Großzügigkeit bzw. Großherzigkeit ist der Gegenpart von Habgier bzw. Geiz. Der Habgierige/Geizige hält alles krampfhaft fest, was er sich angeeignet hat: sein Geld, seine Wertgegenstände usw. und er geizig in allem, was er gibt – ob Geld, Zeit oder Liebe. Der Großzügige bzw. Großherzige hingegen gibt gerne von dem ab, was er selbst hat. Es macht ihm Freude zu teilen und zu geben – ganz gleich ob Geld, Zeit oder Liebe. In den Augen des Habgierigen/Geizigen ist er ein Verschwender bzw. gutmütiger Lapp, der sich von anderen ausnutzen lässt.

Was der Habgierige/Geizige nicht weiß ist, dass der Großzügige/Großherzige gerne gibt. Er freut sich für und mit demjenigen, dem er etwas schenkt, wenn er dessen strahlenden Augen und Freude über das Geschenk sieht. Denn häufig schenkt der Großzügige bzw. Großherzige dann, wenn es der andere nicht erwartet, wie dies beispielsweise zu Weihnachten oder zum Geburtstag der Fall ist. Zudem schenkt er oft mehr und anders als dies üblich ist und überrascht dadurch seine Mitmenschen noch mehr. So erlebt der andere die Großzügigkeit/Großherzigkeit seines Mitmenschen zumeist als einen Akt der besonderen Wertschätzung. Diese gemeinsame Freude, die beide durch den Akt der Großzügigkeit/Großherzigkeit erleben, ist verbunden mit einem Gefühl von Liebe für beide. Sie macht die Herzen der Beteiligten groß, weit und warm. Daher der Name Großherzigkeit.

Der Habgierige/Geizige dagegen gönnt keinem anderen etwas von seinem Besitz oder von seiner Liebe. Dadurch verengt sich sein Herz ganz enorm, so dass nichts mehr aus ihm kommt oder in es gelangt. Sein Herz ist praktisch zu. So kann er weder Freude geben noch empfangen. Die Liebe zwischen ihm und dem anderen kann nicht fließen und weder dessen noch sein Herz und seine Seele erfreuen. So ist es im Herzen des Habgierigen/Geizigen immer kalt und eng und die Herzen, die er hinterlässt, sind ebenfalls kalt und eng.

Großzügigkeit bzw. Großherzigkeit in einem Menschen (und seinem SGW) ist immer ein Zeichen dafür, dass dieser Mensch im Bewusstsein der Großzügigkeit und Großherzigkeit ist, mit der ihn Gott AMA permanent beschenkt. SEINE Geschenke sind dieses Leben, die Freude am Leben, die Gesundheit, liebe Menschen, mit denen man durchs Leben geht, sich täglich satt essen zu können, die Schönheit der Natur sehen zu dürfen usw. Dies alles sieht der Großzügige bzw. Großherzige, erfreut sich täglich daran und empfindet es als Liebe Gottes.

Auf Sanskrit wird Großzügigkeit bzw. Großherzigkeit „Mahatmya“ genannt. „Mahatmya“ bedeutet auch Würde, Größe, Erhabenheit, eine hohe göttliche Wesenheit, Hochsinn und Macht. „Mahatmya“ ist daneben ein Wort des Lobpreises der Größe, der Majestät und Taten Gottes, Seiner spirituellen Meister und Engel. Es hat eine sehr hohe, edle und feine Schwingung.

So ist es nicht verwunderlich, dass eine große, göttliche Seele „Mahatma“ genannt wird, was wörtlich „die Großherzige“ heißt. Jeder spirituelle Meister ist ein „Mahatma“. Auch ein göttlicher Mitarbeiter sollte in gewissem Maße ein „Mahatma“ sein, um seinen göttlichen Auftrag ausführen zu können. Er sollte allen Mängeln und Missständen zum Trotz, denen er täglich begegnet, großherzig, neutral und erhaben begegnen.

„Mahatma“ ist letztendlich das höchste göttliche Selbst im Wesen, sein göttlicher Geist bzw. Gotteslichtfunken, das absolut reinen und edlen Charakter hat. Wer als „Mahatma“ bezeichnet wird ist hochherzig, edel und weise, aber auch überaus klug und hochbegabt. Er ist eine mächtige und vornehme Seele, die auf der ganzen Welt zu Hause ist. Auch weise, reife Seelen können den Titel „Mahatma“ erhalten, wie z.B. Mahatma Ghandi, der Ausdruck der Großherzigkeit war.

Spirituelle Lehrer werden oft mit „Mahatma“ angeredet, was ein Zeichen des Respekts und der Ehrerbietung des Schülers ihm gegenüber ist. Nach dem Untergang von Atlantis war es selbstverständlich, dass jeder spirituelle Lehrer und Führer „Mahatma“ genannt wurde. Vor dem Untergang von Atlantis hießen diese „Naftata“.

Gott AMA ist in seiner Dreifaltigkeit dreimal „Mahatma“, d.h. der Großherzige. Die erste von „Mahatma“ abgewandelte Form „Mahat“ ist ein Name für den Gott Shiva und bezeichnet seine großherzige, gewaltige Zerstörungskraft und seinen kosmischen Willen, der über allem-was-ist steht. Shiva ist großherzig und majestätisch zugleich.

Als zweiter „Mahato Mahiyan“, d.h. „größer als das Größte“ wird der Gott Brahman, der Schöpfer-Aspekt von Gott AMA, bezeichnet. Er ist größer als alles Geschaffene. Gleichzeitig ist er aber auch kleiner als das Kleinste, denn als Schöpfer von allem-was-ist ist Gott Brahman die Steigerung bzw. Auflösung jeder Polarität.

Der Gott Vishnu, der Erhalter-Aspekt Gottes, wird als dritter „Mahavira“ genannt, der große „Sieger“ bzw. der große „Held“. Denn Heldenmut ist eine wichtige Grundlage für Großherzigkeit und Würde im Herzen.

Wer großherzig ist, ist von einem großen Herzen, d.h. sein Herz-Chakra und seine Flamme der Gottesliebe sind besonders groß und weit offen, ohne sich jedoch mit der polaren 3D-Welt emotional zu verstricken. Ein großherziges Wesen ist großmütig, großzügig und vergebend und sieht über die kleineren Schwächen seiner Mitmenschen neutralen Herzens hinweg. Großherzigkeit entsteht aus der Liebe zu allem-was-ist und dem Bewusstsein der göttlichen Weisheit, dass alles eins in Gott AMA ist. Großherzigkeit sieht hinter allem das göttliche Gute, ohne in die polare Wertung von Hass oder Gier abzufallen.

Die Tugend der Großherzigkeit ist in Form von Großmut eine wichtige „Seelengröße“, denn sie erhöht die Würde und Schwingung der Seele. Reife göttliche Wesen sind in der Regel großherzig, da sie nicht mehr an der Materie verhaftet sind. Sie sind erhaben und rein. Die Tugend der Großherzigkeit erhöht diese Wesen über alles Niedere, Dunkle und Ungerechte, so dass sie von diesen nicht mehr beeinflusst werden können.

Großherzigkeit bedeutet auch eine Erhabenheit und Weisheit im Charakter und den Handlungen zu haben. Ein großherziges Wesen reagiert neutral angesichts von Glück und Unglück und ist in seiner inneren Seelenmitte ruhig und stabil, was auch geschieht. Es vertraut auf die göttliche Führung und gibt gerne die persönliche Ego-Bequemlichkeit und Sicherheit auf, um göttliche, sinnvolle Ziele zu erreichen und göttliche Aufträge umzusetzen. Ein großherziges Wesen lehnt alle Ungerechtigkeit und Gemeinheit ab und ist begeistert für gute Taten der göttlichen Liebe und des Friedens. Es kann weder Rache empfinden noch neidisch, geizig oder kleinkrämerisch sein, da sein Herz weit offen für den Strahl der göttlichen Liebe und Barmherzigkeit ist.

Ein großherziges Wesen ist in seiner ganzen Empfindung erhaben. Es ist mutig, selbstlos und edelmütig. Es verschmäht die vergängliche Pracht und Herrlichkeit des Egos und hat sich über die niedere 3D-Welt erhoben. In seinem Herzen brennt kraftvoll die Tugend der Großherzigkeit, die seinen Geist mächtig und seine Seele edelmütig werden lässt, so dass es Großartiges in seinen Inkarnationen erreichen kann, wenn es dem Willen Gottes folgt. Ein solches Wesen ist nicht nur großherzig, sondern ritterlich, hochherzig und großzügig und von einer edlen Seelen-Gesinnung. Es ist vom Licht der göttlichen Wahrheit und des Friedens Gottes erfüllt.

Die Tugend der Großherzigkeit bedeutet, aus freiem Herzen dem göttlichen Willen Gottes zu folgen und seinen göttlichen Lebensplan oder Auftrag mit Entschlossenheit umzusetzen und Gutes zu tun. Dadurch wird im Wesen die „generositas“ gestärkt, d.h. der Seelen-Adel bzw. die Seelengröße. Großherzigkeit ist letztendlich eine Tugend des Schenkens – von Dingen oder von sich selbst. Die Philosophie des Gebens ist dabei ein wichtiger Teil der Großherzigkeit. Denn das Ego möchte erwerben, besitzen und sich selbst nähren. Der göttliche Geist dagegen möchte nichts festhalten und von sich und von all dem, was es beherrscht bzw. besitzt, geben, um andere Wesen mit seiner Weisheit zu erfüllen. Der Großherzige will also sich selbst schenken, um seine Liebe zu Gott mit anderen Menschen zu teilen.

Ein großherziges Wesen hat ein großes Herz, das nicht nur die gesamte Menschheit mit einschließt, sondern auch alle Geschöpfe, Tiere, Pflanzen, Steine, Planeten, Sonnen und Galaxien im Universum. Ein großherziges Wesen trägt in sich eine stark brennende Liebe zu allem Göttlichen. So ist es um das Wohlergehen von allem-was-ist besorgt und möchte, dass es allem gut geht. Wahre Großherzigkeit ist also eng mit göttlicher Liebe verbunden. Ein großherziges Wesen ist ein Mensch, dessen Herz frei von allen persönlichen Ego-Zielen und Wünschen ist, aber offen für Gott AMA und die gesamte Schöpfung, so dass es eins mit den Herzen von allem-was-ist ist.

Großherzigkeit bedeutet auch, uneigennützig etwas von sich selbst zu geben, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. Im kommenden neuen göttlichen Zeitalter werden immer mehr Menschen ehrenamtlich für das Wohl der Gemeinschaft tätig sein, was ein Zeichen der wachsenden Tugend der Großherzigkeit ist. Jeder Mensch kann großherzig sein, denn in jedem schlummert unendlich vieles, was man geben kann. Man muss nur die Art und Weise entdecken, wie man es geben kann.

Die Tugend der Großzügigkeit bzw. Großherzigkeit hebt das Wesen und seine Schwingung in die höheren göttlichen Dimensionen an, wo die Tugend der Großherzigkeit noch präsenter ist. Sie hebt das Wesen letztendlich zu seinem wahren göttlichen Geist in Gott AMA an. Auf diese Weise wird es frei von seinem kleinen Ego, das es in der Knausrigkeit und Engstirnigkeit festhalten möchte. So kann das Wesen aus der Feigheit, Engherzigkeit, Raffgier, dem Egoismus und dem Geiz seines Egos aussteigen und frei von den Wurzeln des Übels werden.

Großherzigkeit hat verschiedene Gesichter. Sie ist mutig und heldenhaft wie der tapferste göttliche Held. Sie ist gerecht, mitfühlend, wohlwollend, erbarmend und nachsichtig. Vereint mit göttlicher Liebe und Sanftmut wird sie zu göttlicher Güte, einer der höchsten göttlichen Qualitäten.

In wem die Tugend der Großherzigkeit brennt, der verspürt die natürliche Neigung Gutes und Göttliches zu tun. Man möchte nichts anderes als freundlich, hilfsbereit und höflich zu allem sein, da man sich mit allem-was-ist in Liebe verbunden fühlt. Gleichzeitig ist der Großherzige Herr seiner Ego-Leidenschaften und Wurzeln des Übels, besonders der Gier, des Hasses und des Egoismus. Dabei ist er jedoch nicht weiß-polar und lebt in einer rosaroten Scheinwelt, sondern ist sich durchaus der Realität bewusst, ohne jedoch die göttliche Hoffnung und den Glauben an das Gute und Schöne zu verlieren. Ein großzügiges Wesen ist nicht besessen von der Angst um sein kleines Ego und seinen sterblichen physischen Körper. Kleinlichkeit und Egoismus haben über ihn keine Macht.

Bei der Tugend der Großherzigkeit kommt es im übrigen nicht auf die Größe der Gabe an, die man gibt, sondern auf das Herz. Im Markus-Evangelium 12,41-44 steht dazu ein gutes Beispiel geschrieben: Jesus steht vor dem Tempel und sieht, wie viele Reiche kommen und Geld in den Opferkasten werfen. Es kommt auch eine arme Witwe und wirft zwei kleine Münzen hinein. Jesus kommentiert: „Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten getan als alle anderen. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Ego-Überfluss hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt und die Liebe ihres Herzens.“

Auch wenn die Großherzigkeit noch nicht wirklich Liebe ist, ist sie doch eine Vorstufe davon. Sie entsteht bewusst aus dem Wunsch zu geben, zu teilen und eins mit anderen Menschen und Geschöpfen zu werden, um sich dadurch seiner eigenen Einheit wieder bewusst zu werden. Großherzigkeit transformiert alle ungerechten Verhältnisse und wird dadurch zur Tugend allen Zusammenlebens und aller Gemeinschaften. Sie lässt im Tun erfahren, was Liebe sein könnte. Sie lockt aus der Genügsamkeit des Egos und des normalen 3D-Lebens heraus und schafft ein Bewusstsein der Solidarität bzw. des Wir-Bewusstseins der 4. Dimension.

