Hermes Trismegistos: Hieroglyphen & Namensentstehung

Der dreifache spirituelle Meister Thot wurde auf altägyptische „Djehuti“ oder „Tehuti“ genannt. Seine Hieroglyphen lauteten in verschiedenen Varianten:

Die singularische Grundform von „Djehuti „ist „Djeh“, „Djehu“ oder „Djehut“:

Die Silbe „ti“  am Ende von „Djehuti“ ist eine Dualbildung und Pluralform.

Eine zweite Singularform von „Djehuti“ ist „Tech“ oder „Techut“, welche härter ausgesprochen wird.

„Tech“ ist mit dem Vogel „Tech“ identisch, welcher eine Isis-Art bezeichnet. In einer Legende von Dendera heißt es: „Thot, der allergrößte, Herr von Sesent (Hermopolis), der schöne Techvogel in Chepert (Dendera). „Djehut aa aa wer neb sesent tech as chun chepert.“

Ebenso hängt „Djehuti“ mit einer anderen Form desselben Stammes, mit dem Ibis-Namen „Djehu“ zusammen. So ist „Tech“ eine Weiterbildung von „Djeh“ und ist der Name des ibisköpfigen Gottes, der in ältester Zeit nicht vorkommt, sondern erst in jüngerer Zeit, dann aber den alten Namen fast verschwinden lässt. „Tech“ ist somit eine historisch sekundäre Bildung von „Djehu“ und kommt auch noch in „eteschi“, dem Namen einer Reihergattung sowie in der koptischen Sprache vor.

„Djehuti“ ist die Steigerung eines Begriffes durch Doppelung zur Superlative, wie sie im altägyptischen nicht selten war. „Djehuti“ als Dual von „Djehu“, der „Ibis“, bezeichnet somit diesen Gott (Thot) als den „größten Ibis“, den „Doppelibis“. Der große Ibis, der im Monde lebt, ist somit die Basis des Gottes Thot und seiner gesamten altägyptischen Mysterienlehre als spiritueller Meister.

Als weiblichen Gegenpol zu „Tech“ gibt es die Göttin „Techi“ , die z.B. auf dem Kalender der Rückseite des Papyrus Ebers als Schutzgöttin des Monats Thot erscheint. Nicht die männliche Energie von Thot ist hier gemeint, sondern die weibliche Energie seines Strahls der Weisheit, welche Ibisköpfig wie die Maat und mit dem Kopfschmuck der Hathor erscheint. Wichtig zu wissen ist hier, dass Hathor in Edfu als „Maat wer“ erscheint (die große Gerechtigkeit, Wahrheit = Maat) und „Djehuti“ dort als „Gemahl der Wahrheit bzw. Maat“ auftritt.

Techi ist zudem die Gemahlin von Thot im fünfzehnten unterägyptischen Gau. Wie alle Mondgöttinnen ist auch sie eine Göttin der Liebe und der weiblichen Magie. Techi ist somit nichts anderes als ein späterer Beiname der Hathor, denn Hathor erscheint schon im alten Reich in den Inschriften d er Bergwerke von Wadi Machara als Gefährtin des ibisköpfigen Gottes Thot.

 

 

Thot als Mondgott und Ausdruck des Ur-Geistes

Über Thot wird in der Klage über den verstorbenen Osiris und seinen Leichnam geschrieben: „Djehuti ist dein Schutz, er hält deine Seele, aufrecht in der Barke Matet, in deinem Wesen nämlich als Mondgott.“ Gerade in dieser Bedeutung findet man Thot in den Kynokephalos-Affen, die manchmal sogar direkt „Djehuti“ genannt und als Symbol des Mondes der Göttin Tefnut, die als Löwe in mit der Scheibe des Sonnengottes auf dem Haupte auftritt, gegenüber gestellt ist. In Gestalt dieses Affen sieht man Thot in seinem Ur-Meer der Weisheit und des Geistes thronen.

Es liegt zudem eine enge Verbindung zwischen Thot und dem Mondgott Chons vor. Beide sind über die Kraft des Mondes und indirekt auch die Sonne, die sie beschützen, miteinander verbunden. In Theben wird Thot als Kind des Gottes Minti und der Maut als „Chunsu-Djehuti“ verehrt. Ramses II. hat „Chunsu-Djehuti“ ein besonderes Heiligtum in Theben gestiftet, in welchem seine lebenden Repräsentanten, nämlich Hundskopfaffen (Paviane), gehalten wurden.

