Großzügigkeit bzw. Großherzigkeit

Großzügigkeit bzw. Großherzigkeit ist der Gegenpart von Habgier bzw. Geiz. Der Habgierige/Geizige hält alles krampfhaft fest, was er sich angeeignet hat: sein Geld, seine Wertgegenstände usw. und er geizig in allem, was er gibt – ob Geld, Zeit oder Liebe. Der Großzügige bzw. Großherzige hingegen gibt gerne von dem ab, was er selbst hat. Es macht ihm Freude zu teilen und zu geben – ganz gleich ob Geld, Zeit oder Liebe. In den Augen des Habgierigen/Geizigen ist er ein Verschwender bzw. gutmütiger Lapp, der sich von anderen ausnutzen lässt.

Was der Habgierige/Geizige nicht weiß ist, dass der Großzügige/Großherzige gerne gibt. Er freut sich für und mit demjenigen, dem er etwas schenkt, wenn er dessen strahlenden Augen und Freude über das Geschenk sieht. Denn häufig schenkt der Großzügige bzw. Großherzige dann, wenn es der andere nicht erwartet, wie dies beispielsweise zu Weihnachten oder zum Geburtstag der Fall ist. Zudem schenkt er oft mehr und anders als dies üblich ist und überrascht dadurch seine Mitmenschen noch mehr. So erlebt der andere die Großzügigkeit/Großherzigkeit seines Mitmenschen zumeist als einen Akt der besonderen Wertschätzung. Diese gemeinsame Freude, die beide durch den Akt der Großzügigkeit/Großherzigkeit erleben, ist verbunden mit einem Gefühl von Liebe für beide. Sie macht die Herzen der Beteiligten groß, weit und warm. Daher der Name Großherzigkeit.

Der Habgierige/Geizige dagegen gönnt keinem anderen etwas von seinem Besitz oder von seiner Liebe. Dadurch verengt sich sein Herz ganz enorm, so dass nichts mehr aus ihm kommt oder in es gelangt. Sein Herz ist praktisch zu. So kann er weder Freude geben noch empfangen. Die Liebe zwischen ihm und dem anderen kann nicht fließen und weder dessen noch sein Herz und seine Seele erfreuen. So ist es im Herzen des Habgierigen/Geizigen immer kalt und eng und die Herzen, die er hinterlässt, sind ebenfalls kalt und eng.

Großzügigkeit bzw. Großherzigkeit in einem Menschen (und seinem SGW) ist immer ein Zeichen dafür, dass dieser Mensch im Bewusstsein der Großzügigkeit und Großherzigkeit ist, mit der ihn Gott AMA permanent beschenkt. SEINE Geschenke sind dieses Leben, die Freude am Leben, die Gesundheit, liebe Menschen, mit denen man durchs Leben geht, sich täglich satt essen zu können, die Schönheit der Natur sehen zu dürfen usw. Dies alles sieht der Großzügige bzw. Großherzige, erfreut sich täglich daran und empfindet es als Liebe Gottes.

Auf Sanskrit wird Großzügigkeit bzw. Großherzigkeit „Mahatmya“ genannt. „Mahatmya“ bedeutet auch Würde, Größe, Erhabenheit, eine hohe göttliche Wesenheit, Hochsinn und Macht. „Mahatmya“ ist daneben ein Wort des Lobpreises der Größe, der Majestät und Taten Gottes, Seiner spirituellen Meister und Engel. Es hat eine sehr hohe, edle und feine Schwingung.

So ist es nicht verwunderlich, dass eine große, göttliche Seele „Mahatma“ genannt wird, was wörtlich „die Großherzige“ heißt. Jeder spirituelle Meister ist ein „Mahatma“. Auch ein göttlicher Mitarbeiter sollte in gewissem Maße ein „Mahatma“ sein, um seinen göttlichen Auftrag ausführen zu können. Er sollte allen Mängeln und Missständen zum Trotz, denen er täglich begegnet, großherzig, neutral und erhaben begegnen.

„Mahatma“ ist letztendlich das höchste göttliche Selbst im Wesen, sein göttlicher Geist bzw. Gotteslichtfunken, das absolut reinen und edlen Charakter hat. Wer als „Mahatma“ bezeichnet wird ist hochherzig, edel und weise, aber auch überaus klug und hochbegabt. Er ist eine mächtige und vornehme Seele, die auf der ganzen Welt zu Hause ist. Auch weise, reife Seelen können den Titel „Mahatma“ erhalten, wie z.B. Mahatma Ghandi, der Ausdruck der Großherzigkeit war.