Die Tugend der Großherzigkeit ist eng verbunden mit tätiger Freigebigkeit und Großmut. „Der Großmütige ist weder kleinlich noch protzig, der Freigebige ist weder geizig noch verschwenderisch, beide sind immer großherzig.“ wie schon Aristoteles sagte. Dem Großherzigen geht es nicht darum, etwas zurückzubekommen. Er gibt nicht etwas aus Berechnung. Seine Großherzigkeit ist vielmehr spontan, dynamisch und kann im negativen Fall bis zur Selbstaufgabe gehen. Die Großherzigkeit führt das Wesen vom ängstlichen, selbst besessenen Haben und Klammern seines Egos zum freien, wahrhaft edlen göttlichen SGW-Sein. Der Blick auf die anderen Geschöpfe führt automatisch zu eigener Selbstachtung, sowie die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit durch die Hinwendung zum Nächsten zur Befreiung vom Ego, seinen Leidenschaften und seinen Wurzeln des Übels.

In wem noch keine Liebe brennt, der braucht die Tugend der Großherzigkeit ganz besonders, denn sie ist das Tor zur göttlichen Liebe. Die Großherzigkeit entsteht also notwendigerweise dort, wo Liebe fehlt, auch wenn sie nicht wirklich fehlt, da man durch die Großherzigkeit bereits die Grundlage der Liebe legt. Im dunklen Zeitalter hat die Großherzigkeit zusammen mit anderen moralischen Werten die Liebe ersetzt. Sie ist jedoch von allen die vornehmste und edelste, weil sie durch die Freude am Wohltun für andere das eigene Herz öffnet und dadurch den Nährboden der Liebe in sich verankert. Die Großherzigkeit öffnet das enge Bewusstsein das Menschen auf das Bewusstsein seiner Mitmenschen und hebt sie zu ihrem göttlichen Selbst empor, indem sie ihm von seinem niederen Ego frei macht.

Wer großherzig ist, möchte lieben lernen, um auf diese Weise zurück in die Liebe Gottes kehren zu können. So lautet der Leitsatz des Großherzigen: „Tue Gutes und freue Dich daran!“ Der Großherzige fängt in der Regel mit der Höflichkeit an und hört mit der göttlichen Liebe auf. Das kennzeichnet seinen Wandel hin zum Bewusstseinsmeer der göttlichen Liebe.

Das einzige Bestreben des Großherzigen ist es, Gott AMA und allen Geschöpfen zu dienen. Der Großherzige möchte Großes geben, was der höchsten göttlichen Instanz und dem Wohl von allem-was-ist zu Nutzen ist. Theresia von Ávila rät deshalb, dem eigenen Streben keine Grenzen zu setzen; denn „Gott will und liebt beherzte Seelen, wenn sie nur in Demut wandeln und nicht auf sich selbst vertrauen (…). Ich staune darüber, wie viel es auf diesem Weg darauf ankommt, dass man sich zu großen Dingen ermutige. Hat die Seele auch noch nicht die Kräfte, sie sogleich auszuführen, so macht sie doch schon einen Flug und kommt weit voran, wenn sie auch, einem Vöglein gleich, das noch zu wenig flügge ist, müde wird und ausruht.“ Daher der humorvolle Rat von ihr, auf der Suche nach einem spirituellen Lehrer darauf zu achten, „dass dieser keiner von jenen sei, die uns den langsamen Krötengang lehren“.

Großherzigkeit bedeutet, kleine Beleidigungen, wie sie einem im menschlichen Alltag oft widerfahren, rasch zu vergessen. Es heißt lächeln und anderen Menschen das Leben freundlicher gestalten, auch wenn Widerstände auftreten. Großherzigkeit; heißt über andere Menschen nicht zu streng zu urteilen, sondern ihnen verständnisvoll zu begegnen. Es heißt, weniger angenehme Pflichten bei der Arbeit und in der Gemeinschaft zu übernehmen. Es heißt andere so anzunehmen und zu lieben, wie sie sind, und sich nicht so sehr an ihren Schwächen aufzuhalten. Es heißt, auch einmal ein Lob auszusprechen, das einem anderen gut tut. Es heißt, einem Gespräch einen zuversichtlichen Grundton zu geben und sich bei Gelegenheit auch einmal entschuldigen. Es heißt überflüssige und häufig auch ungerechte Kritiken zu unterlassen. Es heißt uns selbst und unseren Mitmenschen das Tor zu den Bewusstseinsebenen der göttlichen Liebe zu öffnen.

Friedfertigkeit ist die Eigenschaft, die dazu beiträgt, dass ein Mensch oder eine Situation in Frieden kommt.

Friedfertigkeit beinhaltet Eigenschaften wie Verständnis, Toleranz, Nachsicht, Geduld, Hochherzigkeit, Behutsamkeit, Respekt, Eintracht, Harmonie, Milde, Gleichmut, Langmut, Gelassenheit, mit denen ein Mensch anderen Menschen begegnet bzw. mit denen er eine Situation behandelt.

Der Friedfertige hat ein „hohes“, barmherziges, mildes und mitfühlendes Herz, mit dem er agiert oder reagiert. Er wird von der Absicht geleitet, Frieden bei sich selbst und bei seinen Mitmenschen sowie in dieser Welt zu verbreiten, zu erhalten oder zu schaffen.

Im Gegensatz zum Friedfertigen hat der Egoist ein „niederes“, unnachgiebiges, enges und hartes Herz, mit dem agiert oder reagiert. Er wird von der Absicht geleitet, sich nur für sein Wohl und seinen Frieden einzusetzen, dafür zu kämpfen oder sogar Krieg zu führen. Das Wohl und der Frieden der anderen bzw. in dieser Welt ist ihm gleichgültig.

Während der Frieden ein Seins-Zustand ist, ist der Friedfertige ein Mensch, der den Frieden und den Friedenszustand „fertigen“, also schaffen möchte. Friedfertigkeit ist somit eine Eigenschaft eines Menschen, die er in sein Denken, Fühlen, Entscheiden und Handeln mit einfließen lässt. Der Mensch denkt friedfertig, fühlt friedfertig, entscheidet friedfertig und handelt friedfertig. Er ist in allem ein Friedfertiger.

Der Friedfertige kann einerseits ein Mensch sein, der von Natur aus die Eigenschaft der Friedfertigkeit mit in dieses Leben gebracht hat. Er kann aber auch ein Mensch sein, der in seinem Leben nicht immer friedfertig gewesen ist, irgendwann jedoch für sich erkannt hat, dass ein unfriedliches Leben nicht das ist, was ihm wohltut, und sich aufgrund dessen entschlossen hat, in die Friedfertigkeit zu wechseln. Er hat sein „niederes“ Herz in ein „hohes“ Herz anhoben, in dem er seine niederen Eigenschaften (Neid, Geiz, Intoleranz usw.) in hohe Eigenschaften gewandelt hat (Mitgefühl, Großherzigkeit, Toleranz usw.). Dadurch hat er eine neue Lebensqualität gefunden, die ihm wohltut und ihn zufrieden macht.

Der Friedfertige ist immer ein Mensch, der sich dem Frieden verschrieben hat und in den Strahl des göttlichen Friedens eingetreten ist. Der Friedfertige ist nicht zu verwechseln mit einem Friedensaktivisten oder Friedenskämpfer, der mit seinem weißen oder schwarzen Ego für Frieden demonstriert oder dafür kämpft. Der Friedfertige ist aus dem polaren Kampf um und für den Frieden ausgestiegen (oder nie in diesem gewesen).

Der Fokus des Friedfertigen ist auf den friedvollen Frieden ausgerichtet, den man auch als göttlichen Frieden bezeichnen kann, weil er nichts als Frieden will und dabei friedlich ans Werk geht. Es ist ein absolutes und ausschließliches „für den Frieden“ und kein „gegen etwas, das den Frieden gefährdet, wie es bei Friedensaktivisten und Friedenskämpfern der Fall ist, die immer gegen etwas demonstrieren oder kämpfen, z.B. gegen Atomkraft, gegen den Krieg in Syrien usw.

Der Friedfertige hat erkannt, dass alles „gegen Frieden“ nicht wirklich Frieden ist, sondern Unfrieden. Es ist wie ein Kampf des Unfriedens um Frieden. In den Herzen derer, die in diesen Kampf involviert sind, ist Unfrieden, Hass, Zorn usw. Im Herzen des Friedfertigen hingegen ist Frieden, Mitgefühl, emotionale Ausgeglichenheit usw. So steht der Friedfertige dem Unfriedlichen und Zornigen gegenüber, der seine dunklen und destruktiven Emotionen entladen möchte. Der Friedfertige hingegen ist ruhig und geduldig und sieht allem mit Gelassenheit entgegen.

Friedfertigkeit ist eine göttliche Tugend, die, wenn sie praktiziert wird, einen Zustand des Friedens ermöglicht. Indem der Mensch friedfertig denkt, fühlt, entscheidet und handelt, erschafft er sich und anderen einen Zustand des Friedens. Friedfertigkeit hat nichts mit Schwäche, Nachgiebigkeit, Feigheit oder fehlender Durchsetzungskraft zu tun. Wer den Weg der Friedfertigkeit geht, braucht eine große innere Selbstdisziplin und Stärke, um sich in einer unfriedlichen Welt friedfertig zu verhalten und sich von seinem Weg der Friedfertigkeit nicht abbringen zu lassen. Schwache oder feige Menschen könnten einen solchen Weg nicht durchhalten, das können nur solche, die eine innere Stärke und Kraft haben.

Somit ist Friedfertigkeit zwar eine milde Sache, aber zugleich auch eine starke. Die Stärke der Friedfertigkeit ist der Strahl des göttlichen Friedens, der sie nährt. Und so wie der Strahl des göttlichen Friedens die Friedfertigkeit nährt, nährt er den Friedfertigen, der mit der Eigenschaft der Friedfertigkeit durchs Leben geht. Die Stärke des Friedfertigen ist somit nicht seine eigene, sondern sie ist eine göttliche. Und das macht den Friedfertigen stärker als jeden anderen, denn die göttlichen Kräfte, die in ihn einfließen, sind die höchsten Kräfte in diesem Universum.

Wahrhafte Friedfertigkeit kommt immer aus dem Herzen und sie spielt sich auf der Herzebene ab. Sie ist eine barmherzige, warmherzige und großherzige Sache. Das Herz will „gern haben“ und nicht „recht haben“, wie es dem Ego zu eigen ist. So ist die Pseudo-Friedfertigkeit, die ein Egoist aus berechnenden Gründen (z.B. Imagepflege, wirtschaftliche oder politische Interessen usw.) praktiziert, eine reine Sache des Verstandes, in der das Herz keine Rolle spielt.

Damit Friedfertigkeit in einem egoistischen Menschen entstehen kann, braucht es eine Herzöffnung und eine Berührung des Herzens, damit der Herzfunke wieder angefacht wird und das Herz wieder zum Leben kommt. Friedfertigkeit ist keine rein theoretische Sache, sondern in sehr starkem Maße eine praktische. Natürlich muss ein Mensch das Wissen über Frieden und Friedfertigkeit haben, aber dann muss es im täglichen Leben praktiziert werden. Durch das praktische Leben der Friedfertigkeit werden die Ego-Eigenschaften und -Muster, die sich der Mensch über viele Jahre angeeignet hat, aufgeweicht, aufgelöst und in Frieden erlöst. Dann ist der Weg frei, dass die neuen friedfertigen Eigenschaften und -Muster im System Körper-Seele-Geist eingepflanzt und integriert werden können.

So wandelt sich der Mensch mit seinem SGW vom egoistischen, selbstsüchtigen Wesen hin zu einem friedfertigen und selbstlosen Wesen. Und indem sich der einzelne Mensch mit seinem SGW so wandelt, trägt er dazu bei, dass auch anderen Menschen davon inspiriert werden und ihm nachfolgen. Auf diese Weise vollzieht sich über Jahre gesehen ein gesellschaftlicher Wandel von einer egoistischen Gesellschaft hin zu einer friedfertigen Gesellschaft. Dies ist nichts anderes als ein Zeitalterwechsel: der Mensch ändert sich, die Gesellschaft ändert sich, der Planet ändert sich, viele Planeten ändern sich, das Universum ändert sich. Änderung im Mikrokosmos – Änderung im Makrokosmos. Der Ursprung der Änderung aber liegt weder im Mikrokosmos noch im Makrokosmos, sondern in Gott AMA selbst, der einen Zeitalterwechsel in SEINEM Universum beschlossen hat.

Damit sich eine Gesellschaft von einer egoistischen, selbstsüchtigen in eine friedfertige und selbstlose Gesellschaft wandeln kann, werden von der göttlichen Führung die entsprechenden Ereignisse und Entwicklungen in die Wege geleitet und inszeniert. Man muss sich hierzu nur die aktuelle Lage auf unserem Planeten Erde anschauen: beispielsweise die Auflehnung der Ärmsten der Armen, die nun die wohlhabenden Länder stürmen oder die Flüchtlingsströme derer, die aus Kriegsgebieten in die friedlichen Länder flüchten.

All jene Länder auf dem Planeten Erde, auf denen Frieden herrscht und deren Bevölkerung Arbeit, Geld, Güter und ausreichend zu essen, dazu Bildungsmöglichkeiten und ein demokratisches System haben, sind heute wie das gelobte Land, in das all die streben, die dies nicht haben. Doch oft sind die viel gelobten Länder gar nicht so friedfertig wie es den Anschein hat. Jetzt zeigt sich, wer in der Gesellschaft wirklich friedfertig ist und wer nicht.

All jene, die in dieser Situation auch nur irgendwie denken: „Weg mit den Flüchtlingen, weg mit Asylanten. Wir möchten sie hier nicht haben. Und ich möchte schon gar nicht, dass sie neben mir wohnen, usw.“, sind nicht wahrhaft friedfertig. Da ist noch allerlei Unfrieden und auch Nichtliebe/Hass in ihnen.

Indem wir erkennen, dass dieses gesamte Flüchtlingsproblem nicht ein Zufall ist, sondern eine Inszenierung der göttlichen Führung für den Einzug eines neuen Zeitalters auf dem Planeten Erde (wie im gesamten Universum), sehen wir die aktuelle Situation als eine große Chance für uns, uns zu wandeln, vom Egoisten, der alles für sich beansprucht, andere als Feinde sieht und nicht teilen möchte, hin zum Altruisten, der bereit ist zu teilen, den anderen anzunehmen als seinen Bruder/seine Schwester, und ihm großzügig zu helfen. Dies ist ein wahrhaft friedfertiges Handeln.