Die Vereinigung von Chons und Djehuti war so intensiv, dass es mehrfach „Chunsudjehuti“ als Personennamen gab. Djehuti war die geistige Quintessenz des alten Mondgottes Chons, welche sich von der Hauptfigur dieses Göttes abspaltete.. Wie die Sonne in ihrer tägliche Erneuerung als das ewigjunge Kind „Hor-pe-chruti“ aufgefasst wurde, so ist auch der Mondgott Djehuti, von dem es in Karnak heißt: „sechrut tesef em heb en paut“ (=er verjüngt sich selbst am Neomenientage).

Als jugendlicher Gott neben Chons und Isis wurde Djehuti unter dem Namen „Djehuti em chut“ (=Djehuti als Kind) in der Stadt Cherta in einer Triade verehrt, nämlich als das immer von neuem erzeugte Kind dieser beiden Mondgottheiten. Die Darstellungen des Thot, wo er aufgrund seiner lunaren Bedeutung die Mondscheibe auf dem Kopf trägt, zeigt seinen Ursprung aus dem Mond, der Quelle aller Weisheit und somit dem All -Geist-Gott und seinem Ur-Meer.

Djehuti konnte sowohl als „tehen“ (=gelb) als auch als „tesr“ (=rot) abgebildet werden. Da „tehen“ jedoch im alten Ägypten eine vage Bezeichnung ist und keineswegs nur gelb bedeuten kann, sondern auch hellfarbig, sind damit auch hellgrün und hellblau gemeint. Gewöhnlich tritt Thot jedoch in gelben Farben auf, kann jedoch beim Totengericht auch die Osiris-Farbe grün und blau übernehmen.

Im Neuen Reich wird Thot auch hieroglyphisch durch das Zeichen des Mondes repräsentiert:

Für die lunare Bedeutung seines Namens spricht auch seine Aussage: „Ich bin Groß über die ganze Welt aufgegangen als König der Götter.“ = nuk a em to neb cha-ta em suten nuter!

Doch auch der Ibis ist Repräsentant des Mondes, den der Mond ist am Anfang aller Dinge aus dem Ur-Geist-Meer zur selben Zeit erschaffen worden wie auch die Sonnenscheibe. Es heißt: „Du bewilligst mir zu erglänzen als großer Ibis, hervorgegangen aus dem Schosse der Maut. Ich werde ein Spross des Osiris Unnofre, des seligen, werde der Ibis im neuen Mondauge, und strahle im Inneren von Aau.“ Hier wird Maut als Mutter des Ibis genannt. Dies entspricht der thebaischen Triade Chons, Maut und Djehuti. So ergibt sich hier auch die Grundbedeutung des Ibis als lunearer Vertreter des Djehuti.

Dafür spricht auch, dass die göttlichen Wesen bei ihrem Aufstieg in die höheren Dimensionen entsprechend der altägyptischen Lehre eins mit den Gestirnen des Himmels, Sonne und Mond, nämlich Ur-Sonne und Ur-Geist, wurden. Dies zeigt sich in folgendem Ausspruch, wo sich der Verstorbene rühmt; „Ich bin der älteste Sohn des Ra“ (er bezeichnet sich selbst als „Hor-em-chuti“, als eins mit der Sonne) und „ich bin der Ibis, der herrliche“ (=„nuk hab as“). So vertritt auch hier der Ibis direkt die Mondscheibe und die Ur-Energie des Geistes, wohingegen der Sonnengott für das Ur-Licht Gottes steht.

 

Thot als Teiler und Schreiber

Thot ist somit ein Gott, dessen erste Bedeutung und faktischer Hintergrund der Mond und damit der Ur-Geist des Alls ist, und dessen heilige Tier der Ibis und der Kynokephalos seine Ausdrucksmittel in der irdischen Welt wurden. Diese beiden heiligen Tiere wurden zum lebendigen Kanal seines Strahls und damit zu lebendigen Thot-Hieroglyphen.

Aufgrund seiner Verbindung zum Mond wird Thot auch „sek schen“ (=Teil der Zeit bzw. der einzelnen Mondphasen der Zeitrechnung) genannt. In diesem Sinne sieht man Thot sehr oft, wie er den Pharaonen die Jahre des „Tum“, die Königsherrschaft des mystischen Gottes Horus, nämlich Millionen von Jahren und Hunderttausende dreißigjähriger Festperioden verspicht. Dabei schrieb Thot die Namen der Pharaonen auf die Blätter des unsterblichen Sykomorenbaumes, um ihnen symbolisch ewige Dauer zu gewähren.