Spirituelle Lehrer werden oft mit „Mahatma“ angeredet, was ein Zeichen des Respekts und der Ehrerbietung des Schülers ihm gegenüber ist. Nach dem Untergang von Atlantis war es selbstverständlich, dass jeder spirituelle Lehrer und Führer „Mahatma“ genannt wurde. Vor dem Untergang von Atlantis hießen diese „Naftata“.

Gott AMA ist in seiner Dreifaltigkeit dreimal „Mahatma“, d.h. der Großherzige. Die erste von „Mahatma“ abgewandelte Form „Mahat“ ist ein Name für den Gott Shiva und bezeichnet seine großherzige, gewaltige Zerstörungskraft und seinen kosmischen Willen, der über allem-was-ist steht. Shiva ist großherzig und majestätisch zugleich.

Als zweiter „Mahato Mahiyan“, d.h. „größer als das Größte“ wird der Gott Brahman, der Schöpfer-Aspekt von Gott AMA, bezeichnet. Er ist größer als alles Geschaffene. Gleichzeitig ist er aber auch kleiner als das Kleinste, denn als Schöpfer von allem-was-ist ist Gott Brahman die Steigerung bzw. Auflösung jeder Polarität.

Der Gott Vishnu, der Erhalter-Aspekt Gottes, wird als dritter „Mahavira“ genannt, der große „Sieger“ bzw. der große „Held“. Denn Heldenmut ist eine wichtige Grundlage für Großherzigkeit und Würde im Herzen.

Wer großherzig ist, ist von einem großen Herzen, d.h. sein Herz-Chakra und seine Flamme der Gottesliebe sind besonders groß und weit offen, ohne sich jedoch mit der polaren 3D-Welt emotional zu verstricken. Ein großherziges Wesen ist großmütig, großzügig und vergebend und sieht über die kleineren Schwächen seiner Mitmenschen neutralen Herzens hinweg. Großherzigkeit entsteht aus der Liebe zu allem-was-ist und dem Bewusstsein der göttlichen Weisheit, dass alles eins in Gott AMA ist. Großherzigkeit sieht hinter allem das göttliche Gute, ohne in die polare Wertung von Hass oder Gier abzufallen.

Die Tugend der Großherzigkeit ist in Form von Großmut eine wichtige „Seelengröße“, denn sie erhöht die Würde und Schwingung der Seele. Reife göttliche Wesen sind in der Regel großherzig, da sie nicht mehr an der Materie verhaftet sind. Sie sind erhaben und rein. Die Tugend der Großherzigkeit erhöht diese Wesen über alles Niedere, Dunkle und Ungerechte, so dass sie von diesen nicht mehr beeinflusst werden können.

Großherzigkeit bedeutet auch eine Erhabenheit und Weisheit im Charakter und den Handlungen zu haben. Ein großherziges Wesen reagiert neutral angesichts von Glück und Unglück und ist in seiner inneren Seelenmitte ruhig und stabil, was auch geschieht. Es vertraut auf die göttliche Führung und gibt gerne die persönliche Ego-Bequemlichkeit und Sicherheit auf, um göttliche, sinnvolle Ziele zu erreichen und göttliche Aufträge umzusetzen. Ein großherziges Wesen lehnt alle Ungerechtigkeit und Gemeinheit ab und ist begeistert für gute Taten der göttlichen Liebe und des Friedens. Es kann weder Rache empfinden noch neidisch, geizig oder kleinkrämerisch sein, da sein Herz weit offen für den Strahl der göttlichen Liebe und Barmherzigkeit ist.

Ein großherziges Wesen ist in seiner ganzen Empfindung erhaben. Es ist mutig, selbstlos und edelmütig. Es verschmäht die vergängliche Pracht und Herrlichkeit des Egos und hat sich über die niedere 3D-Welt erhoben. In seinem Herzen brennt kraftvoll die Tugend der Großherzigkeit, die seinen Geist mächtig und seine Seele edelmütig werden lässt, so dass es Großartiges in seinen Inkarnationen erreichen kann, wenn es dem Willen Gottes folgt. Ein solches Wesen ist nicht nur großherzig, sondern ritterlich, hochherzig und großzügig und von einer edlen Seelen-Gesinnung. Es ist vom Licht der göttlichen Wahrheit und des Friedens Gottes erfüllt.

Die Tugend der Großherzigkeit bedeutet, aus freiem Herzen dem göttlichen Willen Gottes zu folgen und seinen göttlichen Lebensplan oder Auftrag mit Entschlossenheit umzusetzen und Gutes zu tun. Dadurch wird im Wesen die „generositas“ gestärkt, d.h. der Seelen-Adel bzw. die Seelengröße. Großherzigkeit ist letztendlich eine Tugend des Schenkens – von Dingen oder von sich selbst. Die Philosophie des Gebens ist dabei ein wichtiger Teil der Großherzigkeit. Denn das Ego möchte erwerben, besitzen und sich selbst nähren. Der göttliche Geist dagegen möchte nichts festhalten und von sich und von all dem, was es beherrscht bzw. besitzt, geben, um andere Wesen mit seiner Weisheit zu erfüllen. Der Großherzige will also sich selbst schenken, um seine Liebe zu Gott mit anderen Menschen zu teilen.