Jetzt wird sich die Gesellschaft spalten – in die, die in der aktuellen Flüchtlingssituation mit Gemeinheiten und Gewalt reagieren, Flüchtlinge bedrohen, ihre Häuser anzünden, sie sogar umbringen, und in die, die diese armen Kreaturen mitfühlend annehmen, ihnen helfen und sie beschützen. Sie tun dies auch auf die Gefahr hin, dass die anderen sie dafür bedrohen und ihnen womöglich Gewalt antun. Die derzeitige Entwicklung in der Gesellschaft trennt die Spreu vom Weizen, d.h. sie trennt die Egoisten, die kein Herz haben, von den Friedfertigen, deren Herz jetzt zum Tragen kommt.

Im Zeitalterwechsel haben sich immer die Gesellschaften gespalten. Die, die beim alten Kurs geblieben sind, sind mit diesem untergegangen. Die, sich dem neuen Kurs zugewandt haben, sind mit diesem in ein neues Zeitalter gegangen. Eine Maxime im neuen Zeitalter ist der Frieden, die Friedfertigkeit, die Zufriedenheit, das Friedensherz, das in der Brust der Menschen (und ihrer SGWs) schlägt und die Herzensliebe, die das Zusammenleben aller Wesen ermöglicht. Diese Herzensliebe lässt erkennen, dass wir alle Geschöpfe Gottes sind, Brüder und Schwestern in Gott AMA. Das Band der Herzensliebe vereint uns alle und jeder wird sich für jeden anderen einsetzen und ihm dabei helfen, dass er ein würdiges Leben führen kann.

Ein solcher, gemeinsamer Lebensstil in Frieden und Liebe ermöglicht es, dass das Leben auf dem Planeten Erde zukünftig ganz anders ausschauen wird. Anstatt sich mit Rivalitäten und Egospielen aufzureiben und seine Kraft und Zeit zu vergeuden, kann man sich mit den essentiellen Dingen befassen: dem Anheben seiner Schwingung und Frequenz, der Erweiterung seines Bewusstseins, der Wandlung vom niederen Menschen/SGW hin zum hohen Menschen/SGW und all den weiteren Dingen, die notwendig sind, um seinen Inkarnationszyklus zu vollenden und in Gott AMA aufzusteigen. Dies ist dann das Ende seines Universumsspiels und es tritt ein in einen Zustand immerwährender Glückseligkeit, in dem es mit allem-was-ist vereinigt ist und ein Licht im Lichtermeer Gottes ist, das ewiglich für IHN brennt.

Der Ausstieg aus dem Dunklen Zeitalter des Egoismus beginnt damit, dass das Wesen Frieden herstellt, Frieden in sich selbst, Frieden mit anderen, Frieden mit dieser Welt, Frieden mit Gott. Es stellt aber auch Frieden mit seinem Ego und Super-Ego her, von dem es so lange beherrscht worden ist. Indem es Frieden mit seinem eigenen Ego und Super-Ego herstellt, kann dieses sterben und in Frieden „begraben“ werden. Dann kann das Wesen den „Pfad der Friedfertigkeit“ beschreiten und alle Tugenden der Friedfertigkeit, wie z.B. Toleranz, Verständnis, Mitgefühl usw., leben. Dadurch entwickelt sich seine Friedens-Natur, die es ihm ermöglicht, in die Liebe zu allem-was-ist einzutreten.

Der Mensch (und sein SGW) geht den „Pfad der Friedfertigkeit“ und wandelt auf diesem eine alte Eigenschaft bzw. ein altes Lebensmuster des Unfriedens in eine neue Eigenschaft bzw. ein neues Lebensmuster des Friedens. Er fertigt seinen eigenen Frieden wie einen Friedensmantel, den er wie eine Patchwork-Arbeit Stück für Stück aneinanderfügt. Wenn der Friedensmantel fertig ist, legt er ihn sich über und tritt in den göttlichen Frieden ein, von wo aus ihn dann sein Aufstiegsweg weiterführt in die göttliche Liebe. Auch hier wartet ein Pfad auf ihn, den es zu beschreiten gilt: den „Pfad der göttlichen Liebe“.

Friedfertigkeit heißt also, sich seinen eigenen Frieden anzufertigen, ihn wie einen Patchwork-Mantel Stück für Stück zum Wachsen zu bringen und ihn fertig zu stellen, damit er dann vom Wesen getragen werden kann.

Friedfertigkeit ist ein Begriff, hinter dem sich Entwicklung und Wachstum verbirgt, das Friedenswachstum des Menschen (und seines SGWs). Friedfertigkeit bedeutet aber auch Frieden zu praktizieren, ihn zu lernen, ihn zu verbessern, ihn zu optimieren, bis man am Ende ganz im göttlichen Frieden ist.

Auf Sanskrit bedeutet „Friedfertigkeit“ „Nirvaira“, was heißt „keine Feindschaft haben“ und in seinem ganzen Wesen und Handeln friedfertig sein. Das Gegenteil von „Nirvaira“ ist „Vairita“, die Feindschaft, die auf der Wurzel des Hasses/Dvesha und der Nicht-Liebe basiert.

Wer im Bewusstsein von „Nirvaira“ schwingt, ist friedlich, was auf Sanskrit „shavanta“ bedeutet und ist in seinem Inneren ruhig und neutral. Dieser persönliche Frieden kann sich zu „Sushanta“ steigern, einer ganz starken friedlichen Ruhe, die in einen meditativen Bewusstseinszustand überleitet, wo das Ego aufgegeben wird und man eins mit seinem SGW und Gott ist.

Dann ist der Mensch im Bewusstsein von „Shanti“, dem wahrhaftigen göttlichen Frieden und der göttlichen Stille, aufgegangen. Daraus ergibt sich ein dauerhafter Zustand von „Shama“, innerer Gleichmut, Ruhe und Neutralität. Hier haben die Leidenschaften des Egos keine Macht mehr über den Menschen und er ist in seinem ganzen Wesen gelassen und neutral. „Shama“ ist die erste Qualität der sechs heiligen Schätze des Geistes, welche auch „Shatkasampatti“ genannt werden. Sie sind die Grundlage für jegliche spirituelle Entwicklung und jede Ausbildung zum göttlichen Mitarbeiter und lauten:

  1. innere Gelassenheit, Friedfertigkeit und ruhiges neutrales Agieren mit seinem göttlichen Geist: Shama
  2. Herrschaft über die Sinnesorgane: Dama
  3. Erfüllung der eigenen irdischen, göttlichen und spirituellen Pflichten: Dharma
  4. Das geduldige Ertragen aller polaren Gegensätze und Prüfungen: Titikasha
  5. Glaube an Gott AMA: Shradhha
  6. Die Fähigkeit zur Zentrierung, Meditation und Vereinigung mit Gott AMA und Seinem Herzzentrum: Samadhana

Wenn das Wesen im Bewusstseinszustand der sechs Schätze und besonders von „Shanti“, dem göttlichen Frieden schwingt, kann es sich ganz Gott AMA, seinem spirituellen Meister und der göttlichen Führung hingeben. So entsteht aus dem eigenen Frieden eine tiefe, friedvolle Hingabe, die durch eine ruhige und gleichmäßige Beziehung zu Gott AMA und dem spirituellen Meister gekennzeichnet ist, ohne Zweifel, Schwankungen und Ängste. Dieser Frieden beruht auf der Erkenntnis, dass man nicht der sterbliche, irdische Körper ist, sondern ein unvergängliches göttliches Seele-Geist-Wesen, das ein Teil Gottes ist. Dieser wahre göttliche Frieden kann durch keine äußeren Einflüsse der Maya mehr gestört werden.

Barmherzigkeit ist das Gegenteil von Hartherzigkeit. Das eine ist eine Sache des Herzens, das andere eine Sache des Egoismus.

Auch der Egoistische bzw. Egomane hat ein Herz, aber es handelt sich dabei um ein Ego-Herz, in dem das Feuer der Selbstsucht, des Hochmuts, des Hasses, des Ehrgeiz und der Wut brennen und in dem nichts anderes vorhanden ist als Eiseskälte. Im Herzen des Barmherzigen hingegen brennt das Feuer der Selbstlosigkeit, der Nächstenliebe, der Demut, der Hingabe, des Friedens und der Herzenswärme für alles-was-ist.

Der Barmherzige lebt im Bewusstsein, dass wir alle Geschöpfe des EINEN, Gottes, sind. Es liegt ihm daher am Herzen, dass es uns allen gut geht, dass ein jeder zu essen und zu trinken hat, dass ein jeder ein Dach über dem Kopf hat, dass ein jeder ein menschenwürdiges Leben hat, dass ein jeder die Chance hat, sich im göttlichen Sinne und Plane zu entwickeln.

Das Mitgefühl des Barmherzigen richtet sich auf alle Wesen, auch auf Tiere, Pflanzen, ja sogar auf die Natur und Mutter Erde. Er sieht in allem die Schöpfung Gottes, die es zu hegen und zu pflegen und zu beschützen gilt.

Der hartherzige Egoist dagegen vermag nicht in allem die Schöpfung Gottes zu sehen. Für ihn existiert nur die Trennung und in dieser sieht  er in allen anderen den Rivalen oder gar den Feind. Rivalen und Feinde gilt es zu bekämpfen, auszuschalten, zu besiegen oder gar aus dem Weg zu räumen. Der Hartherzige muss daher lernen, wieder Mitgefühl mit anderen zu empfinden, indem er sich als nicht getrennt von anderen empfindet, sondern als Teil der großen Universums-, Menschen- bzw. Erden-Familie, der er zugehörig ist.

Dies kann auf verschiedene Weise geschehen: So kann beispielsweise ein Mensch, der in einem Kriegsland lebt, in ein Land fliehen, in dem Frieden herrscht. Dort erhält er Asyl. Als Asylant kann er nun erleben, dass ihm Bürger des Landes selbstlos helfen, damit er eine neue Existenz bekommt und in die Gesellschaft aufgenommen wird. Er kann aber auch erleben, dass genau das Gegenteil geschieht: nämlich, dass ihn rechtsradikal eingestellte Menschen ablehnen und mit Hass begegnen. Auf diese Weise kann der Asylant lernen, was Barmherzigkeit und Hartherzigkeit sind. Da ihm die barmherzige Einstellung seelisch wohl tut, ihm Zufriedenheit und Hoffnung gibt, wird er diese Lebensart als die richtige erkennen. Zugleich wird er aber auch erkennen, dass die hartherzige Einstellung ihn seelisch verletzt, ihn traurig, hoffnungslos und unzufrieden macht. So ist sein schweres Lebensschicksal keine „Strafe Gottes“, sondern eine entscheidende Lernlektion für ihn.

Aber nicht nur der Asylant darf lernen, sondern auch die, die ihm helfen, und ebenso die, die ihn ablehnen. Die einen dürfen sich in Barmherzigkeit üben, die anderen in Hartherzigkeit. Die einen dürfen erleben, wie sie mit ihrer Barmherzigkeit einen asylsuchenden Menschen etwas Gutes tun, wie er sich darüber freut, wie er wieder Hoffnung bekommt, wie er wieder aufblüht. Seine Freude über das, was sie ihm schenken, überträgt sich auf sie und erzeugt in ihrem Inneren ein wunderbares Gefühl von Wärme, Zufriedenheit und Freude. Die anderen hingegen, die den anderen verletzen, ihn demütigen und ihn abweisen, erkennen nicht, dass sie sich mit dieser Haltung selbst verletzen, demütigen und abweisen. Denn alles, was man einem anderen antut, kommt zu einem zurück. So lautet das kosmische Gesetz.

Mitgefühl mit einem Mitmenschen in Not zu haben, ihm mit Barmherzigkeit zu begegnen und etwas für ihn tun, ist ein Akt der Nächstenliebe – ganz gleich, ob es sich um einen „guten“ oder „schlechten“ Menschen handelt. Bei einem „guten“ Menschen ist es leicht, Mitgefühl zu haben und Barmherzigkeit zu üben. Bei einem „schlechten“ hingegen ist es schwer, Mitgefühl zu haben und Barmherzigkeit zu üben. Wer hier in seinem Inneren Widerstände empfindet einem „schlechten“ Menschen zu helfen, ist noch nicht in der wahren Barmherzigkeit. Alles ist eine Schöpfung Gottes, alle Wesen sind Geschöpfe Gottes – auch wenn sie „schlecht“ sind. Ein Akt der Barmherzigkeit geschieht unter dem Bewusstsein, dass man nicht dem anderen etwas Gutes tut, sondern, dass man Gott etwas Gutes tut, weil man erkannt hat, dass hinter jedem Wesen Gott steht. Das ist der eigentliche Lernprozess der damit verbunden ist: das Eintreten in die göttliche Barmherzigkeit, die frei ist von polarer Barmherzigkeit für die „Guten“ bzw. die „Schlechten“. Es ist nicht das Wesen, dem man Barmherzigkeit entgegenbringt, sondern Gott AMA als das Wesen, das Millionen, ja Milliarden von „Kostümen“ hat, die es trägt. Wenn wir meinen, einen „Guten“ oder „Schlechten“ zu sehen, einen „Klugen“ oder einen „Dummen“, einen „Armen“ oder „Reichen“, dann ist dies nur ein Kostüm von Gott AMA, der uns testen möchte, ob wir fähig sind, IHM bzw. SEINEM Kostüm Barmherzigkeit entgegenzubringen.

Der Weg der Barmherzigkeit führt zuerst in das Bewusstsein der Barmherzigkeit. Danach folgen viele praktische Erlebnisse in den polaren Bereichen der Barmherzigkeit, also „Licht“ und „Dunkel“. Wenn das Wesen sich immer mehr aus der polaren Barmherzigkeit löst und sich diese nach und nach auflöst, tritt es in den Strahl göttliche Barmherzigkeit und damit in den Seins-Zustand der Barmherzigkeit ein. Dann  richtet sich sein Fokus nicht mehr auf das Wesen, dem es Barmherzigkeit entgegenbringt, sondern es übt Barmherzigkeit, weil es ihm in Fleisch und Blut übergegangen ist. Es befindet sich dann im Bewusstsein, dass ihm überall Gott AMA in millionenfacher bzw. milliardenfacher  Verkleidung begegnet und es nichts anderes gibt als GOTT AMA in diesem Universum, der SEINE Geschöpfe durch sich selbst lehrt und prüft, damit sie reifen und erwachsen werden.