Thot gehört zudem der erste Monat des Jahres und die sechste Stunde des Tages. Als Herr der Zeit ist es seine Aufgabe das Lebensalter eines Menschen festzusetzen und ihm die Zahl seiner Jahre bereits auf die Wiege zu schreiben.

Durch seine Verbindung zum Mond wird Thot auch „Berechner des Himmels und Zähler seine Sterne“, „Berechner der Welt und Zähler all dessen, was in ihr ist“ genannt. Dies bezieht sich auch auf die Mathematik, wo er der Herr der Masse und der Zahl ist und ihm die Elle heilig ist. So wird für die räumliche Ausdehnung eines Tempels immer die heilige Elle des Tech („mah en Tech“) verwendet. Denn Thot ist „nuter mesmes to pun“, der Gott, der die Welt vermessen hat. In ptolemäischer Zeit wurde Thot deshalb auch „Asten“, „Astin“ oder „Astennu“ genannt, was „Teiler der Welt“ bedeutet und auf seine mathematische Gabe, aber auch auf seine mystische Teilung der Maya von der Realität Gottes (=Teiler der Schleier der Maya) hindeutet.

Beim Bau eines Tempels wird Thot von seinem zweiten weiblichen Pendant „Safech“, auch „Seschat“ genannt, unterstützt, die „Techi“ entspricht. Ihr Kopfschmuck besteht aus den zwei Hörnern und dem Stern der Weisheit und Erkenntnis. Sie ist eine Form der Göttin Hathor, jedoch mit beson derem Wissen.

Thot ist der eine große Gott, die Seele des Werdens. Er steht an der Spitze der ordnenden Prinzipien der Welt, ist der Urheber all es Gesetzmäßigen und aller Regeln der gesamten Natur. Thot wird als der Vertreter des Geistes, als Schutzgott aller irdischen Gesetze, aller Einrichtungen der menschlichen Gesellschaft angesehen.

Die göttlichen Gesetze des Sonnengottes sind deshalb festliegend wie die des Thot. Als Vertreter des Sonnengottes in der Welt ist er der Vermittler, durch den sich dieser offenbart. Thot ist die „Zunge des Ra“, der Verkünder des Willens des Ra und der Herr der heiligen Sprache. „Was er durch seinen Mund spricht, das geschieht. Thot spricht, und es wird sein Befehl im Namen des Sonnengottes. Er, der Anfang der Rede, der Träger der Erkenntnis, der Eröffner des Verborgenen.“

Thot wird dabei auch zum Gott der Schrift und aller bildlichen Darstellung. Er ist der „Schreiber der 9 Götter und Herren der 9“. Er schreibt die „Wahrheit der neun Götter“ und heißt deshalb „Schreiber des Königs der Götter und der Menschen“. Auch Safech oder Seschat ist die große Herrin des Schreibens, die Herrin des Bücherschreibens und die Vorsteherin der Hieroglyphengrammatik.

Vom Gott der Schrift wird Thot auch zum Gott der Bibliotheken. In den Tempelarchiven von Dendera und Philae ist er in Gestalt des Kynokephalos über den Nischen abgebildet, wo die Priester ihre wertvollsten Bücher aufbewahrten. Zahlreich sind zudem seine Abbildungen als Hundskopfaffen, welche entweder in das Studium eines Buches oder in die Ausübung der heiligen Schreibkunst ganz versunken sind.

 

Hymnus an Thot

Am Eingang des Hinterzimmers des Memmoniums von Theben, der Bibliothek des „Osymandyas des Diodor“ findet man am links vom Eingang den Ibisköpfigen Thot als „Herrn im Saale der Bücher“, auf der rechten Seite dagegen Safech bzw. Seschat abgebildet als „Herrin im Saale der Bücher“. Safech bzw. Seschat ist zudem die Beschützerin des großen Hauses des Lebens, d.h. der Bibliothek des Tempels. Sie ist die Oberbibliothekarin, die dort die großen Erkenntnisse des Thot niederlegt und bewahrt.