Ein großherziges Wesen hat ein großes Herz, das nicht nur die gesamte Menschheit mit einschließt, sondern auch alle Geschöpfe, Tiere, Pflanzen, Steine, Planeten, Sonnen und Galaxien im Universum. Ein großherziges Wesen trägt in sich eine stark brennende Liebe zu allem Göttlichen. So ist es um das Wohlergehen von allem-was-ist besorgt und möchte, dass es allem gut geht. Wahre Großherzigkeit ist also eng mit göttlicher Liebe verbunden. Ein großherziges Wesen ist ein Mensch, dessen Herz frei von allen persönlichen Ego-Zielen und Wünschen ist, aber offen für Gott AMA und die gesamte Schöpfung, so dass es eins mit den Herzen von allem-was-ist ist.

Großherzigkeit bedeutet auch, uneigennützig etwas von sich selbst zu geben, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. Im kommenden neuen göttlichen Zeitalter werden immer mehr Menschen ehrenamtlich für das Wohl der Gemeinschaft tätig sein, was ein Zeichen der wachsenden Tugend der Großherzigkeit ist. Jeder Mensch kann großherzig sein, denn in jedem schlummert unendlich vieles, was man geben kann. Man muss nur die Art und Weise entdecken, wie man es geben kann.

Die Tugend der Großzügigkeit bzw. Großherzigkeit hebt das Wesen und seine Schwingung in die höheren göttlichen Dimensionen an, wo die Tugend der Großherzigkeit noch präsenter ist. Sie hebt das Wesen letztendlich zu seinem wahren göttlichen Geist in Gott AMA an. Auf diese Weise wird es frei von seinem kleinen Ego, das es in der Knausrigkeit und Engstirnigkeit festhalten möchte. So kann das Wesen aus der Feigheit, Engherzigkeit, Raffgier, dem Egoismus und dem Geiz seines Egos aussteigen und frei von den Wurzeln des Übels werden.

Großherzigkeit hat verschiedene Gesichter. Sie ist mutig und heldenhaft wie der tapferste göttliche Held. Sie ist gerecht, mitfühlend, wohlwollend, erbarmend und nachsichtig. Vereint mit göttlicher Liebe und Sanftmut wird sie zu göttlicher Güte, einer der höchsten göttlichen Qualitäten.

In wem die Tugend der Großherzigkeit brennt, der verspürt die natürliche Neigung Gutes und Göttliches zu tun. Man möchte nichts anderes als freundlich, hilfsbereit und höflich zu allem sein, da man sich mit allem-was-ist in Liebe verbunden fühlt. Gleichzeitig ist der Großherzige Herr seiner Ego-Leidenschaften und Wurzeln des Übels, besonders der Gier, des Hasses und des Egoismus. Dabei ist er jedoch nicht weiß-polar und lebt in einer rosaroten Scheinwelt, sondern ist sich durchaus der Realität bewusst, ohne jedoch die göttliche Hoffnung und den Glauben an das Gute und Schöne zu verlieren. Ein großzügiges Wesen ist nicht besessen von der Angst um sein kleines Ego und seinen sterblichen physischen Körper. Kleinlichkeit und Egoismus haben über ihn keine Macht.

Bei der Tugend der Großherzigkeit kommt es im übrigen nicht auf die Größe der Gabe an, die man gibt, sondern auf das Herz. Im Markus-Evangelium 12,41-44 steht dazu ein gutes Beispiel geschrieben: Jesus steht vor dem Tempel und sieht, wie viele Reiche kommen und Geld in den Opferkasten werfen. Es kommt auch eine arme Witwe und wirft zwei kleine Münzen hinein. Jesus kommentiert: „Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten getan als alle anderen. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Ego-Überfluss hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt und die Liebe ihres Herzens.“

Auch wenn die Großherzigkeit noch nicht wirklich Liebe ist, ist sie doch eine Vorstufe davon. Sie entsteht bewusst aus dem Wunsch zu geben, zu teilen und eins mit anderen Menschen und Geschöpfen zu werden, um sich dadurch seiner eigenen Einheit wieder bewusst zu werden. Großherzigkeit transformiert alle ungerechten Verhältnisse und wird dadurch zur Tugend allen Zusammenlebens und aller Gemeinschaften. Sie lässt im Tun erfahren, was Liebe sein könnte. Sie lockt aus der Genügsamkeit des Egos und des normalen 3D-Lebens heraus und schafft ein Bewusstsein der Solidarität bzw. des Wir-Bewusstseins der 4. Dimension.