So wandelt sich polare Barmherzigkeit in göttliche Barmherzigkeit und alle Wesen in diesem Universum sind an diesem Prozess mitbeteiligt.

Barmherzigkeit heißt auf Sanskrit „Anugraha“, was Hilfe, Barmherzigkeit und Gnade bedeutet. „Anugraha“ ist eine der Eigenschaften Gottes und wird als göttlicher Segen betrachtet. Der Mensch kann nur durch „Anugraha“ Erlösung und wahre Glückseligkeit finden, weswegen er alles dafür tun sollte, um die Barmherzigkeit und Gnade Gottes zu erlangen. Dies geschieht dadurch, dass er die göttlichen Gesetze befolgt, sein Ego aufgibt und vor Gott in Demut in die Knie geht.

Barmherzigkeit heißt auch „Karuna“, was Mitgefühl, Erbarmen und Sanftheit bedeutet. Karuna ist in den Veden eine der vier Grundtugenden, die notwendig ist, damit der Mensch spirituelle Erleuchtung erlangt. Die anderen drei Tugenden sind: Liebe (Maitri), Frohsinn (Mudita) und Gleichmut (Upeksha). Ohne ihnen kann kein Herz in die Liebe Gottes eintreten und eins mit seinem Ursprung werden.

„Karunarasa“ ist die Essenz der Barmherzigkeit bzw. ihr innerstes Herz. Darin enthalten sind die Empfindungen der Großherzigkeit (Daya), der reinen göttlichen Liebe (Preman) und der göttlichen Gnade (Anugraha). Diese drei göttlichen Strahlen fließen in „Karunarasa“ zusammen und verdichten sich dort zur Flamme der Gottesliebe, die ein wahrhaft göttliches Wesen und einen göttlichen Mitarbeiter kennzeichnet.

Im Sufismus lautet der 98. Name Gottes „Ar-Rahiem“, „Der Barmherzige“. Keiner außer Gott erweist Seinen Dienern Barmherzigkeit und vergibt ihnen ihre Ego-Missetaten. So ist es nicht verwunderlich, dass 24 der 99 Namen Gottes einen direkten Bezug zu Seiner Barmherzigkeit haben und den Strahl der Barmherzigkeit in sich beinhalten.

Die Tugend der Barmherzigkeit ist die Grundlage für die Nächstenliebe. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, lautet das christliche Gebot. Diese Liebe darf nicht mit dem Ego eingefordert werden, weder von sich selbst noch von anderen Menschen, sondern muss aus einem reinen und freien Herzen kommen. Wie viele Erwartungen, Verpflichtungen und Forderungen aus diesem falsch verstandenen menschlichen Liebes- und Freundschafts-Gebot in der Vergangenheit entsprungen sind, zeigt das heutige dunkle Zeitalter, wo das Ego von allen anderen Egos um seines Ego willen geliebt werden willen und dies mit Nächstenliebe verwechselt. „Du musst mich lieben, denn das steht in der Bibel!“ sagt das Ego. Das göttliche SGW und der wahre göttliche Wert eines Menschen spielen hier keine Rolle mehr. Nächstenliebe wird zum Druckmittel für unechte Liebe.

Mit wahrer Nächstenliebe ist nicht diese leidenschaftliche, personifizierte Liebe eines Menschen gemeint, die sich auf Freunde, Verwandte oder Dinge bezieht, durch die man sich selbst bestätigt gefühlt oder angenommen werden möchte. Gemeint ist vielmehr ein grundlegendes Wohlwollen und Entgegenkommen anderen Menschen und Lebewesen gegenüber, in dem sie alle als Geschöpfe Gottes und Bewohner der Erde anerkannt werden, gleich, wie sehr oder wie wenig sie einem gegenüber wohlwollend sein mögen. In diesem Sinne sollten wir alle als unsere „Nächsten“ behandeln, wie fern sie uns auch stehen mögen. Dieses Bewusstsein der Nächstenliebe und Barmherzigkeit ist die Ordnung der göttlichen Liebe. Man erkennt, dass wir alle von Gott erschaffen worden sind und eines Tages zu IHM zurückkehren werden. Wir sind alle Brüder und Schwestern in IHM und miteinander verbunden. Wenn wir diesen Teil von uns schlecht behandeln, dann behandeln wir letztendlich auch uns selbst schlecht. Erst wenn wir alle Frieden gefunden haben, können wir zurück zu Gott kehren.

Die wahre göttliche Nächstenliebe zielt nicht auf eine persönliche, exklusive Beziehung zu einem anderen Menschen, um selbst in seiner Person respektiert oder aufgewertet zu werden, sondern um das Sprengen von persönlichen Ego-Grenzen. Nächstenliebe und Barmherzigkeit erfordern ein Mitgefühl für den Mitmenschen und ein Eingehen auf seine ganz besondere Art und Situation. Es geht darum, alle Menschen in ihrer körperlichen und seelischen Struktur zu achten und zu beachten – und ihnen beizustehen, wo immer ihre göttliche Würde bzw. ihre göttlichen Rechte als Geschöpf Gottes gefährdet sind.

Dieses Wir-Bewusstsein im Herzen eines Menschen ist an keine Religion oder Gruppierung gebunden. Seine enorme Kraft beruht auf der neutralen Sichtweise gegenüber unterschiedlichen Religionen, Nationen, Ethnien und Moralvorstellungen. Es geht um die Kern-Erkenntnis, dass jeder Mensch unabhängig davon ein gesundes, glückliches und zufriedenes Leben führen, sowie genügend zum Essen, ein Dach über dem Kopf und eine Familie haben möchte. Jeder Mensch hat dieselben Grundbedürfnisse wie Du, denn jeder Körper auf der Erde ist aus der selben Substanz gebaut worden und verfügt über dieselben Stärken, Schwächen und notwendigen Bedürfnisse. Genauso hat auch jede Seele dieselben Grundbedürfnisse, nämlich nach Liebe, Frieden und Licht. Selbst die anti-göttlichen Wesen streben am Ende nach nichts anderem, denn ohne den göttlichen Energiestrahlen der Liebe, des Friedens und des Lichts, die sie von den göttlichen Wesen abziehen und in negative Qualitäten umwandeln, könnten sie nicht überleben.

So ist jedes einzelne Geschöpf aufgerufen, Sorge für das Wohlergehen seiner Mitgeschöpfe zu tragen – seien es Menschen, Tiere, Pflanzen oder Steine -, ohne sich dabei jedoch emotional mit ihnen zu verstricken und Karma entstehen zu lassen. Dies ist für manche weißen Wesen nicht einfach und erfordert ein neutrales Herangehen an die Notsituation, um karmafrei zu bleiben.

Das göttliche Gebot der universellen Achtung jedes Lebewesens beinhaltet im Kern die Forderung, sich gemeinschaftlich für eine gesellschaftliche Ordnung sowie eine Ordnung unter den Menschen einzusetzen, in denen allen Geschöpfen das Recht auf ein Leben gemäß ihrer göttlichen Seelen-Struktur eingeräumt wird. Dies schließt gleichzeitig die Aufforderung mit ein, die eigenen Vorstellungen von einem „guten“ Leben so zu modifizieren und die eigenen Ego-Bestrebungen und Wünsche so einzuschränken, dass auch anderen Lebewesen der Raum für ein gutes Leben bleibt. Man sollte niemals auf Kosten anderer Geschöpfe leben, denn dies würde am Ende in Form von negativem Karma auf einen zurückfallen und einem mehr schaden als nützen.

Nächstenliebe darf nicht mit bevormundender Liebe verwechselt werden, wie sie häufig von Hilfsorganisationen ausgeübt wird, die anderen Nationen ihren westlichen 3D-Lebensstil aufzwingen wollen. Nächstenliebe wird immer dann zu einer Ego-Liebe, wenn sie festhält, dominiert oder bevormundet, wodurch sie auf Dauer leicht in Gleichgültigkeit, Ablehnung und Hass umschlagen kann.

Wahre Liebe bedeutet, den anderen so zu lassen, wie er ist und ihm einen Raum zur persönlichen Gestaltung seines eigenen Lebens zu geben. Damit verbunden ist das gleichmütige Gefallen der Entscheidungen des anderen – mögen sie gut oder schlecht sein – und die Freiheit, ihm seine eigenen Erfahrungen, Erfolge und Misserfolge zuzugestehen, ohne mit seinem Ego helfend eingreifen zu wollen. Jeder hat seinen ganz eigenen Lebensplan, den man nur bedingt verändern darf, ohne sich karmisch zu verstricken. In diesem Abstand von Eingreifen, der ein Abstand in der Leidenschaft des Egos ist, wird sichtbar, dass der geliebte Mensch zugleich ein anderer ist als der, den man liebt und dem man helfen möchte: er ist jemand, der sein eigenes Leben führt, das man mit vollem Bewusstsein annehmen kann.

Dieses neutrale, nicht von Liebe oder Hass verzehrte Wohlwollen bereitet den Boden der göttlichen Tugend der Barmherzigkeit. Dann verebbt die leidenschaftliche Ego-Liebe, die die Wesen in Zustände der Blindheit und des Wahns, der Schwäche und der Schutzlosigkeit getrieben hat und das Wesen erkennt die göttliche Wirklichkeit. Wo polare Ego-Liebe und Hass sich wandeln, wächst ein wirkliches Interesse an dem Mitgeschöpfen, weil sie einfach Geschöpfe Gottes sind, mit denen man „verwandt“ ist und die wir selbst als Teil von uns annehmen können, wie sie sind. Aus diesem Innehalten in der göttlichen Barmherzigkeit und Liebe ergibt sich die Fähigkeit der Achtung der göttlichen Geschöpfe und damit der Schöpfung und des Schöpfers selbst.

Barmherzigkeit hat alle viele Gesichter, darunter auch das Mitgefühl. Mitgefühl ist in seiner polaren Form Mitleid, Mitfreude, inklusive Mitwarten, Mitbangen, Mithoffen, Mittrauern, Mitzittern, Mitlachen, Mitweinen – und vieles andere mehr. Hierbei muss zwischen echtem und unechtem Mitgefühl unterschieden werden. Nicht selten kann Mitgefühl mit dem Ego in Form von falscher Freude und falschem Leid geheuchelt werden, um den anderen dazu zu zwingen, ebenfalls Mitgefühl zu zeigen und Energie an den Gegenüber zu schicken.

Die bedrohlichste Form von Ego-Mitgefühl zeigt sich in einer Besitznahme des Mitleides durch das Ego, d.h. wenn der von Mitgefühl erfüllte Mensch sich gleichsam an die Stelle desjenigen setzt, für den sie gilt. So wird aus Mitgefühl verdrehtes Mitleid. Das Ego glaubt dann, das Leiden des anderen oder dessen Liebe zu erleben und fühlt sich in seiner Verblendung berechtigt, das Leben des anderen in seine Hand zu nehmen. Dann macht sich eine Manipulation und Gleichgültigkeit innerhalb der fürsorglichen Zuwendung und Liebe breit. Die Macht der Anteilnahme trübt gleichzeitig das Gespür für das eigene Befinden. Auf diese Weise kann sowohl das göttliche SGW des Gegenüber als auch das eigene SGW durch das falsche Ego-Mitleid sogar erdrückt oder energetisch stark geschwächt werden.

Die Basis von Barmherzigkeit ist die Yama „Ahimsa“, die Gewaltlosigkeit, das Nichtverletzen und die Friedlichkeit. Die alten Weisen sagen dazu: „Ahimsa paramo dharmah“, d.h. Gewaltlosigkeit ist die höchste Tugend, denn durch sie erlischt jede Feindseligkeit im Menschen. Ohne Ahimsa ist keine göttliche Liebe im Herzen möglich.

Die Gegenspieler von Barmherzigkeit, Mitgefühl und Ahimsa sind die Wurzeln der Gier/Raga, der Verblendung/Avidya, des Hasses/Dvesha, sowie die Todsünden der Habgier, des Zorns und des Hochmuts.

Wenn Du auf Dein Leben zurückschaust, wirst Du wahrscheinlich eine große Zahl von Menschen verletzt  haben – sei es aus Unwissenheit, Müdigkeit, Unachtsamkeit oder manchmal auch aus reinem Ego-Willen. In dieser Erkenntnis kannst Du nun versuchen, die Gewaltbereitschaft des Egos in Dir durch bewusstes Verhalten einzudämmen und in göttliche Liebe zu wandeln.

Besonders die Transformation der Todsünde des Zorns, der auf Sanskrit „Krodha“ heißt, ist hier wichtig. „Krodha“ bedeutet auch Ärger, Missbilligung und Rache. Es ist das unreine Verlangen des Egos in Dir anderen Menschen und Lebewesen zu schaden und sie zu Fall zu bringen. Damit verbunden ist auch Ablehnung gegenüber den Menschen, die Dein Ego in seinen Augen verletzt, enttäuscht oder hintergangen haben oder die ein erfolgreicheres und besseres Leben führen.

Diese negative Kraft von „Krodha“ in Dir kann nur durch die Tugend der Barmherzigkeit, der Friedfertigkeit und der göttlichen Liebe überwunden werden. Die Yamas Ahimsa weist Dir den Weg dorthin. Es geht um das Schaffen einer friedvollen Basis für Dein eigenes Leben, von wo aus Du verständnisvoll anderen Geschöpfen begegnen kannst. Die Entwicklung einer friedvollen Beziehung zu anderen Menschen schafft gleichzeitig auch eine friedvolle Beziehung zu Dir selbst, so dass Du Dich selbst leichter lieben und annehmen kannst. Ahimsa lehrt Dich in letzter Konsequenz, dass alle Geschöpfe in ihrem Ur-Wesen und Ur-Streben gleich sind, auch wenn sie nicht voneinander wissen oder unterschiedliche Seelenfarben angenommen haben.

Auf diese Weise erkennst Du, dass Du nicht mit anderen Menschen kämpfen und sie zwanghaft verändern musst, sondern sie sein lassen kannst, wie sie sind, da sie so richtig sind, wie sie jetzt sind. Alles liegt in der Hand und Macht Gottes und SEINER Barmherzigkeit. Du kannst nichts anderes tun, als den Strahl Seiner Barmherzigkeit in Dich aufzunehmen und durch Dich fließen zu lassen und Dich in Demut Seiner Allmacht  hinzugeben, denn Sein Wille steht über allem-was-ist. ER entscheidet, wer göttlich wird und wer anti-göttlich wird, und nicht der einzelne Mensch. Er entscheidet, wer zu IHM zurückkehrt und wer nicht. Er entscheidet, wer IHN wann und wo findet.