Thot kommt in allen Inschriften und Schriftstücken im alten Ägypten besonders zur Geltung, denn er war der Liebling der Schriftgelehrten Hierarchie und wurde von allen Schreibern verehrt. In seinem Namen beginnen die meisten Texte wie mit einem guten Omen und Segensspruch. Oft heißt es: „Nicht gibt es einen Gott gleich wie Djehuti“. Nachfolgend wird ein Hymnus wiedergegeben, der Thot zu Ehren auf dem Papyrus Anastasi V. zur Zeit von Sethos II. ca. 1200 v.Chr. verfasst wurde:

 

 

Thot und Anubis

Als Herr der Weisheit war Thot auch der Urheber des altägyptischen Totenbuches, des Buches der Weisheit. So heißte s im 64. Kapitel des Totenbuches: „Dieses Kapitel wurde zu Sesennu gefunden, abgefasst auf eine Felsen von Ksu, geschrieben in Blau unter den Füssen [des Gottes Thot] nämlich.“

Im Papyrus Ebers wird über Thot folgendes gesagt: „Sein Führer das ist Djehuti, der die Gabe der Rede verleiht, der die Bücher macht und die Erleuchtung der Schriftgelehrten und der Ärzte, welche um ihn sind, ihm folgend zu Heilungen.“ (=„Semu-fe pu Djehuti au-fe tiu-fe teti-tu tjut-fe ari-fe tjemta-cu en rechu-a en chet-a en sona amu-a cheta-fe er beha a-u.“)

Die altägyptische Medizin war mit der Magie und Religion eng verwandt. Die Hauptkraft lag in den heiligen Mantren, Formeln und Besprechungen, die auf KW und SGW wirkten. In diesen geheiligten Beschwörungen ist Thot der Mittelpunkt, denn auf sein Bildnis werden die Mantren geschrieben. In den bekannten Zaubersprüchen „des Horus auf dem Krokodil“ ist er es, der die Krokodile fern halten und ihnen die böse Zunge abschneiden soll.

In medizinischer Hinsicht verschmilzt Thot mit dem schakalköpfigen Anubis, dem Gott des Einbalsamierens. Es wird von einem hellfarbenen und einem roten Thot gesprochen, darüber hinaus gibt es noch einen dritten Thot: „Djehuti“, Herr des Himmels, der da gibt alles Leben, alle Gesundheit = „Djehuti tj anch-fe neb seneb neb“) Dieser dritte Thot wird oft mit einem Schakalkopf dargestellt.

Auf demselben Denkmal wird auch Anubis als „Herr des Himmels, der Große der Zaubersprüche“ (= Anubis neb pet ur heka) genannt. Zu römischer Zeit verschmolzen dann Anubis und Thot ganz miteinander. Dies zeigt sich z.B. in der Reinigungszeremonie des Königs, die durch Horus einerseits und durch Thot oder Anubis andererseits vollzogen wird. Der Pharao erhält dabei das Ankh-Zeichen und das Was-Zeichen von den Göttern über seinem Haupt ausgeschüttet, so dass er davon neu energetisiert und mit göttlichem Leben wird.

Ähnliches geschah auch bei der Bestattung des Toten. Horus bemalte die Brust des Verstorbenen mit den heiligen Farben, und zusammen mit Thot reinigte Horus den Körper und konservierte ihn.

Die Kraft von Thot und Anubis liegt im Mond. Deswegen sagt der Verstorbene auch: „Ich bin der Eine, welcher im Mond erglänzt.“ (= Nuk wa peset em aha). Bei der Reinigungszeremonie des Pharaos heißt es: „Seine Seele verjüngt sich im Monde.“ (=Au ba-fe renpe-tu em aah) Ein Beamter des Königs sagt: „Deine Verwandlungen sind wie die des Mondes“ (=chepera-ke ma aha), d.h. ewig und unvergänglich neu.

Thot drückt sich somit durch die wechselvolle Kraft der Mondphasen auf der Erde aus, was ihn zum Herrn der Wiedergeburt und Wandlu ng machte. Thot wird damit zum Vertreter der Weisheit, die das ganze Universum durchdringt, dem Ur-Geist Gottes. Der Ur-Geist ist das allbelebende, also auch nach dem irdischen Inkarnations-Tod wiederauflebende, wiedergeborene, göttliche Prinzip in der ganzen Schöpfung.

Thot wird deshalb auch als „Herz des Ra, mächtig in seinen Worten“ bezeichnet und ist Herr alles Lebens. Es ist nämlich gerade das Herz des Sonnengottes Ra, d.h. sein heiligstes, göttliches Lebensprinzip (=göttlicher Geist, Seelenkörper und Gotteslichtfunken), mit dem sich das Wesen nach seinem irdischen Tod in den höheren Ebenen vereint und wieder zu einem göttlichen Gesamt-Seele-Geist-Wesen wird.