Die Tugend der Großherzigkeit ist eng verbunden mit tätiger Freigebigkeit und Großmut. „Der Großmütige ist weder kleinlich noch protzig, der Freigebige ist weder geizig noch verschwenderisch, beide sind immer großherzig.“ wie schon Aristoteles sagte. Dem Großherzigen geht es nicht darum, etwas zurückzubekommen. Er gibt nicht etwas aus Berechnung. Seine Großherzigkeit ist vielmehr spontan, dynamisch und kann im negativen Fall bis zur Selbstaufgabe gehen. Die Großherzigkeit führt das Wesen vom ängstlichen, selbst besessenen Haben und Klammern seines Egos zum freien, wahrhaft edlen göttlichen SGW-Sein. Der Blick auf die anderen Geschöpfe führt automatisch zu eigener Selbstachtung, sowie die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit durch die Hinwendung zum Nächsten zur Befreiung vom Ego, seinen Leidenschaften und seinen Wurzeln des Übels.

In wem noch keine Liebe brennt, der braucht die Tugend der Großherzigkeit ganz besonders, denn sie ist das Tor zur göttlichen Liebe. Die Großherzigkeit entsteht also notwendigerweise dort, wo Liebe fehlt, auch wenn sie nicht wirklich fehlt, da man durch die Großherzigkeit bereits die Grundlage der Liebe legt. Im dunklen Zeitalter hat die Großherzigkeit zusammen mit anderen moralischen Werten die Liebe ersetzt. Sie ist jedoch von allen die vornehmste und edelste, weil sie durch die Freude am Wohltun für andere das eigene Herz öffnet und dadurch den Nährboden der Liebe in sich verankert. Die Großherzigkeit öffnet das enge Bewusstsein das Menschen auf das Bewusstsein seiner Mitmenschen und hebt sie zu ihrem göttlichen Selbst empor, indem sie ihm von seinem niederen Ego frei macht.

Wer großherzig ist, möchte lieben lernen, um auf diese Weise zurück in die Liebe Gottes kehren zu können. So lautet der Leitsatz des Großherzigen: „Tue Gutes und freue Dich daran!“ Der Großherzige fängt in der Regel mit der Höflichkeit an und hört mit der göttlichen Liebe auf. Das kennzeichnet seinen Wandel hin zum Bewusstseinsmeer der göttlichen Liebe.

Das einzige Bestreben des Großherzigen ist es, Gott AMA und allen Geschöpfen zu dienen. Der Großherzige möchte Großes geben, was der höchsten göttlichen Instanz und dem Wohl von allem-was-ist zu Nutzen ist. Theresia von Ávila rät deshalb, dem eigenen Streben keine Grenzen zu setzen; denn „Gott will und liebt beherzte Seelen, wenn sie nur in Demut wandeln und nicht auf sich selbst vertrauen (…). Ich staune darüber, wie viel es auf diesem Weg darauf ankommt, dass man sich zu großen Dingen ermutige. Hat die Seele auch noch nicht die Kräfte, sie sogleich auszuführen, so macht sie doch schon einen Flug und kommt weit voran, wenn sie auch, einem Vöglein gleich, das noch zu wenig flügge ist, müde wird und ausruht.“ Daher der humorvolle Rat von ihr, auf der Suche nach einem spirituellen Lehrer darauf zu achten, „dass dieser keiner von jenen sei, die uns den langsamen Krötengang lehren“.

Großherzigkeit bedeutet, kleine Beleidigungen, wie sie einem im menschlichen Alltag oft widerfahren, rasch zu vergessen. Es heißt lächeln und anderen Menschen das Leben freundlicher gestalten, auch wenn Widerstände auftreten. Großherzigkeit; heißt über andere Menschen nicht zu streng zu urteilen, sondern ihnen verständnisvoll zu begegnen. Es heißt, weniger angenehme Pflichten bei der Arbeit und in der Gemeinschaft zu übernehmen. Es heißt andere so anzunehmen und zu lieben, wie sie sind, und sich nicht so sehr an ihren Schwächen aufzuhalten. Es heißt, auch einmal ein Lob auszusprechen, das einem anderen gut tut. Es heißt, einem Gespräch einen zuversichtlichen Grundton zu geben und sich bei Gelegenheit auch einmal entschuldigen. Es heißt überflüssige und häufig auch ungerechte Kritiken zu unterlassen. Es heißt uns selbst und unseren Mitmenschen das Tor zu den Bewusstseinsebenen der göttlichen Liebe zu öffnen.