Wie Gott AMA von sich selbst in den heiligen Schriften sagt: „Meine Barmherzigkeit ist größer als Mein Zorn. So sollte die Hoffnung Meiner Geschöpfe auf Meine Barmherzigkeit größer sein als auf meine Strafe.“ Stelle die Barmherzigkeit an die Position von Zorn und Angst in Deinem Leben und Du wirst göttlichen Frieden, wahre Liebe und Erlösung finden.

 

 

 

 

Es gibt nur eine einzige Gehorsamkeit und das ist die Gehorsamkeit des Wesens seinem Schöpfer und Herrscher gegenüber, also Gott AMA sowie SEINEM höchsten Mitarbeiterstab, d.h. SEINEN Engeln und spirituellen Meister.

Mit dem Geschenk des Lebens (des Inkarnationszyklus), das Gott AMA seinen Geschöpfen gemacht hat, hat ER ihnen eine Bestimmung zugewiesen und einen Auftrag erteilt. Kein Wesen ist per Zufall in diesem Universum. Es ist die zentrale Aufgabe jedes Wesens, diese göttliche Bestimmung bzw. diesen göttlichen Auftrag gehorsam auszuführen und niemals in der Ausführung nachzulassen oder sich gar davon abbringen zu lassen. Gehorsamkeit hat jedes Wesen auch in den von Gott AMA vorgegebenen göttlichen Gesetzen für dieses Universum zu befolgen. Kein Wesen ist befugt, die göttlichen Gesetze zu missachten und statt dessen eigene Gesetze aufzustellen.

Gehorsamkeit bedeutet Folgsamkeit, Fügsamkeit, Willigkeit, Demut, Hingabe, Ergebenheit und Bereitwilligkeit, den Auftrag und Willen Gottes in allem auszuführen – auch in jedem Inkarnations-Leben und in jeder Lebenssituation.

Gehorsamkeit ist mit der Bereitschaft verbunden, die Aufgabe und den Weg, den Gott AMA für jedes Wesen vorgesehen hat, zu erfüllen und dabei die göttlichen Gesetze zu beachten und zu befolgen. Gott AMA möchte, dass sich SEINE Geschöpfe entwickeln, IHM dienen, für IHN und SEIN Universum „Früchte“ sammeln. Dies ist nur möglich, wenn die Wesen ständig aktiv sind, sich entwickeln, verändern, wachsen und reifen. Dann sind sie im sogenannten göttlichen Fluss, der sie durch ihren Inkarnationszyklus bzw. ihren göttlichen Mitarbeiter-Zyklus trägt. Sie sind lebendig, fließend, sich ständig verändernd und wandelnd.

Im Gegensatz hierzu steht die Trägheit. Wenn ein Wesen in der Trägheit ist, ist es nicht bereit, sich zu entwickeln und zu verändern. Es ist passiv und starr. Trägheit ist gleichbedeutend mit Desinteresse, Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit, Bequemlichkeit, Tatenlosigkeit und Müßiggang. Träge Wesen sind nicht im göttlichen Fluss und daher auch nicht fließend und lebendig. Im Hinblick auf ihre ursprüngliche Bestimmung und ihren ursprünglichen göttlichen Auftrag von Gott AMA sind sie ungehorsam. Ungehorsamkeit Gott AMA gegenüber ist somit nicht ein Kavaliersdelikt, sondern eine Todsünde, die den „Tod“ des Gotteslichtfunkens und das Anderswerden des Wesens zur Folge hat.

Ein Wesen kann in seinem SGW träge sein, auch wenn es im Ego-Sinne aktiv sind, beispielsweise wenn es jeden Tag in die Arbeit geht, Verträge oder Konzepte ausarbeitet, schicke Kleider designed oder jeden Abend joggt. All diese Dinge haben mit der eigentlichen, göttlichen Bestimmung bzw. mit dem göttlichen Auftrag des Wesens überhaupt nichts zu tun.

Manche Wesen in L’Egoland mögen von sich sagen, dass sie doch gehorsam seien – ihren Eltern, ihren Lehrern, Arbeitgebern oder ihrem Partner gegenüber, aber auch den Staatsorganen und Gesetzen gegenüber. Dabei handelt es sich aber lediglich um den Gehorsam gegenüber Institutionen und Menschen, die eine führende Rolle in der Welt des Dunklen Zeitalters inne haben.

Diese Wesen mögen zwar im L’Egoland Sinne aktiv und gehorsam sein, im göttlichen Sinne jedoch sind sie ungehorsam und passiv, weil sie ihre eigentliche göttliche Bestimmung sowie ihren eigentlichen, ursprünglichen Auftrag von Gott AMA vergessen haben bzw. nicht ausführen. Sie fließen nicht im großen göttlichen Strom, sondern dümpeln in der Brühe des L’Egoland-Tümpels. Durch ihre Trägheit verhalten sie sich anti-göttlich, weil sie weder den Willen Gottes noch die Gesetze Gottes befolgen.

Mit seiner Geburt in dieses Universum hat jedes Wesen gegenüber Gott AMA, seinem Schöpfer, einen Eid geleistet, nämlich den Eid, IHM, Gott AMA, und Seinem Universum zu dienen und SEINE Gesetze zu befolgen. Dieser Eid ist die Lebensberechtigung jedes Wesens für dieses Universum. Es wurde zu keinem anderen Zweck geschaffen als zu diesem. Seine Lebensberechtigung besteht nicht darin, in diesem Universum herumzudümpeln, seinen Ego-Spaß und seine Ego-Befriedigung zu suchen und sich von den Verlockungen des Anti-Gottes in die Irre führen zu lassen.

Ein Wesen, das Gott AMA gegenüber gehorsam ist und SEINEN Willen und SEINE Gesetze befolgt, empfindet ein Gefühl von Stimmigkeit in seinem Leben. Seine göttliche Energie ist fließend, sein Leben ist fließend, seine Lebensfreude ist fließend, seine Liebe ist fließend, seine Fülle ist fließend, seine Zufriedenheit ist fließend. Es freut sich des Lebens und lässt sich gerne vom Fluss des Lebens vorantragen, voll im Vertrauen darauf, dass Gott es führt, behütet und beschützt.

Ein Wesen hingegen, das Gott AMA gegenüber ungehorsam ist und SEINEN Willen und SEINE Gesetze nicht befolgt, sondern missachtet, empfindet ein Gefühl von Unstimmigkeit, Disharmonie oder Unruhe in sich. Seine göttliche Energie ist blockiert, sein Leben ist blockiert, seine Lebensfreude ist blockiert, seine Liebe ist blockiert, seine Fülle ist blockiert, seine Zufriedenheit ist blockiert. Es empfindet häufig oder sogar dauerhaft Lebensunmut, Unzufriedenheit und Mangel.

Gehorsamkeit Gott AMA und allem Göttlichen gegenüber hat viele Gesichter. Ein gehorsames Wesen würde niemals ein anderes Wesen abwerten, schlecht behandeln, unterdrücken oder gar ausbeuten, weil dies gegen ein göttliches Gesetz verstoßen würde. Ebenso würde ein gehorsames Wesen niemals für Geld seine Seele verkaufen, weil es diese Seele als höchstes Gut von Gott AMA sieht, die nur IHM allein gehört. Weiterhin würde ein gehorsames Wesen seinen Schöpfer niemals verleugnen, nur weil es von seinen atheistischen Freunden dazu aufgefordert wird, da es in seinem Gehorsam treu zu Gott, seinen Schöpfer, steht.

In einer Dunklen Welt hingegen, wie der von L’Egoland, ist es an der Tagesordnung, andere Wesen abzuwerten, schlecht zu behandeln, zu unterdrücken oder gar auszubeuten. Ebenso verkaufen zahlreiche Wesen ihre Seele für Geld, Karriere, Besitz an den Anti-Gott oder verleugnen Gotte’s Existenz, nur weil sie „in“ sein wollen. Unzählige Wesen in E’Egoland leben in ständigem Ungehorsam gegen Gott AMA. Statt dessen gehorchen sie dem Anti-Gott und seinen Nebengöttern, beispielsweise dem Mammon oder einem Dämon. Diesen haben sie Gehorsam geschworen, um von ihnen Reichtum und Macht zu erhalten.

Für diese Ego-Wesen oder anti-göttliche-Wesen ist es üblich, dass sie den Willen ihres Egos und Super-Egos befolgen, und sich keinem anderen Willen, schon gar nicht dem Willen Gottes unterwerfen. Sie drücken damit, ohne dass es ihnen bewusst ist, den Anti-Gott, Luzifer, aus, der sich niemals dem Willen von Gott AMA unterwerfen wird, sondern darum kämpft, seinen eigenen Willen durchzusetzen und IHM zu beweisen, wie mächtig er ist. Gerade durch seinen Ungehorsam kam Luzifer zu Fall.

So hat der Anti-Gott im Dunklen Zeitalter in der L’Egoland-Welt all die Attribute auf eine „rote Liste“ gesetzt, die ihm selbst zutiefst widerstreben: Gehorsamkeit und Demut Gott AMA gegenüber, die Unterwerfung unter IHN, die Hingabe und Demut SEINEN Willen zu befolgen. Er hat dafür gesorgt, dass diese Attribute als Schwäche gelten, für die man in L’Egoland verachtet und ausgegrenzt wird. Dafür hat er Begriffe an ihre Stelle gesetzt wie: „Selbst ist der Mann“ oder: „Ich mache, was ich will!“ oder: „Ich unterwerfe mich niemandem!“ Wer nach diesem Motto lebt, gilt in L’Egoland etwas und erfährt Bewunderung.

Das Dunkle Zeitalter ist somit im göttlichen Sinne gesehen, ein Zeitalter der Ungehorsamkeit Gott AMA und allem Göttlichen gegenüber. Doch die Ungehorsamkeit ist tückisch, ja mehr noch, sie ist ein tödlicher Virus, der nach und nach die gesellschaftliche Ordnung ins Chaos und in die Anarchie stürzt. Denn die Ungehorsamkeit, die anfangs nur Gott AMA gegenüber praktiziert wurde, wird mit dem Ende des Dunklen Zeitalters das Reich des Anti-Gottes, L’Egoland, komplett erfasst haben.

Dann wird sich die Ungehorsamkeit gegen alles Göttliche und auch gegen alles Anti-Göttliche wenden, weil letztlich beide Systeme Gehorsam von ihren Anhängern verlangen, die Wesen aber nicht mehr bereit sind, irgendwelchen Göttern und ihren Gesetzen zu gehorchen: Die Kinder werden ihren Eltern nicht mehr gehorchen, die Bürger nicht mehr ihrem Staat, die Schüler nicht mehr ihren Lehrern usw. Bei genauer Betrachtung befindet sich L’Egoland auf dem Weg in eine Gesellschaft von Ungehorsamen, die keine Regeln mehr beachten, sondern das tun, was ihnen gefällt und passt und gegen die keiner mehr ankommt. Auch Moral und Sitten gelten in L’Egoland nichts mehr.

Ein interessantes Spiel für Gott AMA und die göttliche Führung dieses Universums! Dadurch können sie sehen,  wie sich die Wesen in einer solch anti-göttlichen Zeit, in der der Wille Gottes gegen den Ego-Willen ausgetauscht worden ist und in der keine göttlichen Gesetze mehr befolgt werden, verhalten, wie sie damit leben, wie es ihnen dabei geht usw. Daraus ergeben sich sehr viele, interessante Daten, die in die Universums-Datenbank eingespeist werden.

Für das neue Zeitalter werden die göttlichen Tugenden und Wurzeln des Göttlichen wieder eine zentrale Rolle spielen. Deshalb vollzieht sich in dieser Zeit des Übergangs bei den Wesen ein Wandel, die offen und bereit sind, in das neue Zeitalter zu wechseln. Sie anerkennen (wieder) die alleinige Führung von Gott AMA, sie wollen IHM und SEINER Schöpfung dienen, sie wollen SEINE göttlichen Gesetze beachten und sie wollen SEINEN göttlichen Willen befolgen. Sie haben erkannt, dass ihr Ego und ihre Ungehorsamkeit Gott AMA gegenüber sie nicht nicht zufrieden und glücklich macht. Sie wollen wieder eine göttliche Führung, die sie auf dem geraden Weg leitet, anstatt auf krummen Wegen wie es bei der anti-göttlichen Führung der Fall war. Sie sind bereit, ihr Ego und Super-Ego aufzugeben, um sich (wieder) der göttlichen Führung anzuvertrauen und sich ihr unterzuordnen.

Gehorsamkeit Gott und allem Göttlichen gegenüber entwickelt sich immer mehr zu einem Zeichen von Klugheit und Weisheit. Gott AMA und SEINEN höchsten göttlichen Mitarbeitern gegenüber gehorsam zu sein, ist eine kluge und weise Entscheidung. Es ist ein Zeichen der Anerkennung der höchsten göttlichen Macht und Kraft in diesem Universum. Man hat die Phase des Egoismus hinter sich gelassen, hat alles, was möglich ist, daraus gelernt und erkannt. Nun hat man das Klassenziel erreicht und kann auf seinem Inkarnationszyklus durch dieses Universum weitergehen. Nach der Zeit, in der Gott AMA keine oder keine große Rolle mehr gespielt hat, folgt nun die Zeit, da Gott AMA wieder eine zentrale Rolle spielt: die Liebe und Hingabe des Geschöpfes zu seinem Schöpfer, für den es in diesem Universum existiert und der sein Lebensinhalt ist. Gehorsamkeit hat es ganz am Anfang geschworen und Gehorsamkeit will es wieder üben, um IHM zu gefallen, IHM nahe zu sein und SEINE Liebe zu spüren.

