten, ob sie sich verwandelt hätte; so fand und verlor der Narr den Stein der Weisen.
Die Sonne sank tief im Westen und der Himmel war golden.
Der Narr ging auf seiner eigenen Spur zurück, um von Neuem den verlorenen Schatz zu suchen, mit erschöpfter Kraft, den Leib gebeugt, und das Herz im Staub wie ein entwurzelter Baum.

Narr, der du suchst, dich auf eigenen Schultern zu tragen;
Bettler, der du kommst, an eigenen Türen zu betteln!
Lege Deine Last in Seine Hände,
der alles trägt und schaue nicht zurück in Bedauern.
Deine Begierde löscht sogleich das Licht der Lampe,
die sie mit ihrem Atem berührt.
Unheilig ist sie
– nimm nicht deine Gaben aus ihren unreinen Händen.
Nimm nur, was heilige Liebe Dir bietet!

Tagore

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