 

Hermes Trismegistos Totengericht

 

Thot, Horus und Seth

Über Thot heißt es: „Du hast im Land der Lebenden Leben gegeben, Du hast sie auf immer in dem Gebiet der göttlichen Lebensflamme leben lassen. Du hast ihnen Respekt vor dem göttlichen Gericht in der Brust und dem Herzen der Menschen, der Sterblichen, Intelligenzen und allen Geschöpfen des Lichts gegeben,“

Am Fest des Thot, am 19. des ersten Monats hat man deshalb den Verstorbenen Speisen und Opfer dargebracht, da es der Tag des sie belebenden G ottes Thot war. Der Verstorbene, der vor dem Gericht des Osiris sein Bekenntnis ablegte, konnte dies nur durch den Gott Thot tun, welcher ihm überhaupt die Sprache gab. Als Schreiber der Götter musste Thot zudem, wie auf zahlreichen Abbildungen dargestellt, Protokoll führen. Das „Buch des Djehuti“, auch „das Buch vom Odem (d.h. der Belebung) des Djehuti“ genannt, ist ein heiliges Werk, das man dem Verstorbenen gleichsam zur Orientierung im Jenseits mit auf die Reise gab in ddas Land, „das da liebt das Schweigen“.

Thot ist zudem für die Wiederbelebung des Verstorbenen verantwortlich, zusammen mit seinem vermischten Anubis-Aspeket, welcher den Toten wie einst sein Vater Osiris in Leinenbinden hüllen sollte, so dass er in reiner, rechtmäßiger Kleidung vor dem göttlichen Totengericht ersch einen kann.

Als Anwalt der Seele-Geist-Wesen vor dem Thron des Osirs heißt Thot auch „Djehuti se-maacheru“, welcher seiner mystischen Tätigkeit bei der Eklipse (Sonnen- und Mondfinsternis) entspricht. Thot wird dabei zum Retter, der das Böse vertrieb. Dies zeigt sich z.B. im 112. Kapitel des Totenbuches, wo in einer Erzählung von der Blendung des Horus durch Seth berichtet wird. Hier wird gesagt, dass Horus durch den Anblick eines Schweines geblendet wurde, in welches Seth sich heimtückisch hineinteleportiert hatte. Anubis bzw. Thot hat Horus aber von seiner Blendung geheilt. Auch wenn die Erzählung jüngerer Natur ist, zeigt sich doch der kosmische Hintergrund der Sonnenfinsternis, der Blendung und der Abwehr des Bösen durch Thot, den göttlichen Ur-Geist.

Schon in früherer Zeit ist Djehuti eine euhemeristisch menschliche Persönlichkeit, d.h. seine Göttlichkeit geht auf eine wahre existierende Person zurück. In der 11. Dynastie zur Zeit der Königin Mentuhotep wird Thot als ein verstorbener König eines längst vergangenen, untergegangenen Königsreiches (Atlantis) angesehen. Thots Name wurde damals sogar in einer Pharaonen-Kartusche geschrieben und hieß: „Asari suten Djehuti maa-cher“.

Eng verbunden damit ist die Rolle, die Thot beim Kampf zwischen Horus und Seth spielt, wo er die ganze Handlung wie ein lebendiger Kommentator begleitet. Er berichtet dem Horus alles, was geschieht. Er gibt ihm Anweisungen, was er zu tun hat, und erklärt, was geschehen ist. Er nennt dann den Ort der Handlung mit einem darauf sich beziehenden Namen. Schließlich wird von seinem handgeschriebenen Buch berichtet, dessen sich der Prinz Ptahneferka bemächtigt hat. Mit diesem heiligen Buch kann man Himmel und Erde, den Abgrund, das Meer und die Berge magisch beschwören und verzaubern. Man ist zudem in der Lage die jenseitigen Ebenen in der Gestalt verlassen zu können, die man in seiner letzten Inkarnation besaß, um in die Ebenen der Götter der himmlischen Regionen und ihre Sternwelten einzutreten. Nachdem der Prinz dieses heilige Buch unrechtmäßig erhalten hat, verklagt ihn Thot bei Ra: „Wisse, meine Zauberkraft und mein Wissen ist bei Ptahneferka, dem Sohn des Königs Mernebptah!“. Ra gibt Thot die Macht über den Verwegenen und seine Angehörigen, so dass sie alle umkommen und das göttliche Buch zurück in den Besitz Thots kommt.