Gehorsamkeit hat auf Sanskrit mehrere Bedeutungen. Eine der wichtigsten ist „vratya“, was „treu“ und „gehorsam“ bedeutet. „Vrata“ ist der göttliche Wille, das göttliche Gesetz und die göttlichen Gebote, die man gelobt zu befolgen. Wer „vratya“ ist, befolgt die göttlichen Prinzipien der Wahrheit und legt sich die göttlichen Verhaltensregeln auf, an die er sich treu hält. Ein Mensch, der „vratya“ ist, kann nicht träge sein, denn dann würde er in seinem ganzen Tun nachlässig werden und die göttlichen Gesetze nicht mehr einhalten. Er würde sich selbst und den göttlichen Prinzipien nicht mehr treu sein.

Eng mit „vratya“ verbunden ist „Anuvrata“, was „gehorsam“ und „ergeben“ bedeutet. Ein göttlicher Diener ist nicht nur gehorsam und treu, sondern auch ergeben. Er setzt alles um, was ihm sein spiritueller Meister und Gott AMA befehlen, unabhängig davon, ob es seinem eigenen Ego gefällt oder nicht. Aus „Anuvrata“ ergibt sich somit „Gurushrusha“, die „Ergebenheit und Gehorsamkeit gegen den spirituellen Lehrer“ und damit letztendlich auch gegen Gott AMA, dem spirituellen Meister und der göttlichen Führung.

Ein wahrhaft gehorsames Wesen ist nicht einer irdischen Instanz oder einem Ego-Götzen gehorsam, sondern nur Gott AMA und der göttlichen Führung. Nur hier kann es wahren göttlichen Gehorsam und Dienerschaft geben. Alles andere wäre eine verblendete Gehorsamkeit des Egos vor dem Anti-Gott und dessen Strukturen, um sich selbst zu bereichern. So ist es wichtig, dass man sich immer bewusst ist, wem man gehorsam ist und wem man Treue geschworen hat. Gerade im Dunklen Zeitalter von L’Egoland kann das angesichts der vielen Verlockungen und Götzen des Anti-Gottes nicht einfach sein, so dass man aufpassen muss, den rechten göttlichen Weg der Dienerschaft nicht zu verlassen.

Wer gehorsam ist, ist „apratikula“, d.h. „nicht widerspenstig mit seinem Ego, willig und umsetzend“. Ein gehorsamer Mensch folgt nicht mehr seinem eigenen Ego-Willen, der einmal in der Gier und einmal im Hass ist, einmal möchte und einmal nicht, sondern nur noch dem universellen Willen der göttlichen Führung. Er hat erkannt, dass es niemanden gibt, der allmächtiger als Gott AMA ist, weswegen es keinen Sinn hat, dass er sich mit dem kleinen, begrenzten Willen gegen dessen großen Willen stellt. Ein gehorsamer Mensch hat seinen eigenen Ego-Willen aufgegeben, um nur noch dem Willen Gottes zu dienen. Er ist somit „shrushti“, d.h. „willfähig“ und bereit in die Riege der göttlichen Mitarbeiter aufzusteigen, denn die oberste Eigenschaft die ein göttlicher Mitarbeiter aufweisen muss, ist Gehorsam gegen Gott AMA und Seinen Willen.

Ein gehorsames Wesen ist auch beharrlich und nicht wankend, was auf Sanskrit „Avichala“ bedeutet. Es folgt dem Willen Gottes und der göttlichen Führung – was auch im Außen geschieht! Es vertraut vollkommen darauf, dass der Wille Gottes immer richtig ist und es von IHM beschützt wird. Es weiß, dass dem so ist und hat keine Zweifel daran.

Die Tugend der Gehorsamkeit basiert auf der Niyamas „Tapas“, der Zielstrebigkeit und Selbstmeisterschaft. Spirituelle Praxis und Disziplin sind notwendig, um das eigene Ego zu bearbeiten und zu transformieren. Tapas umfasst die ernsthafte und beständige Arbeit an sich selbst und seinem Ego, das Handeln aus tugendhaften, edlen Motiven heraus, das Bereuen vergangener Ego-Missetaten und Fehler, feste Entschlossenheit den spirituellen Weg zu gehen, das innere Bestreben den Wurzeln des Göttlichen und den Tugenden zu folgen, Selbstkontrolle in jeder Situation und die Stärkung von Neutralität und Gleichmut angesichts der polaren Kräfte. Dadurch können alte Ego-Energien und altes Karma erkannt und erlöst werden, so dass die Seele nach und nach wieder rein und frei werden kann. Erst dieses vollständige Umsetzen von Tapas erzeugt dann die Tugend der Gehorsamkeit und ihre höheren göttlichen Eigenschaften, mit denen die Todsünde der Trägheit erlöst werden kann.

Die Todsünde der Trägheit hat auf Sanskrit verschiedene Namen. Sie ist „alasya“, d.h. träge und eitel, denn wer faul ist, ist mit seinem Ego gleichzeitig auch im Hochmut und der Ego-Selbstverliebtheit gefangen. Alles dreht sich nur noch um das Wohlergehen des eigenen Egos und Körpers. Ein solcher Mensch ist auch „mudha“, d.h. verwirrt, dumm und unwissend. Da sein Geist träge geworden ist, kann die göttliche Klarheit und Unverblendung nicht mehr richtig in diesen einfließen und das Bewusstsein trübt sich und verschlackt. Daraus entsteht die Guna „Tamas“, die Trägheit, die Dunkelheit, die Schläfrigkeit und Dumpfheit des niederen Egos und Körpers und beherrscht den Menschen. So sind die Todsünde der Trägheit und die Guna „Tamas“ eng miteinander verbunden. Wenn man das eine erlösen möchte, muss man auch das andere transformieren.

Ein träger Mensch kann nach außen durchaus aktiv erscheinen, doch wenn man in sein Inneres hineinschaut, stellt man bald fest, dass dies nur eine Fassade ist. Der Geist eines solchen Menschen ist träge, dumpf, starr und verblendet und seine Entscheidungsfähigkeit und seine Zielstrebigkeit sind eingeschränkt. Er mag zwar auf der irdischen Ebene herum wuseln und scheinbar viel tun, doch in Wirklichkeit tut er immer dasselbe und kommt auf seinem Weg nicht weiter. Sein Geist ist in einem bestimmten Bewusstseinszustand festgefahren und erstarrt.

Bei anderen Menschen zeigt sich die Trägheit in offensichtlicheren Formen. Ein solcher Mensch handelt nicht mehr, sondern ist „akarma“, d.h. tatenlos, faul und lebt ein müßiges Leben, wo er so wenig wie möglich tut. Göttliche Gehorsamkeit, Disziplin und Zielstrebigkeit bleiben auf der Strecke. Das Wesen treibt auf dem Strom des Lebens ziellos hin und her und hat seinen Kurs längst aus den Augen verloren. So kommt es am Ende oft in eine düstere Sackgasse, wo es nicht weitergeht und wo es sich nun auf die Hinterbeine stellen muss, um sein Leben wieder auf Kurs zu bringen und nicht sein göttliches Licht zu verlieren. Das Wesen muss aus „Tamoguna“, der Grundeigenschaft der Dunkelheit, der Dumpfheit und der Trägheit aussteigen, um wieder zu göttlichem Licht, Wachheit und Gehorsamkeit zu gelangen.

 

 

Bescheidenheit und ihr Gegenpart die Unersättlichkeit sind wie zwei Jungvögel in einem Nest. Ihre Mutter kommt mit Futter im Schnabel zum Nest. Der eine hält sich bescheiden im Hintergrund, der andere reißt seiner Mutter die dicksten Brocken aus dem Schnabel, verschlingt sie gierig und reißt schon wieder seinen Schnabel weit auf, wie einer, der kurz vor dem Verhungern ist. Der im Hintergrund, der Bescheidene, erhält zwar nur wenig Futter, ist aber mit dem zufrieden, was er bekommt.

Bescheidenheit ist verbunden mit Gierlosigkeit; Völlerei hingegen mit Gier. Der Bescheidene braucht nicht viel und ist mit wenig zufrieden; der, der der Völlerei ergeben ist, braucht viel und ist mit nichts zufrieden.

Bescheidenheit ist Bedürfnislosigkeit, Anspruchslosigkeit, Genügsamkeit, Mäßigkeit, Einfachheit, Wunschlosigkeit, Zufriedenheit. Völlerei ist Zügellosigkeit, Hemmungslosigkeit, Maßlosigkeit, Unersättlichkeit, Prasserei, Unzufriedenheit.

Völlerei ist wie im Beispiel des Vogels der ständig aufgerissene Schnabel, in dessen Schlund alles gierig verschwindet ohne dass ein Ende in Sicht wäre. Ein unersättlicher, schwarzer Schlund, dazu gierige Augen, ein geifender Schnabel und ein forderndes, aufdringliches Verhalten.

Bescheidenheit hingegen ist ein Gesicht, auf dem sich Zufriedenheit und Wunschlosigkeit ausdrücken. Der Mund ist geschlossen, weich und entspannt. Das Verhalten ist zurückhaltend und ohne jegliches Verlangen.

Völlerei entsteht dann, wenn ein Wesen permanent „hungrig“ ist und keinen Zustand der Sättigung und Zufriedenheit erreichen kann. Aus dieser Situation heraus entsteht die Gier, die wiederum zu einem maßlosen, hemmungslosen und zügellosen Verhalten führt. Es ist, als ob der von Völlerei Besessene kurz vor dem Verhungern ist und glaubt, durch immer mehr in sich hinein stopfen würde der ihn peinigende Hunger gestillt. Dabei begreift der Besessene aber nicht, dass es sich um keinen physischen Hunger handelt, sondern um einen Hunger nach göttlicher Nahrung, insbesondere nach der Liebe und dem Frieden.

Bescheidenheit drückt sich nicht nur auf dem Gesicht des Menschen, sondern auch in seinem Verhalten aus. Der Bescheidene ist zurückhaltend – er drängt sich nicht vor und macht sich nicht wichtig, wie es der Gierige und der Völlerei zugewandte Mensch tut. Die Ausstrahlung des Bescheidenen ist schlicht, einfach und angenehm. Der Gierige und Maßlose hingegen hat eine wuchtige, fordernde und unangenehme Ausstrahlung.

Die Genügsamkeit des Bescheidenen begründet sich darauf, dass er genug hat von all dem, was die Wesen sich wünschen oder gar fordern. Er ist nicht hungrig und gierig, sondern satt und daher frei von Gier oder Begierden. Bescheidenheit und Genügsamkeit kann sich auf Essen und Trinken beziehen, auf Kleidung, auf Geld, auf Vergnügungen, auf Karriere, aber auch auf Wissen. Ständige Gier auf neues Wissen oder neue Abwechslungen, sogenannte Neugierde, ist keine Wurzel des Göttlichen, sondern eine Wurzel des Übels.

Der Bescheidene ist weder neugierig noch desinteressiert an Neuem. Er giert weder nach dem einen noch ist dem anderen gegenüber gleichgültig eingestellt, sondern er handelt nach dem goldenen Mittelmaß. Der Gierige giert und ist damit in der einen Polarität; dem Trägen ist alles egal und damit ist er in der anderen Polarität. Der Bescheidene hingegen bewegt sich in der goldenen Mitte und nimmt all das, was sein übergeordneter Lebens- und Inkarnations-Plan bzw. seine göttliche Führung  für ihn bereit hält, an. Er ist offen für alles, ohne jedoch nach irgendetwas zu gieren oder zu verlangen. Er ist voller Hingabe, Demut und Gottvertrauen.

Es gibt einen alten Spruch, der lautet: „Bescheidenheit ist eine Zier!“ Die Ego-Menschen des Dunklen Zeitalters haben ihn nach ihrer Facon geändert in: „Bescheidenheit ist eine Zier, aber weiter kommst du ohne ihr!“ Damit zeigt sich der Stellenwert der Bescheidenheit im Dunklen Zeitalter in der L’Egoland-Welt, in der ein Karrierestreben absolut konträr zur Bescheidenheit steht, denn der ehrgeizige Karrieremensch muss sich durchsetzen, muss fordern, muss unersättlich sein, muss sein wie der gierige Vogel im Nest, der mit aufgerissenem Schnabel dasitzt und danach giert, dass ihm andere Futter hineingeben.

In einer Gesellschaft des Egoismus bringt es der Bescheidene nicht weit. Jedoch ist es die Frage, ob es der Karrieremensch weiter bringt, ob es ihm dadurch besser geht, ob er damit glücklicher wird. Die Karrieregier ist ein Fass ohne Boden, denn der Karrieresüchtige ist niemals zufrieden, denn Karriere kann niemals Zufriedenheit vermitteln. Da sie eine Gier bzw. eine Sucht ist, will der Karrieresüchtige immer mehr, wie der unersättliche Vogel, der irgendwann alle anderen Vogelgeschwister aus dem Nest wirft, damit er allein, den Platz von allen einnehmen kann. Doch auch das nutzt ihm nichts, denn er hat immer weiter Hunger und wird von seiner Gier und seinen Begierden von innen her aufgefressen.

Der Bescheidene und Genügsame hingegen führt ein Leben in Ruhe und Frieden. Er wird nicht umher getrieben und von innen her zerfressen. Auch mit Bescheidenheit und Genügsamkeit kann ein Mensch im Leben vorankommen. Es ist nur die Frage, auf welche Weise er vorankommt, ob er eine sogenannte „berufliche Karriere“ macht oder ob er auf seinem Inkarnationszyklus bzw. seinem göttlichen Auftrag, und damit im göttlichen Sinne, vorankommt. Bescheidenheit ist die Treppe zum Himmel; Gier/Völlerei ist die Treppe zur Hölle. Jedes Wesen kann selbst entscheiden, welche Treppe es besteigen möchte. Es gibt keine Treppe dazwischen, denn es gibt nur zwei Polaritäten in diesem Universum: Gut und Böse, Weiß und Schwarz, Frieden und Krieg. Es gibt keine Alternative, kein Dazwischen, kein bisschen hier und ein bisschen da.

Die heutige Gesellschaft des Dunklen Zeitalters lebt weitgehend im Zustand der Völlerei, Gier, des Habenwollens, der Anspruchshaltung. Viele Menschen sind nicht mit dem zufrieden, was sie haben, statt dessen sind sie fordernd und wollen immer mehr. Doch wenn sie statt der Wohnung ein Haus und statt dem Haus eine Villa haben, sind sie dennoch nicht zufrieden. Sie werden getrieben von der Gier und Unersättlichkeit ihres Egos und Super-Egos. Wer soviel Unzufriedenheit erlebt, kann niemals glücklich sein. Jeder aber glaubt, einen Anspruch auf glücklich sein zu haben und jagt dem Glück hinterher, ohne es jemals wirklich erreichen zu können: weder die vielgepriesene Kreuzfahrt in der Karibik bringt das Glück noch die exklusive Villa in Marbella. Unersättlichkeit auf der einen Seite – grenzenloser „Hunger“ auf der anderen Seite, ein Hunger, der die Wesen im Inneren zerfrisst und aushöhlt.

So ist auch die Gesellschaft des Dunklen Zeitalters eine hohle und leere Gesellschaft, die – einer Hölle gleich – wie hungrige Löwen sind, die seit langem nichts mehr zu fressen bekommen haben und von ihrem nagenden Hunger gepeinigt werden. Am Ende, in ihrem Hungerwahn, fressen sie sich gegenseitig auf. Das vermeintliche Wohlstands- und Luxus-Leben vieler Menschen erweist sich als Höllentrip, in dem die Wesen an einem gedeckten Tisch sitzen, auf dem die leckersten Speisen stehen, jedoch können sie den Tisch nicht erreichen, da sie auf ihren Stühlen festkleben. Das ist die Konsequenz dessen, was man als anti-göttlich Werden und anti-göttlich Sein bezeichnet.

Gottes Universum ist wie ein reicher Gabentisch, auf dem die schönsten Speisen und Getränke stehen, jedoch können nur die Wesen sie erreichen und davon genießen, die göttlich sind und Gott AMA und SEINER Schöpfung dienen. Es ist die Völlerei und Unersättlichkeit des Gierigen, die ihn von den göttlichen Speisen trennt. Dem Bescheidenen bzw. Genügsamen hingegen steht der göttliche Gabentisch offen.

Für die anti-göttlichen und gierigen Wesen gibt es statt dessen die Speisen des Anti-Gottes: die Würmer des Neides, die Schlangen der Wollust, die Kraken der Gier, die Hyänen der Macht, die Kakerlaken des Zorns, das faulige Wasser der Lüge. Jeder bekommt in diesem Universum, was er verdient – verdient durch sein Leben, durch seine Hinwendung zu Gott oder zum Anti-Gott, durch seine Einstellung und sein Handeln in dieser Welt.

Bescheidenheit ist eine Zier. Sie ist eine Zier des Menschen (mit seinem SGW), der sich Gott hingegeben hat, der IHM dient und IHN ehrt und liebt. Diese innige Verbundenheit mit Gott ist ein so großer Schatz, dass der Gott liebende Diener sich als den reichsten Menschen der Welt sieht. Dies erfüllt ihn, den Gott Liebenden, mit höchster Freude und Zufriedenheit. Es gibt nichts mehr, was er sich wünscht. Alle seine Bedürfnisse sind gestillt. Er ist zutiefst dankbar. Er braucht nichts mehr zu seinem Glück, denn er ist erfüllt von immerwährender Glückseligkeit.

Alle Schätze und alle Güter dieser Welt sind für ihn, den Gott liebenden Diener, im Angesicht seines göttlichen Reichtums nichts und vermögen ihn weder zu locken noch zu verführen. Darauf begründet sich seine Bescheidenheit, Bedürfnislosigkeit und Genügsamkeit. Für ihn gelten andere Schätze und andere Werte als sie in der L’Egoland-Welt auf dem Sockel der Begehrlichkeit stehen. Ihn, der den größten Schatz dieses Universums gesehen und sich mit ihm verbunden hat, lassen diese Begehrlichkeiten kalt. Wer einmal den Hauptpreis gewonnen hat, braucht keine Trostpreise mehr, um ein Stück vom Glück zu erheischen!

Die Bescheidenheit ist somit kein Verzicht oder Verlust, im Gegenteil, sie ist ein Nichtbrauchen, weil man etwas anderes besitzt, welches das Begehrte weit übertrifft. Wer also bescheiden und genügsam ist, signalisiert nach außen, der er die „Schätze“ von L’Egoland nicht braucht, weil er etwas anderes gefunden hat oder besitzt, das über diesen Ego-Schätzen, wie Erfolg, Reichtum, Ansehen oder Macht, steht.

Der Bescheidene gibt mit seiner Bescheidenheit den „Schätzen“ oder Begehrlichkeiten von L’Egoland eine Abfuhr. Dies ist für seinen Herrscher, den Anti-Gott Luzifer, unfassbar. Seine glitzernden und funkelnden Diademe und Preziosen vermögen einen Menschen (und sein SGW) nicht zu verlocken und zu verführen? Wie kann das sein? Er, der Meister der Verlockung und Verführung, muss diese Schlappe erleben?

Das ist die Zier der Bescheidenheit, denn sie ist das Diadem der Demut, der Hingabe und der Ehrfurcht vor Gott AMA, weil man sich in tiefer Liebe diesem höchsten Wesen geweiht hat und in einem göttlichen Akt mit IHM vereint hat. Seitdem sind alle „Schätze“ von L’Egoland bedeutungslos geworden. Der Gott liebende Diener geht seitdem mit Bescheidenheit, Wunschlosigkeit, Zufriedenheit und Anspruchslosigkeit durchs Leben.

Bescheidenheit hat auf Sanskrit mehrere Bedeutungen, darunter auch „Vinaya“. „Vinaya“ steht nicht nur für Demut und Disziplin, sondern auch für Höflichkeit, Freundlichkeit und Bescheidenheit. Demut und Bescheidenheit sind also eng miteinander verbunden. Wer demütig ist, ist in seinem Herzen bescheiden. Wer bescheiden ist, hat ein demütiges Wesen.

Hochmut und Bescheidenheit passen nicht zusammen, denn ein hochmütiges Wesen giert automatisch nach Dingen und möchte immer mehr haben. Seine Ego-Wünsche sind unersättlich und es will gar nicht maß halten und bescheiden leben, denn das würde sein Ego einschneiden. Bescheidenheit ist für den hochmütigen Egoisten ein Fremdwort.

So ist es nicht verwunderlich, dass die Tugend der Demut notwendig ist, um überhaupt erst in die Tugend der wahrhaften Bescheidenheit eintreten zu können. Ohne Grundlage der Demut ist jede Bescheidenheit unecht und wird scheitern, da sie nicht dem inneren Wesen entspricht. Wer nur bescheiden sein möchte, um sich mit seinem hochmütigen Ego etwas darauf einzubilden und nach außen hin gut darzustellen, ist in einer Schein-Bescheidenheit gefangen, die nichts mit der wahren göttlichen Bescheidenheit zu tun hat. So kann er auch nicht die Früchte der göttlichen Bescheidenheit ernten.

Ein weiteres Wort für Bescheidenheit ist „Anutseka“, d.h. Nicht-Überhebung, Bescheidenheit. Wer bescheiden ist, überhebt sich weder mit seinem Ego über andere, noch stellt es sich mit diesem auf einen Sockel, sondern bleibt mit seinem Ego klein und bescheiden, da er über die Vergänglichkeit und Geringheit des eigenen Egos angesichts der Größe und Ewigkeit Gottes weiß. Man erkennt somit die Sinnlosigkeit eines Egos, das versucht größer als Gott zu sein und sich wie ein Luftballon so stark aufbläht, bis es am Ende zerplatzt.

Ein bescheidenes Wesen hat es nicht nötig, seine innere Seelengröße durch sein Ego nach außen zu zeigen und damit zu prahlen. Es versteckt seine Seelengröße auch nicht, aber es stellt sie auch nicht zur Schau. Vielmehr ist es ein natürliches Zeigen und Nicht-Zeigen der eigenen Seelengröße, die immer mit Demut, Bescheidenheit, Zurückhaltung und Höflichkeit verbunden ist. Ein solches Wesen muss nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen und giert auch nicht danach der Erste zu sein, da es die Liebe und Anerkennung von anderen Menschen nicht braucht, um glücklich zu sein. Es ist sich seiner Fähigkeiten bewusst und in sich selbst und seiner inneren Mitte ruhend.

Im dunklen Zeitalter wird die Tugend der Bescheidenheit oft von der anti-göttlichen Seite missbraucht, denn man möchte schließlich von anderen Menschen geachtet und geliebt werden. So wird die Tugend der Bescheidenheit zu einer Tugend des Eigeninteresses des Egos. Jedoch ist niemand mit Angebern, die fortwährend mit ihren Talenten und Taten protzen, gerne zusammen, denn Eigenlob stinkt. Wer dagegen bescheiden auftritt, hat bereits zur Hälfte gewonnen. So versucht das Ego künstlich sich als nicht wichtig aufzuspielen, auch wenn es sich insgeheim natürlich für wichtig hält. Das Ego hat die Tugend der Bescheidenheit folgendermaßen umgedreht: „Bescheidenheit bedeutet nicht, dass man sich nicht hervortun sollte, sondern nur, dass man sich bei seinem Hervortun nicht hervortun bzw. auffallen sollte.“

Viele Menschen im Dunklen Zeitalter geben sich zwar bescheiden, sind es aber nicht wirklich. Die einen tun es als Taktik ihres Egos, um sich dadurch Vorteile zu verschaffen. Andere haben ein gestörtes Selbstbewusstsein bzw. SGW-Selbstbewusstsein und glauben durch übermäßige Bescheidenheit besser durchs Leben zu kommen. Mit ihrer übertriebenen Bescheidenheit tragen sie dazu bei, dass andere noch genusssüchtiger, noch begieriger, noch unersättlicher und noch maßloser werden. So stärken sie nicht die Tugend der Bescheidenheit in dieser Welt, sondern genaugenommen die Todsünde der Gier und Völlerei.

Bescheidenheit ist eine Zier des göttlichen Menschen seinem Schöpfer und Herrscher gegenüber: Gott AMA. Sie darf niemals zu einer Taktik verkommen und auch niemals als Taktik verwendet werden. Sie muss immer wahrhaftig sein, sauber und rein in allem. Sie muss aus der Liebe des Herzens kommen. Sie muss aus dem Bewusstsein kommen, dass derjenige, der die Schätze Gottes gesehen und erlebt hat, der reichste Mensch (das reichste SGW) dieses Universums ist. Gegen die Schätze Gottes sind alle anderen Schätze, insbesondere jene des Anti-Gottes, nur Attrappen und billiger Schund. Und weil das der Gott liebende Diener weiß, können ihn all die wertlosen Glitzersachen des Anti-Gottes nicht mehr verlocken.

Da er aber auch weiß, dass es ihm nicht zusteht, den Anti-Gott und seine L’Egoland-Welt zu beschimpfen, über ihn zu urteilen oder ihn zu verurteilen, reagiert er mit Bescheidenheit, Bedürfnislosigkeit, Genügsamkeit und Höflichkeit auf dessen Verlockungen und Verführungen. Der Bescheidene weiß, dass nur Gott AMA allein das Recht hat, über andere zu urteilen und so fügt er sich mit Bescheidenheit, Demut und Hingabe in die göttliche Weisheit und Autorität.

 

Im Dunklen Zeitalter in der L’Egoland-Welt war es üblich, dass die Wesen nach dem Lustprinzip lebten und ständig danach strebten, ihre Gelüste zu befriedigen. Die sexuelle Befriedigung der Wollust sowie die orale Befriedigung der Essenslust standen dabei im Mittelpunkt, aber auch andere Gelüste gehörten dazu wie beispielsweise die Lust zu faulenzen, Sport zu treiben, mit dem Auto zu rasen oder dem anderen eins auszuwischen. Alle Lüste bzw. Gelüste wurden voll ausgelebt und jederzeit befriedigt. Das Leben war komplett und maßlos Lust gesteuert. Begriffe wie Genügsamkeit, Enthaltsamkeit, Entsagung und Selbstdisziplin entlockten den meisten nur ein abfälliges Lächeln.

Lust bzw. Gelüste auf etwas oder auf einen Menschen ist eine Folge des Verlangens bzw. der Begierde, die jemand nach etwas oder nach einem Menschen hat. Der Gierige hat beispielsweise Lust auf einen Ferrari, also setzt er seine Lust dafür ein, das nötige Geld für den Kauf zu beschaffen – auf welche Weise auch immer. Wenn er dann das Luxusauto sein eigen nennen und er auf der Autobahn mit Tempo 250 dahin brausen kann, fühlt er sich als der große Hecht und seine Ego-Gier erlebt Befriedigung.

Jedoch hält dieser Zustand der Befriedigung nicht lange an, sondern verfliegt rasch wie ein Rausch. Sein Hunger nach weiteren Lusterlebnissen treibt ihn zum nächsten Objekt, das er bekommen möchte, um den kurzen Rausch der Befriedigung erneut zu erleben. So ist der gierige und Lust gesteuerte Mensch immer hungrig – nach ständig neuer Befriedigung. Er erkennt nicht, dass der Zustand der Befriedigung ihm niemals wahren und dauerhaften Frieden bringen kann. Denn Befriedigung ist immer an eine irdische Sache, ein Objekt oder an einen Menschen gebunden, während der Friede eine Sache des Herzens und der Seele ist, ein friedlicher Zustand, der im Inneren des Menschen herrscht – ein Seins-Zustand, der frei ist von äußeren Faktoren.

Der viele Jahrtausende vorherrschende Trend des Dunklen Zeitalters und der L’Egoland-Welt hat den Wesen zwar eine ungeahnte Lustentfaltung und ein nie gekanntes Lusterleben ermöglicht, sie jedoch nicht wirklich glücklich und zufrieden gemacht. Die Lust ist wie ein Rausch, der so schnell entsteht wie er wieder vergeht. Was bleibt ist Ernüchterung und Leere. Beim ersten Mal hat man noch Lust auf Kaviar oder Champagner; jedoch ständig gegessen erzeugt er keine Lust mehr, sondern Überdruss. Dann hat man eher Lust auf Bratkartoffeln, Spinat oder Salat.

Wer so viele Jahrtausende das Wechselbad von Lust, Befriedigung, Ernüchterung, Leere und wieder Lust, Befriedigung, Ernüchterung und Lehre und wieder Lust usw. erlebt bzw. erlebt hat, kommt an den Punkt, da er genug davon hat. Er erkennt, dass sich alles nur immer wiederholt wie in einer Endlosschleife. Er möchte nur noch eines: Freiheit, Ruhe, inneren Frieden und Zufriedenheit. Ist ein Wesen an diesem Punkt angelangt, kann es aus dem alten lustbetonten Zeitalter aussteigen und in neues, lustfreies und statt dessen gemäßigtes, auf göttlichen Werten begründetes Zeitalter, wechseln.