Thot wurde besonders in Sesennu verehrt, der „Stadt der Acht“, dem „Unnu des Nordens“. Es war die Hauptstadt des 15. Unterägyptischen Nomos, des hermopolitischen der Alten. Hier hieß er „Ap rehuhi“, „Aufseher der beiden Rehuh“, d.h. des kämpfenden Horus und Seth. Ebenso hieß er in Hesor-et, im 10. Oberägyptischen Gau, dem „Hisoris des Itinerars des Antonin“, „der Erste der Mondstadt“. Auch ein „Djehuti von Pa Utui“ wird dort erwähnt.

 

Thot und Hermes

Außerhalb Ägyptens wurde Thot besonders in den Bergwerken um Sinai, zu Wadi Machara, verehrt, und in einem Siegesbericht aus der Zeit der 5. Dynastie heißt er bereits der „Herr der Länder“.

Die alten Griechen sahen in Thot ihren Gott Hermes. Ovid nannte Thot den ägyptischen Beschützer der Sprache und Schrift von den hellenischen Göttern. Aus der synkretischen Schule ging dann Thot allmählich als eine Vereinigung zweier Götter, des Sohnes des Zeus und der Maria, hervor. Diese Vermischung Thots beginnt bereits mit Eratosthenes, welcher seine Dichtung über alte Entdeckungen in der Astronomie und die Weisheit der Vorzeit „Hermes“ betitelte.

Wo Thot in der Spätzeit nicht „Hermes“ oder „Mercurius“ genannt wird, begegnet man ihm in seinen ägyptischen Formen, z.B. „Djehut“, „Tehuties“, „Tat“, „Totas“ oder „Thoyth“.

In der phönizischen Kosmogonie des Sanachuniathon bei Eusebius tritt zudem mehrfach der Name „Taaut“ oder „Tauthos“ zur Bezeichnung einer Persönlichkeit auf, von der berichtet wird, sie solle zuerst die Buchstabenschrift erdacht, sowie die ganze Rolle der Erschaffung der Schöpfung gespielt haben, und dem ägyptischen Thoyth oder Thot, dem griechischen Hermes, gleich sein. Kronos habe ihm Ägypten geschenkt. Er wird auch Sohn des Misor genannt. Er habe den Menschen den Götterkult der heiligen Schlange beigebracht und wurde deshalb von den Ägyptern später verehrt.

Zur Zeit der Abfassung der so genannten hermetischen Schriften war die Identität von Thot mit Hermes bereits so weit in Vergessenheit geraten, dass es möglich war, beide als separate Persönlichkeiten aufzufassen, von denen Hermes als der ältere und als der Vater des Thot angesehen wurde. So heißt es in der an den König Ammon gerichteten Definition des Asklepios: „Hermes, der Lehrer des Asklepios, habe sich mit ihm oft unter vier Augen, oft auch in Beisein des Tat bzw. Thot. Tat bzw. Thot ist in diesen Schriften die Rolle eines wissbegierigen jungen Mannes zugeteilt.

Noch weiter geht diese Verwirrung an einer Stelle des Synchellus, welche der pseudomanethonischen Sothis entstammt. Hier wird unterschieden zwischen Thot und Tat, letzterer als dem Sohn des Agathodämon, d.h. Osiris Unnofre. Tat wird dabei zum Sohn des zweiten Hermes. Der erste Hermes Thot erhält dabei die Beinamen Propator und Trismegistos. Dies entstand aus der Unkenntnis des Fälschers der Sothis, dem nicht bekannt war, dass Thot und Tat zwei Namen einer mit Hermes identischen Persönlichkeit waren und welcher den später zu besprechenden Beinamen „Trismegistos“ als den Größten von Dreien missverstand.

In einem Dialog bezeichnet Tat selbst den Uranos und Kronos als seine und zugleich des Hermes Vorfahren. Gemeint sind Nut und Geb in Bezug auf die Stellung des Djehuti in der thebanischen Götterfamilie. In dem Askleipos genannten Dialog, der unter den Werken des Apuleius figuriert, nennt Hermes Trismegistos den Tati seinen Sohn, und dieser sagt: „Hermes, der mein Großvater war“, was auf zwei Hermes und einen Tat führen würde.

Der Beiname Trismegistos hat im Griechischen nie den Begriff der Dreiheit, sondern nur superlativischen Sinn gehabt. Vor dem zweiten Jahrhundert v. Ch r. war das Wort gar nicht bekannt. Auf dem Stein von Rosette wurde Trismegistos mit „aa aa“ übersetzt (der Große, Große). Dieses Wort wurde zusätzlich oft mit „wer“ (=groß“ verstärkt. Dies könnte der Ursprung des dreimal großen Hermes sein, der dann später zu Trismegistos wurde.