In dem dafür notwendigen Transformationsprozess muss es lernen und dahin gelangen, seine Triebe, Gelüste und Begierden zu disziplinieren und zu beherrschen. Es muss dazu übergehen, sich in allen Bereichen des Lebens gemäßigt verhalten. Dazu muss es den „Pfad der Enthaltsamkeit“ beschreiten, in dem es lernen muss, freiwillig enthaltsam zu leben. Dies bedeutet, bereitwillig und aus eigenem Willen auf bisherige Bequemlichkeiten und Sinnesgenüsse zu verzichten, insbesondere im Bereich, Essen, Genussmittel und Sexualität.

Das Ziel eines enthaltsamen Lebens besteht darin, seine niedere, triebgesteuerte Ego-Natur in die höhere, göttliche Natur zu transformieren, in der das Wesen frei ist von Triebhaftigkeit. Dazu müssen die Wurzeln des Göttlichen sowie die göttlichen Tugenden beharrlich eingeübt sowie alles vermieden werden, was dem Transformationsprozess im Wege steht.

Enthaltsamkeit ist wie eine Abmagerungskur, die ein Wesen durchführt, weil es zu viele Pfunde drauf hat. Sie ist auch wie eine Entschlackungskur, die ein Wesen durchführt, weil es zu viele Ablagerungen und Schlacken in seinem Körper hat. Durch die Enthaltsamkeit wird der Körper bzw. das Körpersystem gereinigt und umgewöhnt. Altes wird abgestoßen und aufgelöst, das System wird wieder leichter und freier, zudem kann es sich regenerieren, um dann in eine neue Lebensphase einzutreten.

Im „Abmagerungs- und Entschlackungs-Prozess“ werden, durch strikte Enthaltsamkeit und Entsagung, alle überzüchteten und aufgeblähten Begierden und Triebe des Egos bis auf die Wurzeln zurückgeschnitten. Danach werden die giftigen Wurzeln entfernt, damit die Ego-Pflanze nicht mehr austreiben kann. In dem Maß, in dem die Triebe und Begierden abgeschwächt und entfernt werden, verlieren sie ihren destruktiven Einfluss und ihre anti-göttliche Macht über das Wesen. Statt dessen erwachen die göttlichen Tugenden zu neuem Leben, um nach und nach die göttliche Vorherrschaft über das Wesen anzutreten.

Wenn das Wesen von einem egobeherrschten, in den Wurzeln des Übels und in den Todsünden verhafteten Leben, wieder in ein tugendhaftes, selbstloses und reines Leben zurückkehrt, ist es nicht nur geläutert, sondern befindet es sich auch wieder auf dem „geraden, göttlichen Kurs“. Dann kann es wieder seinem übergeordneten Inkarnationsplan bzw. seinem göttlichen Auftrag folgen, wie es von seiner göttlichen Führung vorgesehen ist.

Enthaltsamkeit, gerade wenn sie strikt und konsequent eingehalten wird, mag dem Wesen am Anfang seines Transformationsprozesses so erscheinen als würde ihm alle Freude am Leben genommen. Dies ist jedoch ein Irrtum. Die wirkliche und wahrhaftige Freude kommt erst durch den Prozess der Enthaltsamkeit, wenn das Wesen in den Zustand gelangt, den man als „Freiheit“ bezeichnet. Wer beispielsweise sexuell enthaltsam lebt und sich dadurch aus der Todsünde der Wollust befreit, erlebt ein nie gekanntes Gefühl von Freiheit, denn er hat seine wollüstigen Triebe besiegt.

So führt der Pfad der Enthaltsamkeit das Wesen aus der Abhängigkeit seiner Ego-Triebe in den Sieg über seine eigene Triebhaftigkeit. Enthaltsamkeit ist somit ein göttliches Werkzeug, um die göttliche Natur im Wesen von der Vorherrschaft der anti-göttlichen Natur zu befreien. Das Wesen, das durch seine maßlose und unbeherrschte Triebhaftigkeit seine göttliche Selbstachtung und Selbstwürde verloren hat, tritt durch den Sieg über seine Triebhaftigkeit wieder in die göttliche Selbstachtung und Selbstwürde ein. So ist der Pfad der Enthaltsamkeit weder eine Entbehrung noch ein Verlust, sondern ein großer Gewinn. Maßlose und unbeherrschte Triebhaftigkeit ist immer ein Zeichen von Schwäche; wer hingegen enthaltsam lebt und seine Triebe beherrschen kann, zeigt und beweist damit, welche Stärke in ihm herrscht. Sich seinen Trieben zu ergeben ist einfach; seine Triebe mittels Enthaltsamkeit zu beherrschen oder sie gar zu überwinden, erfordert einen starken und zielstrebigen Willen.

Die Tugend der Enthaltsamkeit basiert auf der Yamas „Brahmacarya“, was Enthaltsamkeit, Keuschheit, reine Lebensweise und ein tugendhaftes Leben bedeutet, geht jedoch in dieser besonderen Form als Tugend der Wurzel der Selbstlosigkeit noch darüber hinaus. Wörtlich heißt Brahmacarya „der Wandel im Brahman“, was andeutet, dass sich der Schüler im Bewusstsein Gottes vom Menschen zum göttlichen SGW wandelt. Brahmacarya ist also nicht nur eine Lebensweise, sondern auch eine Lebensstufe, die zur Erkenntnis des Brahman, d.h. Gottes, führt. Brahmacarya bezieht sich auf die Aktivitäten aller Sinne, nicht nur auf die Sexualität, sondern auch auf die 10 Sinne, nämlich den Sehsinn, den Hörsinn, den Geruchssinn, Geschmackssinn, den Tastsinn, den Temperatursinn, die Schmerzempfindung, den Gleichgewichtssinn, den Körpersinn und den sensorischen Bewusstseins-Sinn. Alle diese 10 Sinne werden gemeistert und die darin verborgene Versuchung zum Egoismus abgelegt.

Wer die Tugend der Enthaltsamkeit in sich verankert hat, wird zu einem „Brahmajnanin“, d.h. zu jemanden, der im Bewusstsein von Gott AMA, d.h. Brahman, wandelt und IHN kennt. Der Mensch ist zu einem bewussten, spirituellen Wesen geworden, das sich regelmäßig spirituellen Übungen und Ritualen unterzieht, um sein Ego weiter zu meistern und seine Wurzeln des Übels zu kontrollieren, so dass gleichzeitig seine Wurzeln des Göttlichen und sein SGW gestärkt werden können. Früher wurden mit „Brahmajnanin“ auch Menschen bezeichnet, die die Gelübde der Keuschheit, der Weltentsagung und der Armut abgelegt hatten.

Ein „Brahmajnanin“ hat erkannt, dass alles Maya ist. Er hat seinen Geist von den Täuschungen der irdischen 3D-Welt abgewandt und sein Bewusstsein und seine Gedanken fortwährend auf Gott gerichtet. Er hält sich von der seichten Unterhaltung und der oberflächlichen Verführung des Anti-Gottes und seiner Mitarbeiter fern, welche ihm nichts mehr bieten können, da er sich ihrer Täuschung bewusst ist.

Gleichzeitig hat ein „Brahmajnanin“ eine sehr edle, feine Seele entwickelt, die von hoher Kultur ist. Er lässt sich weder von den polaren Kräften der Freude und des Glücks überwältigen, noch von den polaren Kräften der Trauer und des Leides. Sein gesamtes Bewusstsein ist in einem Null-Zustand der göttlichen Neutralität, wodurch er über einen besonders wachen und intelligenten Geist verfügt, der es ihm möglich macht, sich weiter spirituell zu entwickeln und in die höheren göttlichen Dimensionen einzutreten.

Das Ziel jedes Menschen ist die Erkenntnis Gottes, das „Brahmajnana“. Denn nur durch die Erkenntnis von Gott AMA kann die göttliche Wirklichkeit erkannt werden. Es geht hierbei nicht um eine intellektuelle KW- oder Ego-Erkenntnis, sondern um ein existentielles Erkennen, Umsetzen und Verwirklichung, die auf der Aufhebung der Spaltung des individuellen Geschöpfes von Gott AMA beruht. Subjekt und Objekt werden somit wieder eins, was das Ziel von allen Geschöpfen ist und „Brahmaikyata“, d.h. Vereinigung mit dem Göttlichen, genannt wird.

Ein enthaltsames Wesen wird allein von dem Wunsch getrieben, Gott AMA bzw. das Brahman zu erkennen. Dieser Wunsch wird auch „Brahmajijnasa“ genannt. Ein solches Wesen ist erfüllt von der Suche nach Gott AMA und der Untersuchung Seines Bewusstseinsmeeres. Er übt sich permanent in der spirituellen Praxis der Unterscheidung, um die Realität des Einen und die relative Unwirklichkeit der Vielfalt der Maya erkennen zu können. Dies geschieht über die Meisterschaft der 10 Sinne, des Egos und des irdischen Körpers.

Ein „Brahmajnanin“ enthält sich aller niederen Bewusstseinsebenen und Dimensionen, um in „Brahmaloka“, die Dimension von Gott AMA; d.h. in die Plus 7. Dimension, eintreten zu können. Dies ist nur möglich, wenn er ein hohes Bewusstsein entwickelt hat, das bereits im irdischen Leben einen Ewigkeitscharakter aufweist, der frei von der vergänglichen irdischen Welt ist. Das Wesen ist nur noch auf die Erfahrung der Einheit mit Gott AMA ausgerichtet. Es identifiziert sich nicht mehr mit seinem Körper, seinen irdischen Sinnen und seinem KW-Denken. In diesem göttlichen Bewusstseinszustand, der auch Brahman-Zustand genannt wird, wird die göttliche Realität in ihrer ganzen Form erfahren. Die polaren Kräfte der Trennung haben keine Macht mehr.

Auf diese Weise erlangt das Wesen wahre göttliche Glückseligkeit, die „Brahmananda“ genannt wird, nämlich das Glücksgefühl, das Gott AMA vermittelt, wenn man mit IHM eins wird. Das Wesen ist dann nicht mehr an den Inkarnationszyklus der Wiedergeburt gebunden, sondern kann aus diesem aussteigen und in Gott AMA aufsteigen, da es wahre Befreiung von der Maya und seinem individuellen Ich erlangt hat. Durch „Nirvikalpa“, d.h. die Beherrschung der Sinne, wurde auch die letzte Spur von Polarität im Menschen ausgelöscht.

„Nirvikalpa“ ist ein Teil der Tugend der Enthaltsamkeit. Es ist eine Stufe der Erleuchtung, die frei von allen irdischen Aktivitäten des Egos ist und das Bewusstsein des Menschen beständig und unwankelbar in den höheren Dimensionen und der Wirklichkeit von Gott AMA verankert hat. Die irdischen Sinne, der Körper, das KW und das Ego wurden gemeistert und abgelegt, so dass das Wesen ohne alle Sinnestätigkeit ist. Es ist in einem neutralen Nullzustand der Stille und des Schweigens der irdischen Sinne, welcher auch „Nirvikalpamauna“ genannt wird.

Daraus ergibt sich er Zustand von „Nirvikalpasamadha“, der höchste Bewusstseinszustand der Erleuchtung in der Plus 7. Dimension, in welchem nicht nur die irdischen Sinne, das KW und das Ego ausgeschaltet sind, sondern auch die Verwirklichung des göttlichen Satzes „Ich bin ein Teil Gottes“ geschehen ist. Der Mensch gibt sich selbst und sein menschliches und seelisches, individuelles Selbst auf, um wieder im Ur-Meer der Einheit Gottes aufzugehen, wo es weder Dualität noch Subjekt oder Objekt gibt.

Nur ein Wesen, das vollständig frei von der Vorstellung seines begrenzten Ichs ist und seine göttliche Natur erkannt hat, kann in diesen Bewusstseinszustand eintreten. Aus diesem heraus wirkt es nicht mehr für sein eigenes Wohl, sondern für das Wohl von allem-was-ist, denn das ist das einzige, was das Wesen noch interessiert. Die eigenen Ego-Bedürfnisse sind längst uninteressant geworden. Dies ist die Basis eines göttlichen Mitarbeiters, der sich im Universum inkarniert, um anderen Geschöpfen bei ihrer spirituellen Entwicklung und ihrer Rückkehr zu unterstützen und zu führen. Alles andere ist für ihn nicht mehr relevant. Der eigene spirituelle Aufstieg wurde so lange zurückgestellt, bis der göttliche Auftrag ausgeführt und alle Geschöpfe wieder in Gott AMA eingegangen sind.

Wer in er Tugend der Enthaltsamkeit lebt, hat die göttliche Wirklichkeit, das Wesen von Gott AMA und Seine göttlichen Prinzipien erkannt. Dieser Bewusstseinszustand wird auch „Brahmatattva“, das Wesen von Brahman, genannt. „Brahmatattva“ weist einerseits auf das Bewusstseins-Meer der absoluten Wirklichkeit von Gott AMA hin, andererseits auf Gott AMA selbst, der der Herr dieses Meeres ist. Indem das Wesen die göttliche Unterscheidungskraft entwickelt hat, erkennt es, dass es in der tiefen Wurzel seines Seins eins mit Gott AMA ist und deshalb zu IHM zurückkehren wird und muss.

Die über diesen Zustand hinausgehende Entwicklung ist nur durch Hingabe an Gott AMA möglich. So wird aus dem Zustand der Enthaltsamkeit von den irdischen Sinnen, dem Ego und dem KW, ein Zustand des Sich-Öffnens und des Sich-Hingebens an Gott AMA und Sein Bewusstseinsmeer der Liebe, des Lichts und des Friedens. Das, was man aufgegeben hat, erhält man nun tausendfach in anderer, höherer Form zurück. Ein Wesen, das sich L’Egoland enthält, verliert somit nichts, sondern gewinnt am Ende viel mehr, indem es Teil der Fülle Gottes wird. Denn wie schon die Upanisahden sagen: „Brahmavid brahmaiva bhavati“, d.h. „Wer Brahman/Gott AMA erkennt, wird selbst zu einem Teil von IHM.“