 

Thot als Hermes Trismegistos

Der auf dem Stein von Rosette abgebildete Gott ist aber gar kein Thot, sondern der „Hor-Hut“, welcher neben dem ibisköpfigen Gott auf mystischen Weihesteinen auftritt, und dessen Hieroglyphe Champillon nur irrtümliche Thot las. Auch die von ihm dazu gegebene Legende spricht von keinem dreimalgroßen Thot, sondern ist zu lesen: „Nuteru aa-u hek en nuter-hat en Pe Selk“ (=die großen Götter, welche im Tempel des Hauses der Selk herrschen).

Somit gab es nur einen Hermes bei den alten Ägyptern. Er wurde nur aufgrund seiner Tugendhaftigkeit und deiner Weisheit der verschi edensten Künste gerne als der Dreifache (Trismegistos) bezeichnet und ist mit Thot identisch.

Jedoch war Hermes durchaus ein Meister der Dreiheit (dreifache spirituelle Meisterschaft) und ein Anhänger der göttlichen Dreifaltigkeit. Hermes glaubte somit an die dreifaltige Gottheit des Universums, an Sonne, Geist und Bewusstsein. Er wurde auch somit auch als Vertreter der Ur-Dreifaltigkeitslehre angesehen.

In der griechischen Tradition vermischt sich Thot, den man als einen Gesetzgeber der Urzeit ansah, mit Athotis oder Athothes, dem Verfasser von Memphis und Verfasser anatomischer Schriften. So wurde aus Thot „Eratosthemes Hermogenes“.

Nach altägyptischen Quellen lebte Thot im Mond und war Herr des Mondes, Horus dagegen lebte in der Sonne und war Herr der Sonne. Thot galt als Gott des Geistes und der Nacht, Horus als Gott der Seele und des Tages. Thot, so wird weiter berichtet, hat sich nach Beendigung seiner irdischen Tätigkeiten in die Geistebenen des Mondes zurückgezogen (=Ur-Geist bzw. Sternenstaubebene).

Thot wird auch als Erhalter des menschlichen Herzens im Jenseits angesehen, wodurch der den Namen „Herz des Ra“ erhielt.

Cicero kennt nicht weniger als fünf verschiedene Hermes. Über den fünften, der offensichtlich der bekannteste und ursprünglichste war, berichtet er: „Der fünfte, den die Pheneaten verehren, der den Argus getötet haben und deswegen nach Ägypten geflohen sein und den Ägyptern Gesetze und Wissenschaften überliefert haben soll, diesen nennen die Ägypter Thot und ebenso heißt bei ihnen der erste Monat des Jahres“. Lactantius benutzte diese Stelle Ciceros und fügt hinzu, „er habe eine Stadt gegründet, die „Hermopolis“ hieße.

Herodot erwähnt nur eine Hermesstadt als einen Ort, in welchem man den Ibis besonders verehrte und heilige Exemplare von diesem hielt. Auch Diodor zählt den Namen unter den von Göttern gegründeten Städten auf. Gemeint ist hier Sesenu.

Auch seine Stellung als Herr der acht Elementargötter von Hermnopolis hat sich in einem Passus des Jamblich erhalten. Als Gesetzgeber tritt der ägyptische Gott bei Aelian, bei Diodor, bei Cicero und nach diesen bei Lactantius auf.

Die Schriften des Hermes bzw. Thot wurden bereits in Atlantis (dem Seriaidischen Land) auf alten Säulen festgehalten, wo Thot sie in Hierogylphen verfasst und ausführlich in Büchern niedergeschrieben hatte. Nach der Sintflut brachten Thot und seine Mitarbeiter eine Kopie dieser Schriften nach Ägypten und bewahrten mehrere Kopien davon in den Heiligtümern der Thot-Tempel des Landes auf. Danach hat sich Thot mit seinem Bewusstsein zu den Sternen zurück in die UrGeistebene begeben.

 

Thot in den Legenden

Außer mit Hermes wurde Thot auch mit dem griechischen Gott Asklepios identifiziert. Manchmal, wie in den hermetischen Schriften, ist Asklepios auch der Schüler des Hermes und hat besonderes Wissen über die Natur.

In der arabischen Welt trat Thot auch als Hermes Trismegistos, als dreimalgroßer in der Weisheit auf. Den „Hermes der Hermes“ nannten Thot die Nabatäer von Irak, die Armäer, Chaldäer und Kasdäer. Sogar eine Schwester des Hermes taucht hier mit dem Namen „Trismegistos Theslios“ auf. Am häufigsten tritt Hermes in der arabischen Welt als „Hakim“ (= der Weise) auf.

Im Islam wird Hermes als „Schreiber des Himmels“ angesehen, der besonders in Persien mit Idris der erste Bekämpfer des Unglaubens der Söhne des Kain gewesen sein soll, was dem mystischen Kampf des Horus gegen Seth mit Hilfe Thots entspricht.

In Syrien gab es sogar ein Werk des syrischen Arztes und Polyhistors Abu’l hasan mit dem Titel „Buch der Gesetze des Hermes und seiner Gebete, welche die Hanfe verrichten“. Auch T’abit ben Qorrah schrieb ein Buch über die Gesetze des Hermes, welches sein Sohn Sinan später aus dem Syrischen ins Arabische übersetzte. In der orientalischen Geschichte befindet sich auch die Gestalt von Seth, der dort als Religionsstifter erscheint, der hohe Moral gepredigt hat. In der muslimischen Tradition war das Gesetz des Seth in einem besonderen Sefer niedergelegt, der seinen Namen trug. Auf Sabisch hieß Seth Agathodämon, der seine Lehren wiederum von Hermes Trismegistos hatte. Beide waren nach den alten Lehren göttliche Propheten und Lehrer eines untergegangenen Landes (=Atlantis). Deshalb treten sie oft vereint auf.

Abdallatif meinte in einem sabischen Buche gelesen zu haben, dass in einer der drei Pyramiden von Gizeh Seth, in der anderen Hermes Trismegistos begraben sei. Die Pyramiden seien somit die Gräber zweier großer Propheten einer vergangenen Religion. Während die Kopten die Pyramiden von Gizeh für Königsgräber hielten, waren sie für die Araber Prophetengräber. So opferten sie dort Weihrauch, ein schwarzes Kalb und einen weißen Hahn vor den Pyramiden als Symbol der Vereinigung der Polarität.

Hermes Trismegistos verschmilzt auch mit der Figur des Hennoch, der vor der Sintflut lebte und ein Enkel des Adam war, welcher auch der dreifach Begabte hieß. Er war ein Meister der Astronomie und der Zeiteinteilung und baute Tempel, um darin Gott zu verehren. Er dachte über medizinisch e Fragen nach und verfasste Schriften über die Fragen des Himmels und der Erde. Er wohnte in Oberägypten und baute dort Pyramiden und Städte, besonders aber die „berba’s“, auf denen er die Ereignisse seiner Forschung niederschrieb, damit die Sintflut sie nicht zerstörte. Er warnte auch die Menschen vor der Sintflut. Es heißt zudem, dass Hermes die Einheit des einen Gottes gelehrt habe.

Hermes Trismegistos wurde auch in Babylon als zweiter Hermes verehrt und nach der Sintflut Babylon erbaut haben soll. Man rühmte ihn als großen Kenner der Zahlen und ihrer Eigenschaften und der Arithmetiker Pythagoras soll sein Schüler gewesen sein.

Hermes Trismegistos verschmolz auch mit dem dritten Hermes, der nach der Sintflut in Memphis geboren wurde und ein hervorragender Arzt war und große Reisen unternahm. Er war einer der sieben Tempeldiener und erhielt den Planeten des Otjarid, also des Merkur, zur Aufsicht.

Thot ist auch der Urheber der sogenannten hermetischen Alphabete. Ibn Wahschiya, der die Pharaonen von Ägypten als „hermetische“ bezeichnet, erwähnt einen hermetischen Pharao Kimas, der zweihundert astronomische, physikalische und botanisch -mineralogische Werke geschrieben haben soll. Er bringt auch ein Alphabet der ersten Dynastie der ägyptischen Pharaonen vor, von denen er behauptet, jeder von einen haben ein besonderes Geheimalphabet besessen, das nach den hermetischen Gesetzen aufgebaut war.

Ibn Matran erwähnt ein Buch des Hermes über die Strahlenprojektion der Planeten und über einen Goldstab, d.h. einen Stab (Hermesstab und Akh), der den Augen Leben einflößt und Schlafende zu erwecken vermochte. Hermes soll auch über die erhauchte Kunst, d.h. die Alchemie geschrieben haben. In der Bibliothek von Kairo gibt es zudem ein arabisches Buch über koptische Monatsnamen, als dessen Verfasser Hermes genannt wird. Auch das medizinische Werk des Papyrus Ebers soll auf ein Buch des Hermes zurückgehen.